Für den interessierten Leser

Hochrad aus Brennabor-Produktion

Brandenburger Anzeiger/Nummer 127, 131 Jahrg./Sonnabend, 1. Juni 1940

Stadt-Anzeiger

Kleines Kapitel für Rad- fahrer

Bilder aus  der  Geschichte des Fahrrades  in  Brandenburg

(Dem 1. Teil des Artikels entnommen in Origi-nalschreibweise)

 

Kürzlich lasen wir in einer auswärtigen Zeitung, es sei erst 52 Jahre her, daß man in Berlin nach mehrjährigem Verbot durch eine Polizeiverordnung den „V e l o c i p e d i s t e n" gestattet habe, sich auf ihren Fahrrädern gleichberechtigt neben den anderen Verkehrsmitteln in allen Straßen der Reichshauptstadt zu zeigen. Vorher habe es Verbote über Verbote gegeben. Allenfalls hätten die „Radreiter“ einzelne Straßen kreuzen, aber sie beileibe nicht befahren dürfen. Dieses habe sowohl für die Drei- als auch für die Vierräder gegolten. Erst im Jahre 1891 hätten die Zweiräder ihre amtliche Anerkennung  gefunden, als es ihnen erlaubt wurde, einzelne, genau bezeichnete Straßen Berlins zu befahren.

Nun, in Brandenburg ist die Sache nicht ganz so schlimm gewesen. Immerhin wollen wir in den folgenden Zeilen den Versuch unternehmen, uns ein- mal in die Tage der ersten Fahrräder zurückzuversetzen. Diese ersten Fahrräder, wir würden heute sagen „Ungetüme" von Fahrgestellen--- erregten damals natürlich ungeheures Aufsehen. Wir können es verstehen, daß an- gesichts dieser gegenüber dem heutigen Fahrrad recht sonderbar anmu- tenden Gestelle ein Gericht feststellte: „Ein V e l o c i p e d  gleicht einer Spinne, die gespensterhaft an den Passanten vorbei saust“.

Diese kurze Erinnerung an die Anfänge des Fahrrades dürfte für unsere Leser auch schon deshalb von Beachtung sein, weil Brandenburg ja von jeher eine Stadt der Radfahrer gewesen ist und die Fahrradfabrikation in das Wirt- schaftsleben unserer Stadt eine wesentliche Note brachte.

Gerade jetzt in der warmen Jahreszeit sieht man besonders am Wochenen- de  überall Radfahrer, die hinaus ins Grüne eilen. An schönen Sonntagen entdeckt man in den Gärten unserer Ausflugslokale oft hunderte von Fahr- rädern.

Wenn wir der Entstehungsgeschichte des Fahrrades nachgehen, müßten wir mit einem Fahrzeug beginnen, das nur als Kinderspielzeug gedacht war: An einem Oberteil aus Holz, das die Form eines Pferdekörpers hatte, war zwischen Vorder- und Hinterbeinen je ein Rad angebracht. Die Kinder konnten sich auf dieses Gefährt setzen und durch abstoßen fortbewegen.

Aber erst, als der badische Forstmeister Karl Freiherr von Drais im Jahre 1817 sein Laufrad, die sogenannte Draisine erfand, begann die eigentliche Entwicklung zum heutigen Fahrrad. Die erste Draisine war völlig aus Holz hergestellt; man mußte sich auch bei ihr durch Abstoßen fort- bewegen. Später traten die ersten Konstruktionen aus Eisen auf. Ver- besserungen wurden angebracht, die Ausstattungen vervollkommnet.

Diese Laufmaschinen gerieten dann aber bald in Vergessenheit. Im Jahre 1851 erfand nämlich der deutsche Instrumentenmacher Phil. Moritz Fischer aus Schweinfurt das erste hölzerne T r e t k u r b e l r a d. Bei der Ausbesserung eines Laufrades hatte er den Einfall, an der Achse des Vorderrades Pedale anzubringen. Da auch dieses Fahrzeug sich aber nicht zur allgemeinen Einführung eignete, probierte man weiter. Es entwickelten sich die sogenannten H o c h r ä d e r.

