Grafitto an einem Transformatoren-Häuschen im ehemaligen Werk - heute Arbeitsamt
Grafitto an einem Transformatoren-Häuschen im ehemaligen Werk - heute Arbeitsamt
 

I. *Historisches   über  das  Radfahren  und  den Radsport in  Brandenburg a. d. Havel  von  den   Anfängen   1883   bis   zum   Ende  des  2.  Welt- krieges 1945.

*Als Hauptquelle für die vielen Fakten in den nachfolgenden Texten wurde der Brandenburger Anzeiger (BA) herangezogen, der von 1809 bis 1945 erschien und im Stadtarchiv Brandenburg aufbewahrt wird.

Beispiele für das Aussehen der Einer- und Gruppenkunstradfahrer vor etwa 100 Jahren. Ein Brennabor-Hochrad um 1882. Quellen: Radsport-Woche Nr.44, 1956, Kreschel/Mertink, Brandenburger Museums- hefte Nr.3.

 

 

1.  Radfahren  und   Radsport   -   das   Bürgertum  wird mobil

 

Der Adel verdankte seit  Jahrhunderten seine Mobilität seinen Reitpferden, dem "Roß". Dieses edle Tier war jedoch sehr kostspielig im Unterhalt und hatte einen großen Platzbedarf.

Die Mobilität des "kleinen Mannes" erfuhr durch die Erfindung und Weiterent- wicklung des "Velocipeds" („Schnellfüßer“)  Anfang des 19. Jahrhunderts, (C. F. Drais, Fh. von Sauerbronn u.a. 1817), jedoch eine glänzende Perspektive.  Dieses moderne, pflegeleichte  Fortbewegungsmittel  verbreitete sich sehr schnell, be- sonders in Frankreich und England. Erste dokumentierte Radrennen gab es in Paris um 1868, weshalb Frankreich auch als Wiege des Radsports gilt. Die Fahrmaschinen mit Tretkurbeln am Vorderrad (Tretkurbelvelociped 1853 bis 1861) ließen noch keine größeren Geschwindigkeiten zu. Abhilfe sollte das Hochrad (1870) schaffen. Durch seinen großen Umfang nahm die Geschwindigkeit pro Kurbelumdrehung deutlich zu. Erkauft wurde dieser Vorteil mit einem großen Nachteil. Es war schwierig zu fah- ren und wurde dadurch nicht alltagstauglich. Erst die Weiterentwicklung zum Nie- derrad  ab 1880 mit  der Kraftübertragung vom größeren Kettenblatt per Fahrrad- kette auf den Zahnkranz (siehe auch ). Zwischen 1885 und 1895 entwickelte sich dann der Grundtyp des heutigen Fahrrades (Diamantrahmen). Bald erfolgte die industrielle Produktion und ein schnell steigender Anteil des Bürgertums konnte  nun sein Stahlross "reiten"!

                                           

Quelle:Brennabor-Brandenburg, Eine Bilddokumentation von Kreschel/ Mertink 1995, Museums- heft 3

2.    Carl Reichstein, ein Brandenburger Unternehmer  mit  Weitblick,  erkannte die Zeichen der Zeit!

So wie in Frankreich "Peugeot" und in England "Rover", nahm z.B. in Deutschland,  in der Stadt Brandenburg, das 1871 von den Brüdern  Adolf, Hermann und Carl Reichstein  gegründete „Bren-nabor-Werk“  die Produktion von Fahrrädern auf.

In einer Annonce von 1874 hatte diese Firma bereits für den Kauf von Kinder-Dreirädern geworben. Etwa um 1880 begann man hier zunächst noch Hochräder in kleiner Stückzahl zu bauen. Schon in seinem Namen wird das Problem deutlich: Ein wackliges und somit allgemein nicht alltagstaugliches Vehikel infolge der Instabilität durch den sehr hohen Schwerpunkt. "Wegen seiner Gefährlichkeit beim Fahren sei es eher ein „Sportgerät“ für junge Leute", formulierte es Carl  Reichstein sen. damals passend. Folgerichtig suchten auch in Brandenburg  vor allem junge Männer die Herausforderung in dieser „neuen“ Sportart. Nach der Entwicklung zum Niederrad nahm dann ab 1886  diese Firma  die Massenproduktion von Fahrrädern dieses Typs  mit zunächst ca. 6000 Stück im ersten Jahr auf. Die jährliche Produktion stieg in den folgenden 30 Jahren rasant auf ca. 115.000 Stück! Neben Brennabor, etablierten sich weitere Fahrradfirmen und Handwerksbetriebe in der Stadt mit Namen: Corona, Excelsior, Brandenburgia, Kondor, Alexander, Roland usw.  Als logische Folge daraus wurde auch bei der hiesigen Stadtbevölkerung dieses Fortbewegungsmittel alsbald sehr populär.   

 

3. Brandenburgs  günstige  geografische  Lage

Wappen der Stadt Brandenburg an der Havel mit dem Hinweis auf die Alt- und Neustadt, die im Mittelalter selbständige Städte waren.

Brandenburger Anzeiger, Montag, 27.9.1886

Nach der Volkszählung vom 1.12.1885 lebten in dieser Zeit 33019 Einwohner in der Stadt Brandenburg, nach dem statis- tischen Büro 33129. Am 1.1.2.1880 waren es nur 29066, womit die Be- völkerung  also in 5 Jahren um 4063 oder 13,97 pCt. zugenommen hat: 17583 männlich, 15546 weibliche, davon 2222 Knaben und 2220 Mädchen unter 6 Jahren. 31704 waren Protestanten, 1133 Katholiken, 233 Juden. Nach der letzten Volkszählung hatte sich der Anteil der Protestanten um 14,68 und der der Juden um 11 pCt. vermehrt. Wohnhäuser gab es 2124, woraus folgt, dass ca. 15 Einwohner in einem Haus wohnten.

An der Havel-Wasser- und der Reichsstraße Nr.1 (Königsberg-Aachen) hatte die Stadt  schon  immer eine günstige Lage.

      Ab 7.8.1846 gab es dann bereits eine Eisenbahnverbindung von Berlin-Potsdam-Brandenburg nach Magdeburg und damit eine Anbindung an das deutsche Streckennetz, welches 1875  27930 km, 1895  dann schon 45560 km betrug und bis 1912 auf 58297! km  enorm erweitert wurde.(Wikipedia)

Damit war die Stadt frühzeitig verkehrstechnisch gut erreichbar, natürlich auch  von auswärtigen Radsportlern!

II. Fünf Phasen des  Radsports  in Brandenburg von 1883 bis 1945

 

Der Radsport in Brandenburg vom Beginn um 1883 bis 1945 lässt sich etwa in fünf zeitliche Phasen einteilen:

  1. 1883 bis 1899      (Gründerjahre bis Sportpark-Erbauung)
  2. 1900 bis 1914      (Profi-Bahnradsport-Ausbruch des I.Weltkrieges)
  3. 1915 bis 1920      (I. Weltkrieg und Nachkriegszeit)
  4. 1921 bis 1933      ( Weimarer Republik bis deren Ende)
  5. 1934 bis 1945      (3. Reich mit  II. Weltkrieg und dessen Ende)

In der 1. Phase wird der Umgang mit dem neuen Gerät entdeckt und geübt, dieses wird technisch schnell weiterentwickelt (Hoch- zum Niederrad), Sportdisziplinen werden trai- niert (Saal und Freiluft), Kontakte zu anderen Sportvereinen aufgenommen und gepflegt, an überregionalen Wettkämpfen teilgenommen und die Mitgliedschaft in den entstandenen Zentralverbänden (auf Gau- und Reichsebene) vollzogen. Aufgrund der verschiedenen Interessen kommt es zur Gründung mehrerer Vereine. Manche legen ihren Schwer- punkt mehr auf das Kunst-/Corsofahren und andere wenden sich mehr dem Radsport auf Straße und Bahn zu. Bei allen Vereinen beobachtet man in dieser Periode einen starken Hang zum Feiern rauschender Jahresfeste über welche in der Zeitung aus- führlich und teils überschwänglich berichtet wird. Man versuchte die Attraktivität Jahr für Jahr noch zu steigern.

       Die Phase 2 ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein einer modernen Zement-Radrennbahn in einem luxuriösen Sportpark, der tausende Gäste an Sonn- und Feiertagen anzog. Dadurch liessen sich Einnahmen erzielen, die es möglich und notwen- dig machten, vor allem namhafte Berufsradsportler, also Vertreter einer Zunft, die sich inzwischen weltweit etabliert hatte  und Fahrer mit Europa- und Weltmeister-Titeln in ihren Reihen sah, für die Rennen zu gewinnen. Gleichzeitig hatte auch die starke einhei-mische Fahrradindustrie (z.B. Brennabor, Corona, Excelsior) ein großes Interesse an dieser Entwicklung, wurde doch neben dem Sieger immer auch das Fahrrad genannt, ähnlich wie beim Pferderennen das Rennpferd. Anfangs waren noch einige Brandenburger Fahrer, wie z.B. besonders Gustav Gräben, in der Lage, bei solchen Rennen, ins- besondere hinter Motorschrittmachern, mit der häufig internationalen Konkurrenz aus Holland, Österreich, Frankreich, Italien, der Schweiz, Dänemark, Ungarn und sogar aus Amerika (USA) mitzuhalten. Doch durch den frühen, tragische Tod des jungen, zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Gustav Schadebrodt 1908 bei einem Rennen auf der Bahn in Treptow, wurde diese  Ära jäh beendet, wenn auch noch einige  Jahre bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges auch eine Reihe Brandenburger Fahrer aktiv waren. Es wurden auch  Amateurrennen auf Gauebene oder Meisterschaften der Stadtvereine ausgetragen. Doch mit diesen Veranstaltungen war eben kein großes Geld zu verdienen.

So blieb es bei vier bis sechs Großveranstaltungen pro Jahr, bei denen Fahrer wie: Robl- München, Dieckentmann-Amsterdam, Heller-Kopenhagen, Ryser-Schweiz u.v.a. star- teten. Besonderes Aufsehen erregte damals auch der Start von den farbigen Franzosen Vendredi und  des Afro-Amerikaner Hedspath, welche in der Presse in der Sprache der damaligen Zeit  sensationell als "Neger" angekündigt wurden.

Mit Beginn des I. Weltkrieges ging die stürmische 2. Phase im Sportpark zu Ende.

               In dieser 3. Phase liest man im Brandenburger Anzeiger nur gelegentlich von Profirennen in Deutschland und Europa, bei denen die Sieger meistens auf Brennabor gewannen. Über lokalen Radsport wurde in den Kriegsjahren nichts mehr berichtet, da offenbar "alle" verfügbaren jungen Männer an den Fronten eingesetzt waren. Auch im Sportpark ruhte wohl der Radsport. Nach Ende  des Krieges im November 1918 kehrte das "Leben" nur langsam wieder auf der Radrennbahn  ein. Erst  ab  1921 wurden wieder größere, auch internationale Rennen veranstaltet. Doch die Bahn sackte  leider   nach und nach auf dem weichen Untergrund der Havelwiesen ab, verkam immer mehr und wurde 1929 schließlich  abgerissen.(siehe auch weiter unten eigenes Kapitel Sportpark)

Die 4. Phase ist gekennzeichnet durch die enorme gesellschaftliche und technische Um- wälzung, die der Krieg mit sich gebracht hatte. Viele jungen Männer waren bei den jahrelangen Schlachten gefallen oder schwer verwundet worden, was auch in den Radsportvereinen zu größeren Ausfällen führte.

Zum anderen war inzwischen, und auch durch den Krieg befördert,  die Motorrad- und Auto(massen)produktion angelaufen. Das Bürgertum "sattelte" nun von den Stahl-rössern ohne, auf jene mit Motor um oder leistete sich bei genügendem "Kleingeld" ein motorisiertes Gefährt mit  vier Rädern. Es kam nun auch zur Gründung eines Automobilsport-Vereins und Motorradsport-Clubs.

Die soziale Struktur der Radsport-Vereine veränderte sich. Der Radsport wurde mehr und mehr zum Sport der Arbeiter und Angestellten, deren Zahl  bei der fortschrei-tenden Industrialisierung in der Havelstadt stark angestiegen war. Das Vereinsleben war nicht mehr so pompös, aber gefeiert wurde immer noch gern. Zwei Vereine  dominierten diese Epoche in der Stadt: Die Vereinigung Brandenburger Rennfahrer von 1910  und der Brandenburger  (Arbeiter-)Radfahrer-Renn-Verein von 1913.

             Die Phase 5 beginnt mit der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 und der damit verbundenen Gründung des 3. Deutsches Reiches. In wenigen Jahren verschwin- det die Mehrzahl kleinerer Vereine, so auch im Radsport. In Zusammenhang mit der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1936 in Berlin liest man vermehrt von Inten- sivierung des Sportbetriebes mit dem Ziel der Steigerung von sportlichen Leistungen. Im Gefolge dieser Maßnahmen und der Umstrukturierung auf einen  zental gesteuerten Sportbetrieb im Deutschen Reich, blieben in Brandenburg an der Havel noch zwei Radsport-Vereine über:

 

1. Der R.-V. "Brennabor" 1900 in welchem Saal- und Wandersport betrieben wurde und 2. Die Radsportabteilung des SV Havel 08, welche  vom ehemaligen Vereinsvorsitzen-

den der Vereinigung Brandenburger Rennfahrer von 1910, Otto Köpp, geleitet wurde.

 

In diesem Verein wurde ab 1938 bis 1944 vor allem Bahnradsport  (Aschenbahn) auf sehr hohem Niveau betrieben. Das ist nicht verwunderlich, da Otto Köpp in jungen Jahren selbst, noch auf der Rennbahn im Sportpark, ein erfolgreicher Bahnfahrer war. Vier der sechs Spitzenfahrer dieses Vereins "fielen" im II. Weltkrieg. (siehe dazu  auch weiter unten)

In den folgenden Abschnitten werde ich versuchen, aus der Fülle des gesammelten Rohmaterials, ca. 150 DIN A Seiten, die wesentlichen Ereignisse dieses langen Zeit- raumes chronologisch zu skizzieren.

