Illustrierter Radsport Heft 12 , 1952

D o p i n g

(Das unerlaubte Zuführen von Reizmitteln zur Steigerung der sportlichen Leistungen)*

 

Der Begriff Doping wurde Ende des 19. Jahrhunderts von holländischen Einwanderern in Südafrika geprägt und bezeichnete ein Getränk mit stimulierender Wirkung.

Zunächst möchte ich darauf hinwei- sen, dass dieses leidige Thema hier nicht erschöpfend behandelt werden soll und kann. Dafür gibt es reichlich Literatur von Experten. Auch soll an dieser Stelle nicht der schwierige Problemkreis „Systematisches Do- ping in der DDR“ beleuchtet wer- den, mit dem sich nun seit über 20 Jahren Experten und Betroffene vehement und kontrovers auseinandersetzen. Mir geht es vor allem um die Sicht der Zeit von 1950 bis 1989 speziell im Radsport durch die „Brille“ der DDR- Radsportzeitungen.

Zunächst noch einige kurze Vorbemerkungen für das bessere Verständnis. Als Auf- putschmittel war im 2. Weltkrieg sogenanntes künstliches Adrenalin (Pervitin, Maxiton) an Wehrmachtssoldaten ausgegeben worden, um Ermüdung zu bekämpfen. Auch Strychnin als Analeptikum, welches eine erhöhte Erregbarkeit verursacht, wurde zum Dopen genutzt. Beschrieben wurde auch die Beimengung von Nitroglyzerin in der "schnellen Pulle"

*Die oben aufgeführte Definition stammt aus einem Fremdwörterbuch von 1965 mit dem Kenntnisstand bis 1962, auf welchem wir (Rad)sportlerInnen damals waren. Sie deckt die heutigen Ansichten beileibe nicht mehr ab, stimmt im Kern aber immer noch.

Inzwischen teilt man die „Reizmittel“ in Gruppen von Substanzen mit verschiedenem Wirkungsspektrum ein, wie:

  1. Stimulanzien (z.B. Amphetamin als „klassisches Aufputschmittel gegen             Ermüdung“),
  2. Anabolika (Abkömmlinge von androgenen Steroidhormonen zum Muskelaufbau)
  3. Peptid-Glykoproteinhormone (z.B. Erythropoetin „Epo“ zur Vermehrung der roten Blut- körperchen),
  4. Diuretika (zur erhöhten Wasserausscheidung – z.B. im Boxen um Gewichtsklasse zu verändern)
  5. Narkotika (zur Ruhigstellung – z.B. bei Schützen für die „ruhige Hand“

Darüber hinaus „erfand“ man das Blutdoping mittels Transfusion von Eigenblut, um kurzfristig die Sauerstofftransportkapazität im Kreislauf zu erhöhen. Den gleichen Effekt erzielt man, jedoch viel mühsamer, durch längeres Training in großer Höhe oder in einer Unterdruckkammer, was nicht verboten ist.

Selbst bei Pferden wurden schon verbotene Substanzen im Blut festgestellt. Nicht nur die Verbesserung von Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit für physische Hochleistungen ist das Ziel von Doping. Selbst bei einem Darts-Spieler sei  „etwas“ gefunden worden, las ich kürzlich in einer Tageszeitung.

Die Zufuhr von Vitaminen, Mineralien und Eiweißpräparaten in üblichen Mengen in der Aufbauernährung zählt nicht dazu. Es wird jedoch vor „Verunreinigungen“ gewarnt!

                                Viele therapeutisch hochwirksame Medikamente enthalten aber Substanzen, die als  „Doping“-Stoffe gelistet sind. Der/die erkrankte SportlerIn kann natürlich bei der richtigen Indikation auch damit behandelt werden, muss aber gegebenenfalls für einen gewissen Zeitraum von Wettkämpfen pausieren oder benötigt eine ärztliche Be- scheinigung darüber, dass eine kurzzeitige Behandlung notwendig war, um Schaden für die Gesundheit abzuwenden. Das ist natürlich eine Geradwanderung und verlangt von Arzt und Athleten höchste Disziplin.

Überwacht wird dieses Procedere heutzutage in vielen Ländern von nationalen und internationalen Organisationen (wie z.B. NADA, WADA). Unangemeldete Tests sollen in der Trainingsphase den Missbrauch verhindern. Die nationalen und internationalen Sport-verbände mit ihrer Gerichtsbarkeit und die staatlichen Gesetzgeber der Länder drohen für Besitz und illegale Anwendung solcher Mittel teilweise drastischen Strafen an!

Waren frühere „Doping-Skandale“ gekennzeichnet durch schwere gesundheitliche Probleme oder Tod von Sportlern beiderlei Geschlechts, meistens als Folge von Überdosierungen, so steht bei den verfeinerten Methoden des „modernen“,  medizinisch begleiteten Dopings eher die Betrugsdebatte durch die entstehende Chancenungleichheit im Fokus. Es geht ja um sehr, sehr viel Geld im „System Profisport“, welches die „Produzenten“ der „Ware Leistung und Erfolg“(Athleten, Trainer und Betreuer) bekommen von uns „Konsumenten“ (Direktzuschauer und Medienkonsumenten), die wir dafür direkt und indirekt bezahlen müssen! Und nicht zuletzt legen natürlich die Sponsoren  großen Wert darauf, dass ihre Werbe-Ikonen „skandalfrei“ vom Bildschirm und aus den Printmedien strahlen.