Ein weiterer Fortschritt wurde durch den Einbau  eines K e t t e n a n -      t r i e b e s erreicht, der es ermöglichte, unter Beibehaltung der gewünschten Uebersetzung von dem großen Vorderrad abzukommen. Mitte der 89er Jahre entstand ein dem heutigen Fahrrad ähnliches N i e d e r r a d, der „Kreuz-Rover", mit Kettenantrieb auf das Hinterrad. Trotz zweifellos größerer Sicherheit des Niederrades  bestand jedoch noch län- gere Zeit neben ihm das Hochrad.

       Das Fahren auf diesen ersten Maschinen hat in den Straßen unserer Stadt gewiß nicht zu den angenehmsten Dingen gezählt, weil die Stöße, die das Befahren der damals nicht gerade glänzenden Straßen verursachte, fast ungeschwächt auf den Fahrer übertragen wurden. Da erfand der schottische Tierarzt D u n l o p Mitte der 50er Jahre den L u f t r e i f e n, mit dem die Fahrradindustrie als bald ihre Fahrzeuge ausrüstete.

Wie überall in Deutschland sich nun Vereine gebildet hatten, die den Rad- sport pflegten, so auch in    B r a n d e n b u r g. Die Brüder Eduard und Carl Reichstein gehörten hier neben so manchem anderen bekannten Branden-burgern mit zu den eifrigsten Zweiradfahrern.

Schon Anfang der 70er Jahre hatte man auch in unserer Stadt dreirädrige Kna- benfahrräder, sogenannte V e l o c i p e d e, gebaut, die man dann später durch zweirädrige ergänzte. Diese Kinderfahrräder bestanden aus Holz und Eisen und waren ein für die körperliche Uebung wertvolles Spielzeug der männlichen Jugend.

Weit umfangreicher war allerdings Fabrikation von Hochrädern, die jedoch nur von gewandten jungen Leuten benutzt werden konnten. Es gehörte Mut und Geschicklichkeit dazu, das Hochrad von 50 bis 56 Zoll, d.h. 130 bis 145 Zen- timetern Durchmesser des Vorderrades, ohne Hilfe eines Kameraden zu besteigen.

So also sahen die Anfänge unseres Fahrrades aus. Wenn wir einen Blick in ei- nen Katalog über Brennabor-Fahrräder aus dem Jahre 1892/93 werfen, dann wird uns diese Entwicklung noch einmal so recht klar. In den Brennabor-Fahrrad-Werken arbeiteten damals 1200 Arbeiter. Es wur- den zum Verkauf angeboten: Brennabor-Rover Nr. 0 bis 7a, außerdem ein Brennabor-Damen-Rover, ein Brennabor-Rover-Tandem, ein Brennabor Dreirad-Tandem, Brennabor-Dreiräder Nr. 0 bis 1 und Nr. 1a, ferner die Hochräder Brennabor-Komet, Brennabor-Meteor, Brennabor-Magnet, eine Brennabor-Saal- maschine, weiter mehrere Brennabor-Jugend-Rover, dazu Brennabor-Pfeil und Brennabor-Roland als Hochräder für Jugendliche, schließlich  als Dreiräder für Jugendliche  Brennabor-Jugendlust Nr.1 und Nr.1a und ein Brennabor-Jugend-Tandem.

Das wäre so ein kleiner Auszug in die Vergangenheit. Heute belächeln wir viel- leicht jene schlichten Anfänge des Fahrrades, bedenken dabei aber nicht, daß schließlich jede Erfindung und Entdeckung erst ihre Entwicklung durchmachen muß, ehe sie zur Vollendung kommt. (Autor?)

 

 

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