 

 

1. Phase:  Die Gründerjahre

Rosin, Friederich, Hauptlehrer, Turn- und Fechtlehrer. Gründungs-Vorsitzender des Brandenburger Radfahrer-Vereins von 1884 Foto: Archiv

Beginn  des  organisierten  Rad- sportes  in  Brandenburg an der Havel    

                                              

In Deutschland studierende Engländer haben hier erste Radfahrer-Vereine gegründet, sodass  die Deutschen  zu- nächst die englische Bezeichnung über- nahmen. Ab 1868   wurden nun überall Vereine gebildet, die den Radsport pflegten, so auch in    B r a n d e n b u r g. Die Brüder Eduard und Carl Reichstein  gehörten hier neben so manchen ande- ren bekannten Brandenburgern mit zu den eifrigsten Zweiradfahrern.

Als "Vorreiter" des organisierten Radfahrens findet sich 1883 ein „Bicycle- Club“ unter Anleitung eines Instructors, der  Rosin hieß, von Beruf Turnlehrer war und wahrscheinlich noch das Fahren auf dem Hochrade unterrichtet hat.

            Weil das Sporttreiben in der Gemeinschaft natürlich mehr Spaß macht, kam es in der Phase bis 1899, wie in anderen Sportarten auch, zu einer Gründungswelle von Radfahrer-Vereinen, die sich nach der Jahrhun- dertwende bis in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts fortsetzte.

Zunächst wurde am 19. März 1884 der Brandenburger Bicycle-Club"  ge- gründet, welcher der Nachfolger des o.g. "Clubs" war, denn als erster Vorsit- zender fungierte zunächst wiederum der Turnlehrer Rosin. Nach Betritt zu dem ebenfalls 1884 gegründetet Dachverband "Bund Deutscher Radfahrer", erfolgte die Umbennung in "Brandenburger Radfahrer-Verein  (B.R.-V.) Neben dem Radeln in die schöne Natur wurde vor allem der Saalradsport mit Reigen und Korsofahren auf hohem Niveau gepflegt. Der erfolgreiche Verein gehörte 20 Jahre lang zu den Spitzenvereinen Deutschlands und errang viele Siege auf zentralen Veranstaltungen (z.B. Hamburg, Berlin, Cassel). Er war ein klassisch-bürgerlicher Verein, in welchem sich die erfolgreichen jungen Unternehmer der Havelstadt zusammenfanden und dann ein Vierteljahr- hundert das gesellschaftliche Leben in der industriell aufstrebenden Kom- mune mit prägten. Rauschende Winter- und Stiftungsfeste wurden in den ersten "Häusern" der Stadt gefeiert, oft verbunden mit Wohltätigkeitshand- lungen für die ärmeren Mitbürger, über welche ausgiebig und im Detail in poetischer Sprache  die Lokalzeitung berichtete. Die beginnende Motorisie- rung  beendete dann die Hochphase dieses legendären und für die Stadt Maßstäbe setzenden Vereins. Ein wohl letzter Höhepunkt war im Jahre 1909 das 25. Stiftungsfest im Concert-Haus!

               Schon 1887 hatten sich andere Interessierte im  Brandenburger R.-V. „Vorwärts“ zusammen. Auch einen Radfahrer-Verein mit Namen „Brennabor“ gründete man logischer Weise hier in dieser Stadt 1891. Dem folgte 1896 die Stiftung des "Brandenburger-Touren-Radfahrer-Vereins", eines „Rad-Club 1899“ und den Radfahrer-Verein „Corona“ von 1900. In den meistens dieser Vereine wurde mehr der Rennsport gepflegt. Nach und nach trugen die viele Vereine ihr Gründungsjahr mit Stolz in ihrem Namen.

 

1.1.  Das  Vereinslokal

Fast jeder Radfahrer-Verein mietete  sich in "seinem"   Vereins- lokal ein.  Im Laufe der  Jahre  wechselten  manche  Vereine  ihr Etablissement, was sicher mit Preis-/ Leistungverhältnis zusam- menhing.

Einige der Lokalitäten, die in den Berichten von den Vereinsfesten und den Rennberichten im Branden- burger Anzeigers genannt werden.

 

 

Das Vereinsleben fand u.a. in geeignetet Lokalitäten statt, wo in angemieteten Räu- men Versammlungen, Preisverleihungen (wir sagen heute Siegerehrungen), sowie kleine und größere Feste (Winter- und Stiftungsfeste) stattfanden. Außerdem wurden dort die Pokale und sonstigen allgemeinen Ehrenpreise der Vereinsmannschaften aufbe- wahrt. Natürlich hatte das Vereinsbanner einen würdigen, repräsentativen Platz. Es wur- de bei Umzügen dem Verein vorangetragen oder bei Vereinsrennen an Start und Ziel aufgepflanzt.

1.2. Radsport  war  zur  neuen  "Trend-Sportart"  geworden

Anfang des 20. Jahrhun- derts kam es zu weiteren Gründungen mit der Verei-nigung Brandenburger Radrennfahrer von 1910 und dem Arbeiter-Radrenn- fahrer-Club „Endspurt“ von 1913. Schließlich liest man noch vom Radrenn- Club „Olympia" von 1920, Brandenburger Rad-Renn- fahrer- Club „Semper“ und Radrenn- und Tourenklub „Mifa“ 1927. Manche Vereine legten ihren Schwer- punkt zunächst auf gemeinsame Ausfahrten. Später  kam  der Saalradsport mit Kunst- und Reigenfahren, Radball und Radpolo dazu. Bald wurden dann, nach- weislich ab 1892, zunehmend  von Frühjahr bis Herbst regelmäßig Radrenn-Wettkämpfe über kürzere (1 bis 10), aber auch längere Distanzen (50 bis 150 km) auf Landstraßen und Chausseen veranstaltet, die zunächst nur auf Vereinsebene organisiert und ausgetragen wurden. Die Vereine veranstalteten auch eigene Meisterschaften. Dabei war die Teilnehmerzahl mit 5 bis 10 Fahrern noch gering. Später erweiterte man den Kreis der Starter  durch Einladung von Fahrern „befreundeter"  Vereine  zu sogenannten Gästerennen. Auch schlossen sich die meisten Vereinen den inzwischen gegründeten deutschen Dachverbänden: Deutscher Radfahrer-Bund (D.R.B.), sowie  Deutsche Radfahrer- Union (D.R.U.) an und nahmen dann an überregionalen Veranstaltungen, z.B. Kunstradfahr- wettbewerben bei den großartig organisierten Winterfesten der Gaue, wie  in Ham- burg, München, Leizig, Cassel oder Berlin, teil.                   

Die Dachverbände mit ihren Unterorganisationen (Orts-oder Gau-Verbände) veranstalteten dann für ihre Mitglieder überregionale bis hin zu deutschlandweit ausgeschriebene (offene) Radrennen als Großveranstaltungen oder Meisterschaf- ten. Gute Kontakte wurden auch zu den Nachbarregionen Magdeburg, Burg, Genthin, Rathenow, "Neu-Ruppin", Ketzin, Nauen, Potsdam und Wannsee, Charlottenburg  gepflegt, wo eine ähnliche Entwicklung, wie in Brandenburg/ Havel, früher oder später stattgefunden hatte.

 

1.3.   Der Verein - Heimat für Menschen mit glei- chen Ansichten, Interessen und Zielen.

Ganz wichtig für den Zusammenhalt waren gemeinsame jähr- liche Sommer-, Winter- und Stiftungsfeste zu den Gönner und sonstige Freunde und Honoritäten der Stadt und Mitglieder be- freundeter Vereine eingeladen wurden. Dabei konnten auch die Erfolge des eigenen Vereins präsentiert werden.

Annonce mit Einladung und Programm für das dritte Gala-Kostüm-Fest des Brandenburger-Radfahrer-Vereins von 1884 im Brandenburger Anzeiger am 9.Januar 1888.

 

 

Der Saal-Radsport nahm in den Anfangsjahren einen breiten Raum ein, da er sich auch gut für die Umrahmung der beliebten Vereinsfeste eignete.

In allen Vereinen wurden neben der sportlichen Betätigung vor allem auch die sozialen Kontakte bei den jährlich wiederkehrenden Festen gepflegt. Darüber wurde, vor allem in den Anfangsjahren, in der Lokalzeitung ausgiebig berichtet, weil es offensichtlich beson- dere gesellschaftliche Ereignisse  im Leben der aufstrebenden Stadt waren. Hier folgen einige Beispiele, wie im Brandenburger Anzeiger (BA) damals über die solche  Feste  berichtet wurde: 

Ein Gala-Fest des Brandenburger Radfahrer-Vereins von 1884 am 7.1.1896  im hiesigen Sommertheater mit vielen Darbietungen von in- und ausländischen Künstlern und Radakrobaten fand einen regen Zuspruch. Es waren ca. 1000 Personen  auf „Ahlerts Berg" anwesend. Die Kunstraddarbietungen hätten die Zuschauer sehr erfreut, aber  besonders   begeisterte der Serpentinentanz einer auswärtigen Künstlerin. Anschließend folgte ein festlicher „Ball“. Der Einnahmeüberschuss soll  an die „Armen" der Stadt überwiesen werden, womit die soziale Kompetenz des Vereins unterstrichen wurde. Am  23. Juni  1896 beteiligte sich  dieser B.R.V. von 1884  an einem Corso-Fest des Radfahrvereins Rathenow 1886, der sein 10jähriges Stiftungsfest feierte und errang als ersten Preis einen silbernen Pokal. Aus Brandenburg nahm auch eine Kunstradfahr-Damenmannschaft teil, welche  mit  ihren eleganten blauen Kostümen den besten Eindruck hinterließ. Am  18. Januar 1897 wird vom  XII.  Gala- Costüm-Fest desselben Vereins von 1884  im großen Saal von Ahlert's Berg berichtet. Es fanden  Saalrad- sportvorführungen einzeln und in Gruppen statt. Der Ball wurde mit einer Polonaise von 120 Paaren gegen Mitternacht eröffnet.                                    

Das Deutsche Centenar-Sport-Fest fand vom 17.-20. Juni 1897 in Berlin statt  aus Anlass des 100. Geburtstags  von Kaiser Wilhelm I. von Preußen. Hierbei errang der B.-R.V. v.1884  den Kaiserpreis: Die Herren Hollerbaum, Kindel, Klewitz, Riese, Sauerland, Schmidt, Seyfarth und Voigt fuhren sehr exakt eine Niederrad-Quadrille. Der Pokal war ein Metallschild  "Seiner Majestät  Kaiser Wilhelm. I". Die Preise sind im Schaufenster von Hermann Schüler ausgestellt. Für die erreichte hohe Wer- tungspunktzahl dem Verein ein kräftiges „All Heil".   Das war "Begrüßungsruf" der Rad- fahrervereine.   Die später gegründeten Vereine kopierten häufig das Vereinleben bezüg- lich der Jahresfeste.                   

Am  2.10. 1897 hielt der Brandenburger Tourenradfahrer-Verein 1896  im festlich ge- schmückten Saale des „Hohenzollern Parks" ein Vergnügen ab. Gäste aus Nah und Fern, sowie Freunde und Gönner, so nannten man damals die Sponsoren  des Vereins, waren anwesend u.a.:  Radfahrer- Club „Greif“ Ketzin, Radfahrer-Verein „Germania“ Potsdam,  R.-V. „Sport“ Spandau. Die launige Eröffnungsrede hielt der Vereins- vorsitzende Herr Curt Müller.  Dann erfolgten verschiedene  Kunstrad-Darbietungen: Ein- zelfahren (Herr Lorenz) und als Mannschaft eine Reigen-Quadrille.  Das erfolgreiche Dis- tanzfahren  des Vereins wurde in 6 „lebenden Bildern" anschaulich dargestellt und wurde freudig beklatscht, sodass diese mehrfach wiederholt werden mussten. Das Fest ging mit fröhlichem Tanz bis hinein in den frühen Morgen. Der gleiche Verein beging in den Räumen des „Schweizer Gartens" am 25.2.1899 ein großes Winterfest mit kunstrad- sportlichen Vorführungen, Herr Ernst Gärtner aus Brandenburg führt ein Solo auf dem Zweirad vor. Der  Vorsitzender, Curt Müller, begrüßte Gäste von anderen Vereinen:  Potsdam „Radfahrer-Verein Germania“- Berlin  „Radfahrer-Club Tiergarten" und die Brandenburger Radfahrer-Vereine „All Heil“, „Vorwärts“ 1887 und „Brennabor" 1891 - der Begrüßungsruf lautete  All Heil“. Zwei Vereinsmitglieder erhielten Ehrengaben: Herr Richter für die meistgefahrenen Kilometer und Herr Gerlach für die meistgefahrenen Clubtouren. Bei der Tombola war der Hauptpreis ein elegantes Damenfahrrad. Danach begann  ein festlicher Ball.                         

Am 2.3.99 in Hamburg Im Prunkfestsaal des Gaues I des „Deutschen Radfahrerbun- des“ hat der B.R.V. von 1884 neue Lorbeeren  errungen im Kunst- und Reigenfahren. Weiter wird berichtet am 13.3.1899: Das Gau20 des D.R.B., dazu gehört die Stadt Brandenburg, veranstaltet im großen, glänzenden Saal der „Philharmonie" in Berlin das diesjährige Winterfest. Beim  Wettbewerb  der Mannschaften errangen die Brandenburger Platz 3 hinter dem Berliner Radfahrer Club „Velocitas" und Radfahrverein Britz-Rixdorf. Im Einzelwettbewerb siegte der Brandenburger Ernst Gärtner überlegen vor K. Rießle-Trebbin  und Klautsch-Berlin. 