Das Dilemma: Stimuliert durch die Medien mit Blick auf die Einschaltquoten und den Absatz der Zeitungen, ist die  Erwartung und Forderung des Publikums nach immer weiterer Steigerung der Leistungen und Ergebnisse oft überzogen. Der Sieg allein reicht oft nicht mehr. Es soll gleichzeitig ein Rekord her, wo doch in vielen Sportarten die menschliche Leistungsfähigkeit schon beinahe ausgereizt, also am Limit ist. Noch völlig „ausgepumpt“ wird dem/der AthletenIn, nicht selten vor lau- fender Kamera,  das Mikrofon vor das Gesicht gehalten. Er/sie muss sich rechtfertigen, spätestens ab Platz 4, warum es denn nicht „geklappt“ hat. Trainer bangen um ihren Job, wenn die Medaillen nicht „purzeln“. Dieser schwierige Spagat zwischen hohen Erwartungen und eingeschränkten Möglichkeiten mit der Versagensangst im Nacken hat sicher bei manchem m/w „Doping-Sünder“ die Hem- mungen fallen lassen, und er/sie griff, wie einst Eva, nach der verbotenen Frucht und flog dafür aus dem „Paradies“.

Bleiben wir beim Thema. Der Profiradsport gehört sicher zu den Sportarten mit der höchsten körperlichen Belastung. Es reicht den Veranstaltern nicht, wenn, an einem Tage bei den großen Rundfahrten ein hoher Berg im Hochgebirge im Rahmen einer 200 km – Etappe bezwungen werden muss, am besten sind es gleich drei und die letzten 3 km mit 20% Steigung, vielleicht im Nebel, bei Regen oder Schnee.

Nutzt man die Erkenntnisse von Experten, so lässt sich in etwa errechnen, dass ein 70 kg schwerer Radprofi, der die Tour de France gewinnen will, in der Lage sein muss, über ca. 3600 km in drei Wochen ca. 81 Std. lang durchschnittlich eine Leistung von 470 Watt „zu treten“. Die erforderliche Leistung kann man nur durch Gewichtsreduktion verkleinern (Körpergewicht/Material) oder wenn man im Windschatten seiner Domestiken fährt! Ein Wasserträger muss noch 20 bis 30 Watt mehr leisten, wenn er mit 4 – 6 Flaschen belastet im Wind am langgezogenen Feld nach vorn fahren muss. Die großen Schwankungen der täglichen Leistungsanforderung durch Streckenprofil, Windrichtung und Wetter sind enorm.

Diese Strapazen kann nur annähernd ermessen, wer selbst einmal etwas sportlicher Distanzen von 50 bis 100 km mit 1000 bis 1500 Höhenmeter in einem Ritt überwunden hat. Auf dem Fahrradergometer in einem Fitness-Studio liegt die Belastung meisten zwischen 100 und 150 Watt für 45 Min. Training, was auch schon sehr schweißtreibend ist.

                                                   Diese schier übermenschlichen Leistungen, welche die Profis vollbringen, sind sicher auch der Hauptgrund der Faszination, die bei den drei großen Rundfahrten die Zuschauer begeistert und teilweise in Ekstase versetzt, aber auch der Versuchung einiger Akteure, durch Doping die physichen Qualen zu lindern.

 

Doch nun zu Darlegungen in den DDR-Radsportzeitungen. Bis zum Jahre 1968 hatte das Wort Doping noch einen etwas anderen Inhalt. Im Radsport sprach man von der „schnellen Pulle“. Berühmte Radprofis wie z.B. Coppi, van Steenbergen und Anquetil sprachen offen, dass sie bei „Bedarf“ auch leistungssteigernde Mittel nahmen. „… eine Tour gewinnt man nicht mit Brot und Wasser und ähnliche Aussagen …“. Es schien zwar nicht ganz in Ordnung zu sein, aber so ist das nun mal im Berufssport, war wohl der allgemeine Konsens.

                                           1967 gab es dann eine Cäsur in diesem Denken. Anlass war der tragische Tod von Tom Simpson bei großer Hitze kurz vor dem Ziel der Tour-Bergetappe  auf dem Mont Ven- toux. In seinen Trikottaschen fand man u.a. Tabletten, die Amphetamin enthielten. Das Selbstschutz- system seines Körpers gegen Überlastung hatte er völlig blockiert.

                                                              Das IOC führte infolge dessen 1968 die Dopingkontrollen bei den Olympischen Spielen in Mexico ein, war doch schon 1960 in Rom ein dänischer Radrennfahrer beim 100-Mannschaftszeitfahren verstorben, in dessen Blut Amphetamin nachgewiesen worden war.

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