Bald darauf zeigte der frisch gebackener Unionsmeister E. Gärtnerder beim 12. Stiftungsfest seines Brandenburger Radfahrerverein „Vorwärts“ 1887  auf  „Ahlert's Berg" seine Künste.                                                  

Der Radfahrer-Verein „Brennabor“ 1891 feierte am Sonnabend, 24.3.1900, im prächtig geschmückten Hohenzollernpark sein 4. Winterfest. In der vergangenen Saison wurde wieder der Beweis erbracht, dass die Mitglieder im Renn- oder Tourenfahren und dem Saalfahren Tüchtiges leisten. Ein Frl. Arnold (Tochter des Vereinsvorsitzenden) hielt den Festprolog  und sprach dabei über die Vorzüge des Radelns auf die Entwicklung von Körper und Geist. Dann folgten Kunstradvorführungen von 4 Damen und 11 Herren u.a. mit der Quadrille usw.  Das Kunstradfahrer-Paar, Jenny und Alban Daßler, trat  auf mit Solo- und Duett-Vorführungen und erhielt stürmischen Applaus. Dann folgte ein solenner Ball bis in die Morgenstunden.

Das ein Teil des Groß- und Kleinbürgertum der Stadt hatte also mit dem Radsport ein neues Vehikel gefunden, um sein Interessen zu bündeln. Nur wenige waren wirklich "Aktive". Errungene Preise wurden im B.A. detailliert beschrieben, im Aussehen und Wert und wurden wie "Reliquien" behandelt. Sie wurden zur Besichtigung im Schau-fenster bei mit dem Radsport verbundenen Geschäftsleuten (u.a.Herrmann Schüler) ausgestellt. Banner wurden auf Festen, z.B. bei B.R.-V. "Vorwärts" von 1887, mit vielen Gästen, darunter Honoritäten, wie der Oberbürgermeister Hammer,  geweiht. Bei sport- lichen Veranstltungen versammelte man sich dann hinter seinem Vereinsbanner, welches wie eine "Monstranz" dem fröhlichen Zug vorausgetragen wurde. Die meisten freuten sich auf die jährlichen Feste und waren stolz darauf, dazu zugehören. Durch Wohltätigkeit, heute "Charity" genannt, konnte das Wohlbefinden bei den opulenten Festen noch erheblich gesteigert werden. Dennoch gab es in dieser Phase natürlich auch in Brandenburg die ersten verwegenen Leistungssportler, die noch mehr wollten.

 

Höhepunkte der Dachorganisationen deutscher Radfahrer-Vereine  waren:  Bundes-  und  Kon- gressfeste

Fotos: Archiv

1.4.   Schnelle Kommunikation über die Print-medien

Im Brandenburger Anzeiger war ein Bereich eingerichtet, wo unter "Vereine" größere und kleinere Annoncen erschienen.

Im Vereinsleben wur- den  die Informationen  über die anstehenden Termine: Ausfahrten, Club-Touren, Saalfahren (=Training),  sowie Einla- dungen zu Festveranstal tungen über die  Tages-presse (Brandenburger Anzeiger) geschaltet. Es folgen einige Beispiele solcher Annoncen.

1.5.  Das Proletariat erbaute sich eigene Struk- turen

Aufrecht Radfahren:

Der Arbeiter-Radfahrer-Verein „Solidarität“

 

Eine gewisse Sonderstellung nahm der auch in Brandenburg 1896  als Ortsverband gegründete Arbeiter-Radfahrerbund „Solidarität" ein, der sich dem Saal- radsport und vor allem dem Radwandern in der Arbeiter-schaft mit Picknick  im Grünen oder am Zielort (wie z.B. Heringstour nach Klein Kreutz) verschrieben hatte. In ihm waren bis zu 300 Mitgliedern organisiert, Männer und Frauen, welche sich in den Vereinslokalen Volkshaus (später Gewerkschaftshaus) in der Steinstraße und dem Volksgarten, den heutigen „Bismarck - Terrassen" (vor kurzem geschlossen), zu geselligem Beisammensein trafen. Aus der Namensgebung lässt sich aber auch der tiefere Sinn dieses Bundes, nämlich die Stärkung und den Zusammenhalt der Arbeiterschaft, erkennen. Über seine Aktivitäten erfährt man aus der damaligen Brandenburger Zeitung", dem Organ für die Interessen des werktätigen Volkes.

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In der Umgebung von Brandenburg sind mindestens noch zwei weitere Ortsgruppen des "Bundes" gegründet worden: In Plaue und in Klein Kreutz. Von beiden Organisationen sind noch einige Fotos vorhanden und ein Buch mit  handschriftlichen Protokollen von Vorstandssitzungen (Sammlung R. Gent).

 

Hier ein paar Dokumente aus dem BA. und einem Protokoll des Vereins aus Klein Kreutz, heute OT von Brandenburg usw.

Die Geschichte des Arbeitersports beginnt in den 60er Jahren des 19. Jahrhun- derts. Den Arbeitern wurde der Zugang zu den bürgerlichen Sportvereinen weitestgehend verwehrt. So begannen sie sich  eigene Möglichkeiten zu schaffen, um in der Gemein- schaft Sport zu treiben. Hatte das „Sozialistengesetz"  diese Entwicklung zunächst stark behindert, so kam es ............weiterlesen

1.6.  Fahrräder sollen  auf  guten  Wegen  rollen!

Dafür gründeten sich an vielen Orten in Deutschland "Vereine für Radfahrwege". Hierbei ging es um ein gutes Nebeneinander des zunehmenden Fahrzeugverkehres mit dem Ziel, dem Fahr- rad und seinem Fahrer einen gebührenden Platz bei der einset-zenden Aufteilung des öffentlichen Raumes zu gewährleisten.

Bild von 1929 zeigt eine Zahlstelle für den Erwerb einer Berechtigungs-Jahrekarte. Foto: Archiv

 

 

Als Mitglied hatte man einen Jahresbeitrag von 1 Mark zu ent- richten und erhielt dann eine aktuelle Plakette für sein Fahrrad.

Schon in den An- fangs-jahren des Radfahrens wurde in der Tageszei- tung von häufigen Unfäl- len berichtet, z.B. in (BA.) Nr.102 am 1. Mai  1896: "Ein rücksichtsloser Fahr- radfahrer habe den Schuster Habernei in der Potsdamer Str. umge- fahren, welcher schwer verletzt in das Kranken- haus gebracht wurde. Leider würden Fahrrad-fahrer(innen) unerlaubt Gehwege und Promena- den befahren. Laut Stadtordnung dürfe man aber nur auf den Fahr- dämmen und Fahrwegen fahren"! Auf der anderen Seite wurde darüber geklagt, dass die vorhandenen Radwege gegen die Vorschrift von Fuhr- werken und Handwagen befahren wurden.

                               Auch in Brandenburg a.d.Havel wurde unter Teilnahme des Gau 20-Vorstandes des Deutschen Radfahrer-Bundes eine Vereinigung für Wegever-besserung für Radfahrer gegründet, der bereits sämtliche Bundesvereine des D.R.B. mit über 200 Mitgliedern in corpore beigetreten sind. In anderen deutschen Städten: wie (K)Cassel, Magdeburg, Danzig, Bremen, Augsburg, Köln a.R., Frankfurt a.M., usw. sind die Arbeiten derartig zeitgemäßer Vereinigungen von großem Erfolg gekrönt worden. Wir glauben deshalb, annehmen zu können, daß  sich die 3 – 4000 Radfahrer in Brandenburg den friedlichen Bestrebungen der hiesigen Vereinigung an die Seite stellen werden. (BA) Nr.123 am Montag, 28.5. 1900)

Verein für Radfahrwege von 1900: 1. Vors. Prof. Dr. Mann, 2. Vors. Ingenieur Ernst Louis, Schatzmeister Buchdruckereibesitzer A.D. Alterthum. Zahlstelle Kaufmann Häuser, Ritterstr. 1, Vorstandssitzung jeden 1. Mittwoch im Monat Cafe‘ Graf (Stand 1911),  ab 1914/15 Ehrenvorsitzenden Prof. Mann, Vors. RA Steffen, Schatzmeister  Kaufmann Häuser

An der hochrangigen Besetzung des Vorstandes ist abzulesen, welche Bedeutung dem Radfahren beigemessen wurde.

(BA) Nr. 57 am Mittwoch, 9.3.1910

Der Verein für Radfahrwege hielt  seine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung ab. Ein Lichtbildervortrag von Herrn F. Nicolai zeigte 140 Bilder aus der Altmark. Als Fazit: Es sollen durch eifrige Agitation weitere Mit- glieder gewonnen werden.

 

Es folgen einige private Fotos (in Biederitz bei Magdeburg, dort wo früher eine Zement-Radrennbahn stand, erinnert ein verwittertes Schild noch an diese Vereine)

Ein Überbleibsel -  seltener  Fund  in  Biederitz

Dieser  Ort  liegt  östlich von Magdeburg nahe der B1, hatte viele Jahrzehnte eine kleine Radrennbahn von nur 175 m Länge, die deshalb von vielen Akteuren auch manchmal despektierlich als "Nudeltop" bezeichnet wurde. Daneben befand sich eine Gastwirt-schaft. Viele Magdeburger Radler und auch Radsportler nutzten diese Bahn zum Vergnügen und für Rennen, insbesondere, als es die Rennbahn an der Berliner Chaussee nicht mehr gab. Der Wirt hatte durch diese Attraktion dann auch immer eine hungerige und durstige Kundschaft. Aber diese Bahn verkam nach dem 2. Weltkrieg immer mehr und war schließlich nicht mehr zu befahren.

Nach der Wende wurde die Gaststätte modernisiert und behielt zur Erinnerung noch den Namen "Zur Rennbahn". Das Gelände der alten Radrennbahn ist mit Einfamilienhäusern bebaut.

Erinnerung an alte Zeiten. Es führte von Magdeburg aus  ein offizieller Radweg bis an diesen Ort, vielleicht auch weiter. Das Schild mit der Aufschrift: Radfahrweg usw. ...... erinnert noch an die Zeit, als die damaligen "Aktivisten",  für die Verbesserung der Verkehrswege ihrer geliebten  "Drahtesel" gekämpft haben.

Fotos privat

1.7.  Herausragendende  Brandenburger  Rad- sportler

Kunst-, Straßen- und Bahnfahrer aus der erste Phase von  1884  bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges (1914).

Ein Bild in einer Werbeannonce, welches sehr wahr- scheinlich den damals sehr erfolgreichen Radsportler und "Meisterfahrer" von Brandenburg, Johannes Pundt, zeigt. An der Brust ist er dekoriert mit diversen Ehren- medaillien.

Zunächst wurde der Saalradsport im Einer- und Gruppenkunstfahren (Hoch- und Niederradquadrille)   ab 1884 als Leistungssport betrieben, wobei ein Herr Ernst Gärtner überregional sehr erfolgreich war und Meisterschaften errang (in Berlin, Hamburg). Über   Radball und Radpolo wurde im Zu- sammenhang von Jahresfesten berich- tet.

Auf der Straße war das "Corso-Fah- ren" zunächst der angesagte Sport. Dabei wurde das Fahren in einer Gruppe nach Punkten bewertet. Es galt den "schneidigsten, sichersten, ele- gantesten und correctesten Corso" zu fahren.

Aber auch der Straßen- und Bahn- radsport wurde alsbald (ab 1888),  wie  überall  in Deutschland und Euro- pa, so auch in Brandenburg aktiv be- trieben. Bewundernswert waren dabei besonders die Männer, welche die langen Straßenrennen, sogenannte Fernfahrten, über 200 bis 500 km fu- hren. Vorort wurden zunächst Kurz- strecken (von 5 bis 15 km) und dann zunehmend Rennen zwischen 50 bis 150 km gefahren. Siegreiche Fahrer bis 1900 bei den lokalen Rennen waren z.B.: Die Brüder Willy und Oskar Stern, ein Herr Köhn, Max Grubert, Fritz Seyfarth, Fritz Ruhle, Reinhold Rößler, Fritz Schnelle, Paul Kaußmann, Hans Köppen, Otto Deickert, Georg Schmidt, Hans Demohn. Die Sportler waren Amateure und von Beruf  häufig Geschäftsleute der Stadt.

 

Die Distanz-Fahrer

Die "langen Kanten" bestritten Fritz Lauenroth (z.B. 5x Leipzig-Dresden), Gustav Gräben sowie Paul Gericke (Dritter bei Hamburg-Berlin).  Johannes Pundt (2. Rund um Berlin hinter Schrittmacher) und Paul Gericke (Dritter bei Hamburg-Berlin).

Die meisten Informationen liegen mir aber über Gustav Gräben vor, dessen "Auf- tauchen" in einer Siegerliste bei "Rund um Berlin" in der "Radsport-Woche" Nr. 40, 1961 mein Interesse geweckt und diese Nachforschungen ausgelöst haben. Ihm möchte  ich weiter unten einen ausführlicheren Teil widmen.

Doch zunächst kurz zu den anderen drei deutschen Meisterfahrern aus Branden- burg, wie sie damals klassifiziert worden sind.

Text im Original:Am 12.10.1892 veranstaltete die Redaction des Sportblattes „Stahlrad“ in Leipzig ein 500 Kilometer-Rennen auf der Chaussee Leipzig nach Dresden. Die 100 km-Strecke sollte fünfmal gefahren werden. 13 Teilnehmer

Brandenburger Anzeiger  Nr. 243 am Montag, den 17.9. 1892 ... weiterlesen

 

1.8. Gustav Gräben: Der erfolgreichste Spitzen- radsportler aus Brandenburg a. d. Havel Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.

Ein Bild von Gustav Gräben fand ich leider nicht. Aber so ähnlich, wie dieser damalige Cham- pion, könnte er vielleicht ausgesehen haben.

Seit 1865 wurden in Europa organi- sierte Radrennen gefahren. Sehr ruh- mesträchtig wurden in diesen Jahren bald die Distanz-(wett)-Fahrten, Ren- nen über enorme Strecken von 200 bis 600  Kilometer in einem Ritt. Um dem Betrug vorzubeugen, waren auf den Strecken  Kontrollposten  eingerichtet, an denen sich die Fahrer  persönlich einschreiben mussten. Zur zeitnahen Übermittlung des Rennverlaufes wur- den zunächst Brieftauben eingesetzt. Der zunehmende Ausbau des Telefon-netzes erleichterte  bald die schnelle Übermittlung der Ergebnisse und damit eine unmittelbare Verfolgung der Ren- nen. Einer der bekanntesten Fahrer  dieser Zeit, war der Deutsche Josef Fischer aus München, der „König der Landstraße“, wie man ihn nannte. Er gewann u.a. 1884 Mailand - München über 587 km, 1893 Wien- Berlin über 582,5 km und war 1896 erster Sieger von Paris-Roubaix über 280 km nach 9:17 Std. Fahrzeit, einem  Stundenmittel von 31 km/h entsprechend! 

Von diesen Rennen berichteten viele Tageszeitungen,  so auch  der  Bran- denburger  Anzeiger und erzeugten dadurch Nachahmereffekte bei einigen jungen Männern.

 

In Brandenburg  sammelten sich solche Talente besonders im  Radfahrer-Verein "Vorwärts" von 1887, Radfahrer-Verein "Brennabor" von 1891 und dem Touren-Rennradfahrer- Verein von 1896.

Titelblatt der "Radsport-Woche" Nr.40, Jg.1960

 

*Bei Zitaten aus dem „Brandenburger Anzei- ger“ (BA)  wird die originale Schreibweise be- lassen.

 

Als ich  mir vornahm,  auf dieser Homepage etwas mehr  Licht in das Dunkel der langen Geschichte des Radsports in  Brandenburg an der Havel zu bringen, begonnen bei den historischen Wurzeln am Anfang der achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts  bis zum Ende des II. Weltkrieges 1945, fiel mir der Name G. Gräben aus Brandenburg wieder ein. Diesen hatte ich 1961 als jugendlicher Radsportler in unserer da- maligen DDR-Fachzeitung „Radsport-Woche“  am Anfang der Siegerliste des früheren deutschen Straßenklassikers, "Rund um Berlin", der mit Unterbrechun- gen letztmalig 2008 ausgetragen worden war, gelesen. Damals ahnte ich natürlich noch nicht, dass Brandenburg einmal die Stadt sein würde, in der ich auf Dauer wohnen und arbeiten würde. Besagter Gräben hatte die beiden ersten Austragungen 1896 und 97 gewonnen. Immerhin betrug die Distanz des Rennens, welche man mit Rädern ohne Gangschaltung bewältigen musste, damals 320 km und führte über teils schlechte Wege und Straßen, und so etwas fährt man nicht mal so nebenbei! Das war der Beleg, dass diese Männer gut trainiert waren und schon zu jener Zeit in der Havelstadt Radrennsport auf sehr hohem Leistungsniveau betrieben worden ist. Dafür sprach auch die Tatsache, dass in einem Sportpark an der Plane ab 1899 für 25 Jahre eine Beton-Radrennbahn bestand, auf der damals einige der besten Berufsradfahrer Europas und der Welt Rennen austrugen. Darüber hatte u.a. Kurt Wilhelm in einer hiesigen Tageszeitung geschrieben. Namen von Radsportlern aus Brandenburg jener Jahre nannte er nicht. Ein Kurzbericht 2008 im „Preußenspiegel“ über ein Radrennen im Jahre 1908 auf der Sportpark-Bahn unter der Rubrik, „Vor hundert Jahren“, gab den „Brandenburger Stadtanzeiger“ dafür als Quelle an.

 

Aber, wer war nun dieser G. Gräben?

Nie wieder hatte ich über ihn etwas gelesen, und somit war „G. G.“ für mich ein bisschen zum Phantom geworden. Auch die ältesten noch lebenden ehemaligen Radsportler in der Stadt Brandenburg, wie Erich Peter (90), kannten diesen Namen nicht. Das war also für mich der Kenntnisstand 3/2016 und Anlass, auf intensivere Suche zu gehen! Durch die Nachforschung in unserem Stadtarchiv, wo der „Brandenburger Anzeiger“ (BA.) seit seinem Erscheinen 1809 bis 1945 fast vollständig aufbewahrt wird, hat sich das nun glücklicherweise schlagartig geändert. Da las ich viele interessante, mit alten Lettern geschriebene Informationen über diesen Brandenburger Radsportpionier und die vielen anderen Sportler, die 60 Jahre Radsportgeschichte in Brandenburg mitgeschrieben haben. Auf den in  Negativform mikroverfilmten Seiten finden sich meistens unter der Rubrik „Lokales“ Texte, die auch über lokale radsportliche sportliche Ereignisse berichteten.             (Original-Text immer kursiv hervorgehoben, Schreibweise belassen)

Der folgende Text ist stark gekürzt. Bei Interesse bitte Lang-Text am Ende klicken.

Einige Zeit benötigt man, um sich einzulesen. Zunächst ging es  etwas mysteriös los mit drei Herren aus Brandenburg, die im Juli 1888, wie im „Thüringer Hausfreund“ berichtet wurde, mit dem Fahrrad auf dem Inselsberg angetroffen wurden. Die drei Velocipedisten mit Nachnameninitialen   B., G. und Sch. sein mit dem Dreirad ohne Benutzung der Eisenbahn die Strecke: Brandenburg - Naumburg - Ilmenau - Oberhof - Inselsberg und von hier über Ruhla nach Eisenach in 8 Tagen gereist. Eine Vermutung liegt nahe, dass sich bei einem der drei Verwegenen hinter dem „G.“ , der  Herr  Gräben verbarg. Schließlich war für diese Reise doch eine sehr gute Kondition notwendig! (Nr.171, 24.7.1888)

Eine etwas verworrene Posse stand in der Lokalpresse und betraf den erbitterten Konkur-renzkampf „Brennabor versus Corona“: Angeregt durch eine angekündigte Fahrrad-Rekordwettfahrt Magdeburg–Berlin wetteten einige Mitglieder des „Brandenburger Radfahrer-Vereins „Vorwärts“, dass sie selbst in 7 Std. diese Strecke fahren  könnten und deshalb ein Fahrer von ihnen die Wettfahrt als Beobachter zu begleiten sollte. Nach Ab- fahrt  früh um 1 Uhr in Magdeburg wurde die 150 km lange Strecke  in 6 Std. und 25 Min. auf einer 17 kg schweren Maschine von Gebr. Reichstein zurückgelegt, ent- sprechend einem Durchschnitt  von 25 km in der Stunde.

Soweit, so gut! Der Fahrer von „Vorwärts“, welcher den schnellen Rekord-Zeitfahrer be- gleitet hatte, sei in der Dunkelheit zweimal gestürzt, was schließlich zum Zusammen- bruch seiner „Corona Fabri–Maschine“ geführt habe. Zwei Tage später wird in einem bitterbösen Leserbrief vom Besitzer und Chef des Corona-Werks, Adolf Schmidt, u.a. der Fahrer, der leihweise die Corona-Maschine gefahren habe, mit Herr „G.“ bezeichnet. Im Übrigen sah er in dem Bericht den Versuch einer üblen Geschäftsschädigung was ein nicht gerade angenehmes (juristisches?) Nachspiel finden werde.(Nr.151,31.7.1892)  Auch hier deutet das „G.“ darauf hin, dass es sich wieder um Herrn „Gräben“  gehandelt haben könnte, war er doch  Mitglied des Brandenburger R.-V. „Vorwärts“ war.

Dann endlich lüftete sich der "Vorhang" mit der Meldung: Am 7.9.1893 hielt der B. R.-V. „Vorwärts" von 1887“ eine Club-Dauerfahrt über 85 km ab: 1. Gustav Gräben  in  2:58, 45 Std., 2. Oskar Stern (2:58,46). Die gute Zeit des Siegers habe bewiesen, dass sich „Vorwärts“ nicht nur beim Saalfahren und Corso, sondern auch beim Dauerfahren in die Reihe der hervorragenden Vereine stellen darf (Nr.184,8.8.1893). Nun endlich las ich den Namen „Gustav Gräben“ als Sieger eines Rennens schwarz auf weiß.

Am 15.7.1894 führte „Vorwärts“ ein Rennen über große Entfernung auf der Strecke: Brandenburg-Rathenow-Genthin-Brandenburg durch: Sieger Herr Gräben in 2:49.28 Std. vor Kaußmann (3:15.42). Er hatte in langer Alleinfahrt das Tempo zum letzten Jahr von 28,5 auf 30,1 km/h gesteigert! Auf Ahlert's Berg erfolgte darauf die „Preisvertheilung“, zu welcher außer vom Verein gegebene Preise auch Herr Schmidt (Corona-Fahrrad-Fabrik) für die drei zuerst auf von ihm gelieferten Maschinen ankommenden Fahrern wertvolle Preise gewidmet hatte, dieselben wurden von den Herren Gräben, Kaußmann und Deickert erworben. In froher Stimmung über die schönen sportlichen Leistungen blieb der Verein noch lange beisammen. Ähnlich mit diesem Satz endete fast jeder Bericht (Nr.164, 16.7.1894).

 

Vereinswechsel: Vom B.R.-V. "Vorwärts" von 1887 in den B.T.-V. von 1896

Am 21. und 27.5. 1896 passierten die Teilnehmer der Distanzwettfahrt Hannover-Berlin-Hannover über 300 km vormittags Brandenburg, wo die Zeitkontrolle  und  Verpflegungsstelle waren. Vielleicht war die Bewunderung für diese „Meisterfahrer“ auch die Initialzündung für die Gründung eines weiteren Vereins mit dem programmatischen Namen: Brandenburger-Tourenfahrer-Verein von 1896 (B.T.-V. von 1896) in den auch Gustav Gräben überwechselte. (Nr.118)

Bei einem Vorgabe-Rennen am 8.8.1996 über 50 km  Brandenburg-Genthin und zurück mit 10 Startern siegte erneut in 1:40 Std. (vom Mal) Herr G. Gräben vor  Herrn Voß (1:42 ½ Std.). Abends war die „Preisvertheilung“, so nannte man damals die Siegerehrung im Kreise der Damen und mit Freunden des Vereins bei Musik und Tanz bis nach Mitternacht! (Nr.187, 11.8.1896) 

Bei der Distanzfahrt „Rund um Berlin“ am 6.9.1896 mit 48 Fahrer war eine Strecke von 320 km  unter den denkbar schwierigsten Witterungs- und Wegeverhältnissen zurückzul- egen. Herr G. Gräben aus Brandenburg ging nach 14 Std. 19 Min. als Sieger hervor. Er, sowohl wie sein Rad „Brennabor 14“ aus der Fabrik der Gebr. Reichstein, welches er ohne Wechsel auf der ganzen Fahrt benutzte, zeigten sich am Endziel in tadellosester Verfassung. (BA.Nr.210, 7.9.1896)

Am 20.9.96  aus Anlass des 3. Stiftungsfestes der Neu-Ruppiner R.-V. „Wanderer“ veranstaltet: Es gab u.a. ein 25 km Rennen von Neu-Ruppin–Katerbow und zurück für Bundes-Mitglieder mit 13 erstklassigen Fahrern. Es gewann Herr Paul Kotsch von „Kyritzer R.-V.“, vor Herrn Fritz Schnelle vom B. R. V. „Vorwärts“ v. 1887. Dritter wurde Herr Gustav Gräben vom  B. T.-R.-V. v. 1896. Alle fuhren auf Brennabor-Rädern. ( Nr.223, 22.9.1896) 

Bei der Fernfahrt „Hamburg-Berlin“ über 258,8 km  am 12.9. 1897 waren erneut 48 Fahrer am Start. Sieger wurde  Herr Gustav Gräben vom B.T.-R.-V. v. 1896 in der vorzüglichen Zeit von 10 Std, 30 ½ Min. Der genannte Fahrer siegte auch 1896/97 bei der Fernfahrt  „Rund um Berlin“ über 320 km und dürfte den Anspruch darauf haben können, als bester Fernfahrer des Deutschen Radfahrerbundes bezeichnet zu werden. Er benutzte bei allen Fernfahrten Brennabor-Maschinen. Fahrer und Rad gin-gen bei allen genannten Fernfahrten in tadelloser Verfassung durchs Ziel (Nr.214, 9.9.1897).

Die Radfahrer der Stadt Brandenburgs scheinen gegenwärtig eine gewisse Überlegenheit gegenüber den Fahrern der weiteren Umgebung zu besitzen, denn  jeder Sonntag bringt neue Siege von Brandenburgern bei den  Veranstaltungen des Gaus und den benachbarten Vereinen.

Die Herren Gustav Gräben und Reinhold Rößler vom B.T.-R.-V.v. 1896, haben bei dem 10 km Gästerennen des Neuruppiner R.-V. „Wanderer“ bei einer Konkurrenz von 15 Fahrern mit ca. 1 km Vorsprung auf ihren Brennabor-Rädern den 1. und 2. Platz errungen (Nr.226, 27.9.1897).

 „Rund um Berlin“: Bei dieser Fernfahrt am 29.8.1897, bei der R. Engelhardt vor G. Gräben aus Brandenburg durch das Ziel gegangen war, wurde gegen Engelhardt sofort Protest wegen des Benut-zens von Schrittmachern eingelegt. Der Vorstand des Gaues 20 (Berlin) hat nunmehr den Protest als berechtigt anerkannt und unter Disqualifikation Engelhardts Gustav Gräben den ersten Preis zuerkannt. (Nr.241,14.10.1897)

Bei seinen Siegen über die "langen Kanten"  Rund um Berlin 1896  über 320 km und Hamburg nach Berlin 1897 über 258,8 km lag der Schnitt bei 22,4 bzw. 24,6 km/h. In den Rennberichten kam immer der Hinweis auf die tadellosen Brennabor-Räder, welche ohne „Defect“ blieben, sicher als Hinweis zu sehen, dass  die Fa. Brennabor seine Werbeträger auch in irgend einer Form „gesponsert" hat.

Der B.T.-R.-V. v. 1896 hat gestern Saison unserer Radfahrer-Vereine eröffnet. Die besten Branden-burger Rennfahrer bekamen Konkurrenz aus: Berlin, Magdeburg Charlot-tenburg, Potsdam, Rathenow, Havelberg, Spandau, Adlershof, Hötensleben, Nauen, Rixdorf, Friedenau, Kyritz und Cöthen. Die ankommenden Radler trafen sich im Vereinslokal des „B.T.-R.-V“ im „Hotel zum Schwan“. 160 Radfahrer fuhren im Corso mit einer Musikkapelle vornweg in langsamen Tempo bis Wilhelmsdorf, wo das Rennen am üblichen Kilometer 6,8 bei denkbar günstigem Wetter seinen Anfang nahm. Für die 50 km von Wilhelmsdorf nach Ziesar und zurück waren 51 Meldungen eingegangen, und 8 wertvolle Ehrenpreise gestiftet worden, wobei der 1. Preis, eine Standuhr, einen Werte von 75 Mk. „repräsentirte“. Als beste Fahrer gingen aus dem heißen Ren-nen hervor die Herren:

 

  1. Otto Hartung          Cöthen                                                                    1:35.49 Std.
  2. Alfred Görnemann Berlin vom  R.-V. „Sport“                                 1:36.36 “
  3. Otto Barthel           Charlottenburg    R.-V. „Sport“                      gleiche Zeit
  4. Gustav Gräben     Brandenburg Tourenrennfahrer-Verein 1:38.31

10 Km-Rennen

  1. Paul Gräfe             Radfahrer-Verein  „Blitz“ Rixdorf                 19:33 1/5 Min.
  2. Paul Göricke         Brandenburg                                                        19:33.1/2  “
  3. Hans Dumzlaff     Brandenburger R.-V. „Vorwärts“                  19:54 ½     “

 

An Start und Ziel standen viele die mit Spannung auf den Ausgang des Rennens harrten, während  das übrige zahlreiche Publikum  im Biergarten bei einem guten Glas Bier saß. Die bestplatzierten Fahrer erhielten nach dem Zieleinlauf große Kränze mit langen Schleifen. Dann erfolgte die Rückfahrt zum Vereinslokal, der offizielle Commers mit einem Vortrag des Vereinsvorsitzenden, Curt Müller, der allen Gästen aus Nah und Fern für ihr Kommen dankte. Danach blieben bei gemeinsamen Gesang die zahlreichen Sports-genossen bis zur frühen Morgenstunde zusammen (Nr.113,16.5.1898).

 Beim 10 km-Rennen von Ketzin, welches der dortige R.-V. "Greif" veranstaltete traten 17 Fahrer an. Den ersten Preis, eine Standuhr, erhielt nach heißem Kampf Gustav Gräben vom B.T.-R.-Verein. Als Überraschung hatte Herr Fahrradhändler Müller aus Brandenburg noch einen prächtigen Ehrenpreis für den Sieger gestiftet. Den Abschluss bildete ein Festball. (Nr.116,20.5.1898):

Der Dauerfahrer, Herr Gustav Gräben, wird sich an dem 100 km-Rennen um die Herrenfahrer-Meisterschaft der Welt am 8.-11. September im Wiener Prater „betheiligen“(Nr.194,20.8.1898). 

Ein 50 km-Dauerfahren vor einigen Tagen auf der Bahn in Leipzig gewann Gräben in der Zeiten von 1.07:27 4/5 Std.

Die 100 km-Meisterschaft von Friedenau gewann mit 38 Rd. Vorsprung Herr Gustav Gräben auf seinem Brennabor-Rad in 2:20 Std. und drückte den „Amateur-Record“ um 14 Min. (Nr.196, 23.8.1898).

        Bei den  Amateur-Meisterschaftsrennen von Deutschland über 100 km, bei welchem der Brandenburger Gustav Gräben als Favorit galt, kam derselbe bei den ersten drei Runden in Folge des strömenden Regens zu Fall und gab das Rennen auf. Das Rennen gewann der auch hier bekannte (spätere Weltmeister) Alfred Görnemann-Berlin in 2 Std. 25 Min. 27 2/5 Sec. (Nr.208, 6.9.1898).

Gustav Gräben wurde 1898 Vize-Weltmeister im 100-km-Steherrennen in Wien!

Bei den gestrigen Rennen über 100 km um die Amateur-Weltmeisterschaft im Dauerfahren im Wiener Prater Dank der vorzüglichen Dunlop-Schrittmacher siegte der Engländer Cherry Dank vor dem Deutschen Gustav Gräben aus Brandenburg und dem Böhmer Hunek (Nr.211,9.9.1898).

In Weißenfels gewann das 50 km-Rennen mit Schrittmacher der Brandenburger Herrenfahrer Gustav Gräben in 1:03.36 Std. (Nr.179, 2.8.1899). 

          Die Eröffnung des Sportparks mit einer Zement-Radrennbahn wirft ihre Schatten voraus.

Es haben bisher 60 Fahrer mit 156 Nennungen Berlin, Magdeburg, Turin, Potsdam, Stendal etc. gemeldet. Für das Hauptfahren über 10 000 Meter  haben sich doch hierzu bedeutende Fahrer, u.a. Stamm-Cassel, Schneider-Leipzig auch Gräben-Brandenburg gemeldet (Nr.179, 2.8.1899). 

Einweihung des Sportparks am 13.8.1899 hat mit tausenden Besuchern einen überaus prächtigen Verlauf genommen. Mit allgemeiner Spannung wurde das Hauptfahren erwartet, hatte man doch zum ersten Male Gelegenheit, den einheimischen Herrn Gustav Gräben auch einmal als Rennbahnfahrer zu sehen und zu bewundern. Mit Leichtigkeit und Eleganz schlug derselbe seine „Concurrenten“ scheinbar ohne jegliche Anstrengung, wofür ihm jubelnder Beifall seitens der Zuschauer entgegengebracht wurde. Auch der 3. Platz des Brandenburger Tandempaar Seyfarth-Jacoby  über 3000m verdiente sich besondere Beachtung.           

Die Sieger  der einzelnen Rennen:

Erstfahren 1000 m: Paul Michaelis-Berlin (2:07 Min.), Vorgabefahren 2000 m in (3:10Min.) und Vorgabe- fahren 2000 m an Paul Damm-Leipzig (3:10Min.), Sportpark-Eröffnungsfahren 3000 m: Fritz Binge-Magdeburg (5:19.2Min.)

Im Hauptfahren 10000 m: 1. Gustav Gräben-Brandenburg (12:55.2 Min.) vor M. Heiny Zehlendorf  (Nr.189,1899).

Mit der modernen Zement-Radrennbahn nahm der Bahnradrennsport in Brandenburg a. d. Havel einen weiteren Aufschwung.

An den Pfingstfeiertagen fanden im Sportpark die wichtigsten Rennen der Saison statt, zu denen einige der weltweit besten Berufsbahnradsportler dieser Zeit verpflichtet werden konnten, wie zum internationale Radwettfahren am 31.5.1900 (2. Pfingsttag) Die eingelaufenen Nennungen zeigten eine hohe Qualität von in- und ausländischen Fahrern, wie sie sonst nur große Sportcentren in Berlin, Wien, Hannover, Köln etc. aufweisen können: Paul Mündner-Deutschlands, Lourion und Heller-Wien, L. Bocquillon-Paris, der nur unter Klasse 1a startet, Alfred Schneider-Leipzig. Von den Dauerfahrern hinter Motorführung, möchten wir in erster Linie den Holländischen Meister von 1899, van Schonthoven, sowie Winnemann-Hamburg, Nicodem-Prag nennen. Auch unser ein- heimischer Fahrer, Gustav Gräben, welcher sich in ausgezeichneter Form befinden soll, wird ebenfalls mit 2 Motorführungsmaschinen am Platze erscheinen (Nr.126,31.5.1900). Mit tiefem Bedauern wurde vom gestrigen internationalen Rad-Wettfahren berichtet, dass es dem Dauerfahrer, Gustav Gräben, in Folge eines Sturzes am 1. Feiertage in Weißenfels nicht vergönnt war, an dem 30 km-Rennen „theilzunehmen“. Hatten sich doch gerade viele Freunde und Bekannte wegen des beliebten Fahrers eingefunden (Nr.129,5.6.1900).

Mit Eröffnung der modernen Radrennbahn hat sich G. Gräben offenbar als Be- rufsfahrer  vorwiegend auf den Bahnradsport, insbesondere das Steherrennen hinter Motorrädern umgestellt, welches damals stark in Mode kam.

 Das  Hauptinteresse des am Sonntag stattfindenden „großen internationalen Radwettfahrens“ dürfte unzweifelhaft das im Programm vorgesehene „Dauerfahren über eine Stunde für Berufsfahrer“ in Anspruch nehmen, umso mehr, da hervorragende Fahrer wie Eugen Dutrieu-Lille, Max Heiny-Berlin, L. Boquillon-Paris, Ernst Moritz-Friedenau und Gustav Gräben-Branden-burg am Start erscheinen werden und da die erzielten Geschwindigkeiten hinter guten Schritt-machern inzwischen 50 km/Stunde erreichten. Gustav Gräben, welcher sich augenblicklich in vorzüglicher Form befindet hat die feste Absicht, seine im Vorjahre erlittene Scharte auszuwetzen (B.A.Nr.210,7.9.1900).

Das gut besuchten internationale Radwettfahren am 10.9.1900 im „Sportpark sah Gebrüder Küpferling-Berlin siegreich bei den Amateur-Rennen: Sportpark-Eröffnungsfahr über 1000 m, Dritte wurde das Brandenburger Tandempaar Jäger-Krüger, die dann beim Mehrsitzerfahren  über 3000 m in 5:14,5 Min. Gebr. Küpferling besiegten. Das Hauptinteresse des Tages galt natürlich dem Dauerfahren über eine Stunde. Als Sieger ging der Franzose Dutrieux nach 48 km, 343 m über das Band, dessen Motor mit seiner durchaus tüchtigen Besatzung tadellos funktionierte. Heiny‘s Motor hatte leider Kettendefect erlitten. Auch unserem altbewährten Fahrer Gräben war es nicht vergönnt, dieses Rennen ohne Unfall zu fahren. Beim Vorüberfahren an einem seiner Concurrenten wurde er durch ungeschicktes Fahren in der Kurve derartig weit herausgetragen, dass er die Barriere anfuhr und in das Publikum flog, wobei er sich einige schmerzhafte Hautabschürfungen zuzog und so sehr die Hand verstauchte, dass er bei den letzten Kilometern kaum noch in der Lage war, die Lenkstange zu halten. Die Energie, mit der er sein Rennen fortsetzte und noch den 2. Platz belegte, verdient volle Anerkennung (Nr.212, 10.9.1900).

 

Im Jahre 1901 kehrte Gräben wieder zu seinem alten Verein "Vorwärts" 1887 zurück                          

Die Vereinsmeisterschaft 1901  B. R.-V. „Vorwärts“ 1887 wurde als Schrittmacherrennen unter Führung von Tandempaaren über eine Strecke von 50 km bei enormer Hitze und starken Wind ausgetragen. Als Erster ging Herr Gustav Gräben (auf Corona-Fahrrad) durchs Ziel, obwohl er unterwegs stürzte, erreichte er die brillante Zeit von 1: 26,32 2/5 Std., Zweiter wurde der bisherige Clubmeisterfahrer, Herr Georg Schmidt, trotz eines Defektes seines Schrittmachers in 1:36,01/5Std. Nach dem Rennen vereinigte man sich zu einem gemütlichen Frühschoppen auf Ahlert’s Berg, zur „Preisvertheilung“. Der Meisterfahrer, Herr Gräben leistete indeß als altbewährter Fahrer und in Anbetracht der vorzüglichen Zeit, die er gefahren war, auf das ihm zustehende goldene Abzeichen zu Gunsten des Zweiten, Herrn Schmidt, Verzicht, weil dieser unverschuldetes Pech hatte‼ (Nr.127, 3.6.1901)

Im August 1901 hielt der „Vorwärts“ 1887 auf der Chaussee Plaue-Bensdorf sein zweites diesjähriges Rennen ab. Bei herrlichem Wetter gelangte der Verein nebst seiner zahlreichen Gäste per Rad, Kremser und Dampfe nach Plaue. Mit dem Banner an der Spitze des Zuges begab an die Rennstrecke. In jedem Rennen gab es 3 Ehrenpreise.

1. Erstfahren 2000 m: 1. Kurt Brümmer  vor Fritz Sengespeik

2. Damenlangsamfahren 100 m: 1. Frl. Bertha Wiese, 2. Frl. Johanna Krüger

3. Hauptfahren 5000m, (Wendpunkt): 1. Gustav Gräben, 2: Georg Schmidt, 3. Hans Demohn

4. Seniorenfahren 1000 m: 1. Fritz Lücke, 2. Max Kübner, 3. Ernst Häuser

5. Vorgabefahren 5000 m (Wendpunkt): 1. Hans Demohn (125 m), Georg Schmidt (vom Mal)

Herr Gräben, der wohl auch dieses Rennen gewonnen hätte, hatte in anerkennenswerter Weise auf einen Start verzichtet.

6. Tandemfahren 3000 m: 1. Lücke-Gräben, 2. Brünner-Schmidt, 3. Ranneberg-Demohn

7. Trostfahren 2000 m (Für Fahrer bisher ohne Preis)  Ernst Kabisch, vor  Paul Säger

Nach dem Rennen fand im Hertwig’schen Saale in Plaue die „Preisvertheilung“ statt. Gegen 1 Uhr wurde dann nach fröhlich verlebten Stunden die Heimreise auf dem Dampfer „Deutschland“ angetreten (Nr.200,27.8.1901).

Am  8.6.1902 früh um 6 Uhr war  der Start zum Rennen um Vereinsmeisterschaft  von „Vorwärts“ 1887  über 50 km mit Schrittmachern auf der Strecke Brandenburg-Plaue-Genthin und zurück. Herr Gustav Gräben, der vorjährige Meisterfahrer, passierte auch in diesem Jahr als Erster das Band und hatte von einem Dreiradmotor geführt, die genannte Strecke in der sehr achtbaren Zeit von 1:27,351/5 Std. zurückgelegt. Zweiter wurde Herr Hans Demohn, welcher, nur durch Tandem unterstützt, 1:29,16 Std. benötigte. Auf Graves Berg fand dann die „Preisver-theilung“ statt und ein fideles Zusammensein aller am Rennen beteiligten Personen schloss sich an. (BA.Nr.133,10.6 1902)

Die Fernfahrt „Rund um Berlin“ am 17.8.1902 über 240 km, hatte unter ungünstiger Witterung wesentlich zu leiden, weil starken Regengüsse die Chausseen schlecht befahrbar machten. Am Start früh um 5 Uhr in Potsdam auf der Chaussee nach Saarmund standen 127 Fahrer, darunter wieder Gustav Gräben. Das Ziel, welches ebenfalls in Potsdam zwischen den Ortschaf-ten Marquardt und Bornim lag, erreichte er nicht, weil der bekannte Herrenfahrer, Gustav Gräben aus Brandenburg, die Weiterfahrt wegen Reifenschadens in Bernau aufgegeben  hatte. Sieger wurde nach 9:45 Std. Goetzke vom Club „Zugvogel“ Berlin. (Nr.192,18.8.1902).

Mit dem Pfingstrennen am 23.5.1904 wurde die diesjährige Radsportsaison vor 3000 Zuschauer gestern eröffnet. Eine große Zahl in- und ausländischer Berufsfahrer hatte sich angemeldet. Beim Motorenrennen nahmen Maschinen von Brennabor, Corona und Excelsior teil. Sehr erfolgreich waren der Berliner Willi Bader und der Holländer J. Stol. Nach den Rennen traten die meisten Fahrer sofort die Bahnreise zu den nächsten Rennen in Berlin und Kopenhagen an.

Ergebnisse:

I. Hauptfahren 1000 m und II. Vorgabefahren 1750 m: 1. W. Bader-Berlin, 1:09.2 Min., 1. W. Bader ( Malmann), 2:21.4 Min., III. Zweisitzerfahren 2000m: 1. Peter-Stol 2:33,1 Min.,

VI. Motorfahren 10000 m 5000 m: O. Richter (Excelsior) 10:584 Min., vor K. Müller (Brennabor) u. Strecker (Corona), Gustav Gräben-Brandenburg schied infolge Motorscha- dens aus (Nr.119,1904).

                        Am 4.7.1904 veranstaltete „Vorwärts“ 1887 sein Saisonanfahren mit der diesjährigen Vereinsmeisterschaft auf der Strecke Brandenburg-Genthin und zurück. Sieger wurde im Rennen über 50 km Herr Georg Schmidt-Brandenburg, der von einem Brennabor-Motor geführt, die Strecke in 1:17.56 Std. durchfuhr und dabei die vorjährige Fahrzeit um 10 Min. verbesserte. Dreißig Sekunden später wurde Herr Juius. Kaupert Zweiter und Herr Gustav Gräben, der bekannte frühere Herrenfahrer, belegte den 3. Platz. Im Stadtpark fand als dann die Prämie-rung der Sieger statt, dem sich ein Herren-Kommers anschloss, bei dieser Gelegenheit wurde eine Sammlung  zugunsten des vor kurzem in Magdeburg tödlich gestürzten französichen Dauerfahrers Paul Dangla veranstaltet, deren Ertrag an die „Radwelt“ abgeführt werden soll (.Nr.155,1904).

Das gestrige Radsportfest, vom Verein für Radfahrwege im Sportpark, anlässlich seines Jubiläums, hatte folgende Resultate:

Tandemfahren 4000m:Sieger das Paar Gräben/Kaupert (Vorwärts) in 6:16 Min.(Nr.196, 22.8.1904).

        

 

Annonce anlässlich der Geschäftsverlegung in der Stein-straße im Brandenburger Anzeiger.

Gustav Gräben hat wahrschein- lich 1905 im Alter von 40 Jahren seine leistungssportliche Laufbahn beendet und sich vorwiegend sei- nem Geschäft in der Steinstraße gewidmet. Ab 1904 firmiert er als Zigarren- und Fahrradhandlung dort in der Nr. 30, ab 1911 in Nr.27 und ab 1928 in der Nr.43.

Im Jahre 1908 findet sich ein Beleg für seine wahrscheinlich einset-zenden „Sponsorentätigkeit“ mit einem „Gustav-Gräben-Preis“ bei einem 10 km Dauerrennen im Sportpark. Vielleicht kam das Geld aber auch von der Fahrradindustrie, und Gräben wurde damit Patonat geehrt!?

                               Jupiter Pluvius (Anm.: Der Regnende) war gestern beim Rennen im Sportpark wieder ungezogen. Nach dem Platzregen machte der aus vollen Backen blasende Wind die nasse Bahn aber bald wieder trocken. Trotz der unfreundlicher Witterung um- säumte eine große Menschenmasse das „Zement“. Neben den Bar-Preisen wurden wertvolle Ehrenpreise von Industrie und Handel gestiftet. In allen Dauerrennen gewann G. Schadebrodt, Sieger des Gr. Preise 1908. Der Däne Hellmann, Sieger des Goldpokals im Vorjahr, hatte keine gute Form.

Ergebnisse:

Ausscheidungsfahren 2000 m „Brandenburgia-Preis“: 1. Vogt 3:03 Min. vor Fritz Hoffmann-Berlin, der auch das Vorgabefahren über 2000 m gewann. Das Prämienfahren 2000 m( 24 Fahrer am Start) gewann Bruns 2:53 Min., 2. Vogt, 3. Rottnik

Gustav-Gräben-Preis Dauerrennen (10 u. 20 km) 1. G. Schadebrodt (11:55 u. 21:47 Min).

Brandenburger Industrie-Preis über 30 km : G. Schadebrodt  (32:42.2 Min.) (Nr.216,14.9.1908).

                      Gräben hat sich 1909 offensichtlich dem  neugegründeten Radfahrer-Verein „Sturmvogel“ angeschlossen, in welchem auch sein alter Sportkamerad Julius Kaupert, der einst auch sehr erfolgreich auf Bahn und Straße fuhr, eintrat. Auch dieser hatte sich für sein Altersauskommen einen Zigaretten-/Zigarrenladen eingerichtet. R.-V. „Sturmvogel“ hat sehr intensiv und regelmäßig seine Mitglieder durch Annoncen im Brandenburger Anzeiger über Trainingsausfahrten und sonstige Veranstaltungen informiert

                        Beispiel: Radfahrer-Vereins „Sturmvogel: Sonntag, den 13.d. Mts.: Kremserpartie nach Götz, Gäste willkommen. Abfahrt ½ 2 Uhr vom Klublokal (Hotel zum Schwan), Anmeldung betreffs Kremserplätzen werden bis zum 9. d. Mts. bei den  Mitgliedern, Gräben, Steinstraße 27, Der Vorstand (Nr.158,8.7.1911).

                        Immer wenn die Attraktivität  und damit der Ertrag  des Sportparks nachließen, be-stallte das Konsortium einen neuen Direktor. Die Radrennen auf der Bahn im Sportpark unter der Leitung des (neuen) Directors, Willy Lücke, bewiesen wieder die alte „Zugkraft“, denn es kamen 4000 Besucher. Zum Dank für die 1911 veranstalteten Rennen überreichte Herr Gustav Gräben dem Leiter und Veranstalter der Rennen, Herrn Willy Lücke, mit einer kleinen Ansprache einen Lorbeerkranz(Nr.183, 7.8.1911). Gräben war scheinbar so etwas wie der „Spiritus Rector“ der Brandenburger Radsportler geworden, weil er wegen seiner fairen und liebenswerten Art bei vielen großes Vertrauen und Ansehen genoss.

Der vor zwei Jahren neu gegründete R.-V. „Sturmvogel“v.1909 veranstaltete sein 100 km-Meisterschaftsfahren mit Vorgabe auf der Strecke Plaue-Wusterwitz-Ziesar-Görtzke-Wiesen-burg-Belzig-Golzow-Brandenburg. Es hatten sich hierzu 10 Mitglieder gemeldet. Als Erster ging Franz Fischer vom Mal (ohne Vg.) in 3 Std. 39 Min. 20 Sek. übers Band und wurde für 1911  Vereins-Meister. Gräben, inzwischen ein „Altersfahrer“, wurde mit (13 Min. Vg.) Vierter 4:01 Std. Die vorzügliche Leistung der ersten Fahrer gereichen dem jungen Radfahrer-Verein „Sturm-vogel“ zur Ehre. Die Preisverteilung mit Kränzchen fanden unter großer Beteiligung bei H. Braune in  Möser statt, wo man bis zum Schluss in fröhlicher Stimmung zusammen blieb (Nr.208,5.9.1911)

Annoncen: Radfahrer-Verein „Sturmvogel“, am 5. Mai 1912, Sonntagnachmittag 2 Uhr: „Frühjahrsrennen“. Meldung bis Freitagabend bei Gustav Gräben und Fritz Brüse (Nr.121,24.5.1912). Radfahrer-Verein „Sturmvogel“, Pfingstfeiertag: Nach Dessau (2 Tages-fahrt)Start 4 Uhr mor-gens bei Kamerad Gräben, Steinstraße, Feiertag: Dippmannsdorf, Start 2 Uhr am Klublokal Schultheiß, zwischen 5 und 6 Uhr (Nr.101,30.4.1912).

Am 10.7.1913  annonciert Gräben seine Geschäftsverlegung in die Steinstraße Nr.40 (Nr.159, 10.7.1913).

Radfahrer-Verein „Sturmvogel 1909“, Sonntag, den 10.August Kremserpartie nach Götz, Abfahrt 2 Uhr „Schultheiß“, Hin- und Rückfahrt kosten 1,- Mk., Anmeldung bis Sonnabendmittag, erbeten bei G. Gräben, Steinstraße 48, Gäste herzlich willkommen(Nr.184, 8.8.1913).

Im Adressbuch Brandenburg und Umgebung 1914/15  :

Radfahrer-Verein „Sturmvogel“, Vors. Versicherungsbeamter Karl Eimicke, Lokal „Hotel zum Schwan“. Eimicke war selbst lokal erfolgreicher Radsportler.

Annonce: Radfahrer-Verein „Sturmvogel 1909“ e.V.,  Sonntag,  24. August, Mondschein- fahrt nach Plauer Schleuse, Gastwirt Regelin. Daselbst Auskegeln, Preisschießen, Abfahrt nachmittags 4 Uhr vom Salzhof mit Dampfer  „Deutschland“, Karten für Hin- und Rückfahrt 1 Mk. bei G. Gräben Steinstr. 43, Gäste willkommen (Nr.194, 21.8.1919).

            In den Anfangsjahren wurden sehr wohlhabende, am Radfahren/-sport interessierte Bürger zu Vereinsvorsitzenden gewählt. Das garantierte Ansehen und Einfluss des Vereins im gesellschaftlichen Umfeld. Später waren viele ehemals aktive Radsportler Vereinsvorsitzende oder in anderen Funktionen dieser Zusammenschlüsse tätig.

Adressbuch Brandenburg u. Umgebung: 1927, 1928, 1931 und 1932:  

In diesem Zeitraum war Gustav Gräben zwischen 63 und 68 Jahre alt und wie aus den folgenden Einträgen zu entnehmen ist, Vorsitzender eines sehr aktiven Radfahrervereins, der  von 1909 bis 1933 rund 24 Jahre bestanden hat.

Radfahrer-Verein „Sturmvogel“ 1909, Vors. Gustav Gräben, Steinstr. 43, Lokal Vereinslokal „Zum Schultheiß“ Molkenmarkt.

                    Seine Ehefrau starb bereits 1934. Da wohnte Gustav Gräben in der Potsdamer Str. 32 in Brandenburg und hatte bereits sein Geschäft aufgegeben. Im Personenregister der Stadt von 1935/36 ist sein Name nicht mehr vermerkt. Vielleicht hat eines der Kinder den alten Vater zu sich genommen. Über seine letzten Jahre ist mir also nichts bekannt

Aber, nun hat Gustav Gräben endlich ein „Gesicht“, und die vielen Stunden im Stadtar- chiv haben sich für mich  gelohnt!

 

 

Einige  biografische Daten und Persönliches über Gustav Gräben:

 

Im  Brandenburger Adressbuch von 1893 findet man zum einen den Dachdeckermeister Hermann Gräben, wohnhaft in der Gartenstraße, zum anderen wohnt unweit davon der Tischler Gustav Gräben in der Kleinen Gartenstraße 50. Beide sind wahrscheinlich ver- wandt. Im Geburtenregister der Stadt steht am 4.10.1888 der Eintrag für die Geburt eines Jungen mit Namen Richardt, Ernst, Gustav Gräben, dessen Vater von Beruf Tischler war. Da man damals eine Eheschließung, wenn möglich, vor der Geburt des ersten Kindes voll- zog, bot es sich an, in das Trauregister des Zeitraumes vor diesem Geburtsdatum zu schauen. Und siehe da, unter der Registernummer 173/1888 fand sich die Beurkundung der Eheschließung eines Tischlers Richard, Emil, Gustav Gräben, evangelische Religion, geb. am 22. August 1865, wohnhaft  in Brandenburg, Kleine Gartenstraße Nr. 50. Er heiratete am 30. Juli 1888 die Schneiderin Marie, Anna, Auguste Priese, evangelische Religion, geb. am 11. Februar 1864, wohnhaft Brandenburg, Wollweberstraße 12. Als Trau- zeugen waren von Seiten Gräbens ein Tischlermeister aus der Kleinen Gartenstraße Nr.10, offenbar sein Arbeitgeber und für die Ehefrau ein Friseurmeister aus der Wollweberstraße 12 zugegen. Unter der gleichen Adresse wohnte auch die Braut.

Im Laufe der Ehe wurden noch drei weitere Kinder geboren: Anna, Karin, Auguste am  6.11.1889, Gustav, Richard, Georg am  5.12.1893, Alfred, Otto, Adolf am 20.9.1896. Von den Söhnen trat später niemand radsportlich in Erscheinung.

Bei der Eheschließung befand sich G. Gräben im 24. Lebensjahr. Wahrscheinlich arbeitete er als Geselle bei dem Tischlermeister Sieburg in der Kleinen Gartenstraße, der auch sein Trauzeuge war. Als Rufnamen wählte er sich Gustav, der wahrscheinlich damals sehr beliebt und modern, also "in"   war. Bis 1899 war er unter drei verschiedenen Adressen wohnhaft: Kleine Gartenstr 50, Steinstr. 57, Abtstr.11 und hat den Beruf Tischler eintragen lassen. Ab 1904 findet man ihn in der Steinstraße 30 als Inhaber einer Zigarren- und Fahrradhandlung, die er 1911 in die Steinstraße 27 und danach 1914 in selbige mit der Nr. 43 verlegt. Wahrscheinlich hat er sein Geschäft erweitert, denn er bietet dann auch den Reparaturservice für Räder an. In seiner aktiven Zeit als erfolgreicher Amateur- und Berufsradfahrer ab 1893 war er Mitglied in den Brandenburger Radfahrer-Vereinen: "Vorwärts von 1887" , ab 1896 Tourenfahrer-Verein von 1896 und kehrte 1901 wieder zum alten Verein "Vorwärts" zurück.

Nach Beendigung seiner leistungssportlichen Karriere 1905 bestritt er als "Altersfahrer"  noch erfolgreich einige Rennen. Im Februar 1906 beschließen die Vorstände von "Vorwärts" und dem "Rad-Klub 1899" zu fusionieren und Gründen damit den "neuen" Verein "Radfahrer-Klub Vorwärts 1887/1899". Ob das im Sinne aller Mitglieder war, ist zu bezweifeln. 1909 wird der Verein "Sturmvogel 09" neugegründetet, dem sich auch G. Gräben und sein alter Freund Julius Kaupert, ebenfalls ein ehemaliger sehr erfolgreicher Rennfahrer, angeschlossen haben. Hier war er sehr aktiv in der Vereinsarbeit und wurde schließlich 1927 selbst zum Vorsitzenden gewählt. Diese Funktion hatte er für etwa 6 Jahre inne, bis sich der Verein auflöste oder im 3. Reich aufgelöst wurde.

 

 

Die  Radrennbahn  im Sportpark  Brandenburg erbaut  1899

1899 wurde in Brandenburg ein Sportpark mit integrierter 333,3 m Radrennbahn aus Beton errichtet. Eingang auf einer Postkarte von 1899.

Eine rasant fortschreitende Mechanisierung der indus-triellen Produktion im 19. Jahrhundert und die zu- nehmend organisierte Ar- beiterschaft, brachten als Ergebnis ihres Wirkens auch eine Verringerung der täglichen Arbeitszeit für die Berufstätigen mit sich. Die- se neu gewonnene „Freizeit“ für große Teile der Bevölkerung musste nun sinnvoll gestalten wer- den. Dass dieses Phäno- men auch ein nicht uner- hebliches kommerzielles Potenzial in sich barg, erkannten auch Brandenburger Unternehmer schon frühzeitig, wollten es nutzen  und eroberten sich das neue lukrative Geschäftsfeld der "Freizeitin- dustrie". Ein Konsortium aus hiesigen Geschäftsleuten erbaute, angeregt durch bei- spielgebende Objekte in  anderen deutschen Städten, unter Federführung des ortsan-sässigen erfolgreichen Architekten und Bauunternehmers, Carl Jurth, bis 1899 den Sportpark an der Wilhelmsdorfer Landstraße. Dieser wurde zwischen dem damaligen Schlachthof und dem Flüsschen Plane errichtet. Dieser Standort war damals noch weit im "Grünen" westlich von Brandenburg gelegen. Dort trafen sich an den Wochenenden bald Jung und Alt. Es waren besonders auch die „einfachen“ Leute, die sich dort ein Stelldichein gaben (Kurt Wilhelm). Eine besondere Attraktion war der „Sektpavillon“ Kloss und Förster. Jurth hatte diesen 1896 auf der Weltausstellung in Berlin erworben, denn man wollte auch in Brandenburg nicht kleckern, sondern klotzen. Jener fasste bis 1200 Besucher bei den beliebten Kaffeekonzerten. Es gab Kegelbahnen und Billardtische. Ein Aussichtsturm ermöglichte den Besuchern einen guten Ausblick über die Gesamtanlage, zu der auch Tennisplätze, Turn- und Ballspielplätze gehörten. Auf gefrorenen Teichen konnte man im Winter gefahrlos Schlittschuh laufen. Ein Stichkanal verband das Gelän- de mit der nahen Havel. In einem kleinen Hafen konnten sogar Fahrgastschiffe, welche das Publikum aus der Stadt hier her schipperten, anlegen. Auch eine Anbindung durch die Pferde-, einer Vorgängerin der ab 1909 elektrisch betriebenen Straßenbahn, bestand schon.                                                                                                                                 Eine besondere Attraktion war die 333-Meter Zement-Radrennbahn, welche wohl ebenfalls auf Initiative von Carl Jurth eingebaut wurde. War er doch Mitglied und auch zeitweise Vorsitzender des ersten Radfahrer-Vereins von Brandenburg, des B. Radfahrer-Verein  von 1884. Schon 1890 hatte er, in Ermangelung einer eigenen Bahn in Brandenburg beklagt, dass hiesige Rennfahrer, um Erfolg zu haben auf auswärtigen Bah- nen in Magdeburg, Berlin usw. zum Training ausweichen müssten. Selbst das benachbarte kleinere Genthin besaß bereits eine solche!

                          Für ihre Erbauung wurde als Füllmaterial der Aushub der neu angelegten Wasserwege genutzt. Das steigerte leider die Instabilität des feuchten Untergrundes noch mehr und sollte sich 25 Jahre später bitter rächen. Aber zunächst wurden auf dieser Bahn etwa ein Vierteljahrhundert lang packende Kämpfe bei Bahnradrennen ausgetragen. In den ersten 15 Jahren säumten bei den Radsportveranstaltungen, welche 5 – 7mal pro Jahr stattfanden, regelmäßig 4000 - 7000 zahlende Zuschauer das Oval. Die radsportlichen Höhepunkte des Jahres fanden traditionsgemäß an den beiden Pfingstfeiertagen statt. Der Bahnrennsport nahm dadurch in Brandenburg einen gewaltigen Aufschwung.

 

 

Am  13.  August  1899  wurde  der   Sportpark eröffnet

Die letzten Wochen und Tage vor der Eröffnung des Sportparks:

Die letzten Wochen und Tage vor der Eröffnung des Sport- parks am 13. August 1899:

Vom 29. Juli bis 12.8.1899 an berichte- te der Brandenbur- ger Anzeiger in fünf Ausgaben  regelmäßig von den Vorbereitungen und deren Stand bezüglich des bevorstehenden großen Ereignisses. Das Programm zur Einweihung des „Sportplatzes“ sei fertiggestellt. Für die am kommenden Sonntag bei Eröffnung der neu erbauten Sportanlagen stattfindenden Rennen sind bis heute eine größere Anzahl Nennungen von guten Fahrern aus Berlin, Leipzig, Magdeburg, Friedenau, Spandau etc. eingegangen. Auch für den Preiscorso sind bereits von vielen hiesigen und auswärtigen Vereinen Zusagen gemacht worden. Es verspricht daher der Verlauf des Einweihungs-Festes ein großartiger zu werden. Der Preiscorso startet vom neustädtischen Markt aus nach dem Sportplatz und es werden sich einige hundert Fahrer beteiligen. Das Programm der Wettrennen wird sich so ähnlich in den Jahren bis 1921 wiederholen. An einem Renntag fanden meistens 5 bis 8 manchmal 10 Disziplinen statt und es wurden phantasievolle Namen für die „Großen Preise von …“ erdacht. Bei den Ausschreibungen der Rennen wurden auch die Anzahl und der Wert der Geldpreise minutiös ausgewiesen, die im Laufe der Jahre sich ständig erhöhten, wahrscheinlich auch als Folge der Inflation. Auch die Ergebnislisten wurden dann nach diesem Schema mit exakten Zeit- und Meterangaben erstellt. Jeder Zei- tungsbericht im Brandenburger Anzeiger zu „Rennen im Sportpark“ enthielt dann In- formationen über das Wetter, die Zuschauerzahl, interessante Starter und dem (meistens spannenden) Rennverlauf (auch über Stürze, Pannen usw.). Am aller ersten Renntag zur Bahneröffnung gab es folgendes Programm:

1. Erstfahren 1000 m, 3 Preise  40, 20, 10 Mk., offen für Fahrer, die bisher noch keinen 1. Preis gewonnen haben

2. Sportpark-Eröffnungsfahren 3000 m, 3 Preise 80, 40, 20 Mk.

3. Hauptfahren 10000 m mit eigenem Schrittmacher, 3 Preise  100, 50, 25 Mk.

4. Vorgabefahren 2000 m, 3 Preise 50, 25, 15 Mk.

5. Tandemfahren 3000m, 3 Preise  60, 30, 15 Mk.

Schlussendlich hatten sich zur Einweihung 60 Fahrer mit 156 Nennungen für die verschiedenen Rennen angemeldet. Eine besondere Anziehungskraft prophezeite man dem Hauptfahren (Steherrennen hinter Motorschrittmachern) über 10000 Meter, haben sich doch hierzu bedeutende Fahrer, u.a. Stamm-Cassel, Schneider-Leipzig und der deutschlandweit bekannte Lokalmatador, Gustav Gräben-Brandenburg, gemeldet. Auch aus Berlin, Magdeburg, Turin, Potsdam, Stendal etc. trafen Fahrer ein, um sich dann am Wettrennen zu eteiligen.                                                                                                      Als letzte Meldung kam dann: Morgen wird die Eröffnung mit einem Preiscorso durch einige Straßen der Stadt eingeleitet, der um 1 Uhr von dem neustädtischen Markt aus beginnt. Die Ketziner Kapelle marschiert vornweg und wird auch die „Concertmusik“ auf dem Sportplatze ausführen Die Rennen nehmen um 3 Uhr ihren Anfang.

Eintrittspreise: Loge 3 Mk., Tribüne 2 Mk., Stehplatz 1,50 Mk., 1. Platz 1 Mk., 2. Platz 0,5 Mk. Die „Corso-Theilnehmer“ bekommen beim Start Corsokarten, die zum 2. Platz berechtigen, höhere Plätze sind gegen Nachzahlung zu benutzen (Nr.176-188,1899).

Einweihungsfeier anlässlich der Sportparker- öffnung

Das Foto zeigt ein Ausscheidungsfahren auf der neuen Zementradrennbahn im gerade eröffneten Sport- park, aufgenommen von Friederich Hollerbaum, einst aktiver Radsportler beim B.R.-V. von 1884, der eine Zeit lang auch Direktor des Sportparks war.

 

 

 

Die Einweihung des Sportparks hat gestern Nachmittag einen überaus prächtigen Verlauf genommen. Ein Preis-Corso vom neustädtischen Mark, an dessen Spitze die Ketziner Blaskapelle, durch einige Straßen der Stadt führte zum Sportpark. Es betheiligten sich viele einheimische und auswertige Radfahrer-Vereine. Tausende Besucher wohnten der Eröffnung bei. Die Rennen nahmen im Großen und Ganzen einen günstigen Verlauf. Es kam nur zu wenigen leichteren Unfällen. Mit allgemeiner Spannung wurde das Hauptfahren erwartet, hatte man doch zum ersten Mal Gelegenheit, Herrn Gustav Gräben von hier auch einmal als Rennbahnfahrer zu sehen und zu bewundern. Mit Leichtigkeit und Eleganz schlug derselbe seine Concurrenten ohne jegliche Anstrengung, wofür ihm jubelnder Beifall seitens der Zuschauer entgegengebracht wurde. Auch das Brandenburger Tandempaar Seyfarth-Jacoby verdiente sich besondere Beachtung. Die Resultate der einzelnen Rennen sind folgende:

1. Erstfahren 1000 m: 1. Paul Michaelis-Berlin (2:07 Min.) vor Alwin Hullach-Friedenau und H. Hoffmann-Berlin

2. Sportpark-Eröffnungsfahren 3000 m: Fritz Binge-Magdeburg (5:192Min.) vor M. Heiny-Berlin u. W. Hallwachs-Charlottenburg.

3. Hauptfahren 10000 m mit eigenem Schrittmacher: 1.Gustav Gräben-Brandenburg (12:552 Min.) vor M. Heiny-Berlin  und P. Schwarz-Zehlendorf.

4. Vorgabefahren 2000 m: 1. Paul Damm-Leipzig (3:10Min.) vor Max Anders-Leipzig und Richard Schwäbe-Berlin.

5. Tandemfahren 3000m: 1. Damm-Anders (1:18 Min.) vor R. Lehr-M. Heiny-Berlin u. F. Seyfarth/Jacoby-Brandenburg

 

 

Kurzer Überblick

Ein Vierteljahrhundert lang wurden auf dieser Bahn packende Kämpfe bei Bahnradrennen in verschiedenen Disziplinen vor häufig 4000 bis 8000 zahlenden Zuschauern ausge-tragen. Bei 5 bis 8 Veranstaltungen pro Jahr fanden die radsportlichen Höhepunkte  tradi-tionsgemäß an den beiden Pfingstfeiertagen statt. Der Bahnrennsport nahm in Bran- denburg dadurch einen gewaltigen Aufschwung.                                                                     

 

Wer fuhr auf dieser Bahn?

Von den Einheimischen ganz oben zu nennen sind hier die beiden „Gustavs“. Der Alt- meister G. Gräben (Vize-Weltmeister über 100 km Dauerrennen in Wien 1898) hatte ab 1893 neben vielen lokalen Straßenrennen schon große Eintagesrennen (2x „Rund um Berlin“ und „Hamburg-Berlin“) gewonnen und fuhr dann auf auswärtigen Bahnen (Berlin, Weißenfels) auch hinter Motorschrittmachern. Der andere, ein junger Himmels-stürmer, schickt sich gerade an, die großen Fahrer jener Zeit vor die „Klinge“ zu fordern, gewann schon eine Reihe bedeutender Rennen, bis er im blühenden Alter von  22 Jahren 1908 auf der Rennbahn in Treptow tödlich verunglückte. Außer diesen beiden herausragenden Fahrern auf internationalem Niveau gab es in Brandenburger zwischen 1899 und 1922 weitere erfolgreiche Lokalmatadore, die der auswärtigen Konkurrenz zur Freude der lokalpatriotischen Zuschauer Paroli bieten konnten. Da wären zu nennen: Die Dauerfahrer Fritz Dornburg, Julius Kaupert, Richard Kläre, Franz Rulfs, Paul Adam, Hermann Supply, Hans Stucki, Otto Köpp, die Tandemfahrer Fritz Seyfarth, Paul Joë, Hermann Krüger, Robert Jäger, Paul Gericke, Fritz Ruhle und Otto Deickert, sowie die Sprinter Hans Köppen, Hans Stucki (aus Mötzow)  und Erich Betge, Ernst Köppen, Willi Tauchert. Regelmäßig waren weitere deutsche Spitzen-fahrer aus Berlin, Magdeburg, Leipzig, Hannover, München, Hamburg, Bremen usw. am Start: Max Heiny, Curt Moritz, Paul Mündner, Willy Tadewald, Tetzlaff, Saldow, Arthur Steffens, Willy Techmer, Pzyrembel, Stabe, Stellbrink (alle Berlin), Josef Fischer, Fritz Hitzler beide München, Gustav Brummert-Magdeburg usw. Auch international erfolgreiche Fahrer kamen zu den Rennen: Kudela-Prag/Wien, Hellemann-Kopenhagen, Eugeni Dutreux-Lille, L. Bocuillon-Paris,l van Schoonthoven, John Stol (alle Amsterdam), R. Heller-Wien, Bardoni-Italien, Hall-England. Auch zwei Afro-Amerikaner, wie Vendredi und Woody Hedspath, waren 1906/07 Pub- likumsmagnete und fuhren erfolgreich auf der hiesigen Bahn. Sie wurden damals natürlich in der Presse als Exoten angekündigt und von den Zuschauern als solche erstaunt wahrgenommen. Ebenso erging es dem Deutsch-Russen, Dubaschny-Warschau, für den im September 1908 ein spezieller Zweikampf mit dem jungen Gustav Schadebrodt kurz vor dessen tragischen Tod angesetzt wurde.                                                                                                      Aber auch amtierende Weltmeister konnten für Rennen in Brandenburg verpflichtet werden:  Die Dauerfahrer Taddäus Robl-München, Alfred Görnemann und GustavJanke-Berlin, Fritz Ryser-Schweiz, Bobby Walthour "Der Crack von Atlanta"-USA Piet Dieckentmann-Holland. sowie die Sprinter Willy Arend-Hannover, Walter Rütt.

 

Weitere Informationen zur Herkunft der Fahrer:

 

Hier folgt eine Serie von Renn-Ankündigungen per Annonce im Brandenburger Anzeiger

Archiv-Bilder aus der Zeit vom 1900 - 1910

Verwaltung  von  Sportpark  und   Rennbahn

Der Sportpark mit seiner integrierten Radrennbahn wurde von vornherein mit dem Gedanken nach Gewinnstreben errichtet. Dabei konnte das Nützliche mit dem Angenehmen verbunden werden, was ja durchaus nichts Ehrenrühriges an sich hat. Viele der handelnden Akteure im Kon- sortium waren mit dem Fahrrad, dem Fahrradfahren und dem Radsport verbunden. Dabei liest sich die Mitgliederliste des ersten Radfahrer-Vereins von Brandenburg, dem "B. R.-V. von 1884", wie das "Who's who" der damaligen hiesigen oberen Geschäftswelt: Bauunternehmer, Fahrrad- fabrikbesitzer, Besitzer der Mühlenwerke und Keksfabrik, Lehngutsbesitzer, Apotheker, Besitzer von Spirituosenfabrik, Matrazenfabrik und Kaufleute in den verschiedenen Branchen.

Carl Jurth war mit seiner Bau-Firma und als Architekt, sowie mit seinen vielen Ehrenämtern und Mitgliedschaften mehr als ausgelastet. So verwundert es nicht, dass nach einer anderen Lösung gesucht und auch schnell gefunden wurde. Der alte Sportkamerad aus dem "B.R.-V. von 1884", der auch als Betreiber der Neustädtischen Schützenhauses genügend Erfahrung auf gastronomischen Gebiet zu haben schien, übernahm bereits nach einem Jahr die Direktion. Nun hatte er neben  der Radrennbahn für ein großes Areal mit mehr Spiel als Sport und für gute Gastronomie zu sorgen, wovon er als Wirt eine Menge verstand. Es gab neben regelmäßigen Konzerten im Pavillon auch Ring- und Boxschaukämpfe. Ja selbst Hunderennen wurden als Attraktion zur Be- lustigung der Zuschauer veranstaltet.

Doch der Radsport entwickelte sich rasant weiter. Ringsum waren in größeren Städten auch Radrennbahnen vorhanden, mit denen diejenige in Brandenburg bald in Konkurrenz um die besten Fahrer stand: Berlin (Friedenau, Charlottenburg, Treptow), Halle/Saale, Leipzig, Magdeburg, Breslau, Dresden usw. Da bedurfte es bald eines speziellen Managements. Zwischenzeitlich scheint dann Carl Jurth wieder in die Leitung ein- gestiegen zu sein, denn am  22.5.1905 (Nr.119, BA.) wird gemeldet, dass die neue  Direktion  des Sportparks von Herrn Jurth auf die Herren Willy Lücke und Max Natho über- gegangen sei, welche eine größere  Zahl deutscher Rennbahnen in Pacht genommen haben. Bei  Willy Lücke, der ursprünglich wahrscheinlich aus Berlin stammte, denn es gab dort einen Bahnfahrer mit exakt dem gleichen Namen, der früher auch bei Rennen in Brandenburg gestartet war, handelte es sich um einen umtriebigen Geschäftsmann. Er hatte auch eine Zeit lang die Magdeburger Radrennbahn an der Berliner Chaussee gepachtet, was für 1913 belegt ist. In einer Geschäfts-Annonce von 1923 steht: Willy Lücke, Neustätischer Markt 15, Karbid, Benzin, Benzol-Großhandlung,. Lager von Karbid und Benzin in allen größeren Städten Deutschlands. Auch mit Kolonialwaren und Gemüse war als Großhändler tätig. Max Natho stammte aus Halle/Saale und verdiente wohl auch sein Geld mit der Bewirtschaftung von Bahnen und der Organisation von Berufsradrennen darauf. Im Jahre 1909 liest man als Veranstalter den Pächter Carl Arndt sen. in einer Annonce und 1913 annonciert Franz Deickert unter Direktion für die Bahn. Dieser ist wahrscheinlich mit dem ehemaligen Bahnfahrer Otto Deickert verwand (Bruder, Vater?). 1913 brach leider ein großer Brand auf dem Gelände aus, und der attraktive Pavillon sowie weitere Nebengebäude im Sportpark wurden ein Raub der Flammen. Viele Aktive hatten ihre Renn- bzw. Schrittmachermaschinen dort untergestellt, und nur einige Früh- informierte konnten diese retten. In der Periode bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges Ende des Sommers  1914 lagen die goldenen Jahre der Bahn. Für die Zeit des I. Weltkrieges war im BA. zu dieser Thematik nichts zu finden. Nach gut sechsjähriger Unterbrechung "erwachte" die Radrennbahn ab 1921 nochmals zu für kurze Zeit zu neuem Leben. Bis 1922 wurden eine ganze Reihe interessanter Rennen abgehalten. Als Leiter der Radrennbahn wird der Direktor Ceblin genannt. Viele organisatorische Dinge, wie Werbung für die Rennen und der Kartenvorverkauf wurden in diesen zwei Jahren offenbar von Hermann Gentz, einem Fahrradhändler, der sein Geschäft in der Steinstraße 40, betrieben. Das Interesse der Zuschauer hatte deutlich nachgelassen und der feuchte Untergrund gab weiter nach, sodass die Rennbahn peu á peu absackte. Schließlich waren reguläre Rennen nicht mehr möglich und die Bahn verkam. Ab 1923 gibt es keine Berichte mehr von organisierten Rennen auf dieser Bahn, welche bis zu ihrem endgültigen Abriss 1929 wohl massiv verfallen war. Dann wurden ab 1930 Kleingärten auf dem gesamten Areal des Sportparks errichtet, womit diese spannende Episode in der Stadtgeschichte endete. (Quelle: Brandenburger Anzeiger, Zeitungsartikel von Kurt Wilhelm).

                             Das betraf aber nicht den Bahnradsport in der Havelstadt. Hinter dem  Silokanal, nördlich von Brandenburg,  auf dem Gelände des Sportvereins Havel 08, dort wo sich heute nahe der Regattastrecke der Sportplatz des FC Borussia mit seinem Vereinshaus an der Massowburg 1 befindet, wurde bald eine Schlackenpiste errichtet, auf welcher die Pedalritter der Stadt  Brandenburg wieder ihre Kreise ziehen konnten. Damit konnte ein neues Kapitel Radsport der Stadt beginnen.

Rennen im Sportpark Brandenburg ab 1906

Die Tragödie von Treptow

 

Brandenburger Lokalmatador  - 

Gustav Schadebrodt

tödlich verunglückt

 

22jähriger Brandenburger erlag seinen schweren Verletzungen

 

Der hoffnungsvolle junge Mann war in den letzten drei Jahren zu einem geachteten und gefürchteten Gegner im Bahnradsport der Dauerfahrer hinter Motoren herangereift!

 

 

Gestern geschah das Unfassbare. Die Gefahr  fuhr immer mit!  Der sogenannte Steher-Radsport, bei dem hinter Motorführung die Radsportler im „Windschatten" der Führungsmotorräder über Distanzen von 10 bis 100 km auf den Zement-Bahnen enorme Geschwindigkeiten von 50 bis 60 km/h erreichen, fordert immer mehr Opfer. Trotz des erlassenen Zwanges, einen Schutzhelm  zu tragen, sind im laufenden Jahr (1908) schon 7 Spitzenfahrer tödlich verunglückt, darunter u.a. der Welt- meister von 1902  Alfred Görnemann aus Berlin.

          Ein Reifendefekt an der Schrittmachermaschine wurde dem nachfolgenden Schadebrodt zum Verhängnis. Während das Motorrad mit samt dem Fahrer in den Innenraum der Bahn raste, flog der Radfahrer durch die Luft und knallte mit voller Wucht auf die Betonbahn und wurde von dem nachfolgenden Gespann noch überrollt. An seinen schweren äußeren und inneren Verletzungen verstarb der junge Mann am 18.9.1908 im Krankenhaus Am Urban, wohin man ihn gebracht hatte einige Stunden später.

In Brandenburg löste diese Tragödie große Betroffenheit und Trauer unter den Freunden des aufblühenden Radsports aus. Eine große Trauergemeinde begleitete seinen Weg zum „Neuen altstädtischen Friedhof", wo er am 21. August 1908 seine letzte Ruhe fand.

 
 

Wer war nun dieser  Gustav Schadebrodt aus Brandenburg, dessen Leben in so jungen Jahren ein solch jähes, trauriges Ende fand?                                                                                      

Geboren wurde er 1886. Er hatte noch ein  Bruder, der den Namen Otto trug. Das Fahrradfahren und der  Radsport waren in seiner Heimatstadt zu jener Zeit in einem starken Aufschwung begriffen. Das Brennabor-Werk und mehrere kleinere Firmen und Werkstätten bauten und reparierten Fahrräder. Für Jungen zählte der Beruf des Fahrradschlossers zur damaligen Zeit wohl zu den Traumberufen. Kam man dabei auch manchmal mit den Assen in Kontakt, die in den verschiedenen erfolgreichen Spitzenvereinen der Stadt aktiv Radsport betrieben, wie z.B. beim B. R.-V von 1884, B. R.-V. „Vorwärts“ von 1887, B. Tourenradfahrer-V. von 1896 oder R.-V. „Brennabor“. So erlernte er nach Abschluss der Schule auch diesen Beruf. Bald hatte er sich auch ein Rennrad zusammen gebaut und fuhr zu allen Radsportveranstaltungen, welche die Vereine am Rande der Stadt und der näheren Umgebung austrugen. Da sah er einige Asse, die bei den Rennen meistens die Siegerkränze um- gehängt bekamen und dabei oft wertvollen Ehrenpreise „abräumten“. Er kannte die lange Reihe der Erfolg von den Spitzenfahrern wie: Fritz Lauenroth, Johannes Pundt, Max Grubert, Gustav Gräben, Reinhold Rößler, Otto Deickert oder  Paul Gericke all zu gut. Sie alle hatten viele, teils große Rennen gewonnen.                                   Das Fahren auf Radrennbahnen aus Zement war groß in Mode gekommen. Die Brandenburger Bahnfahrer mussten zunächst nach Magdeburg, Berlin oder Halle/Saale fahren, um auf solch einer Bahn trainieren und Rennen fahren zu können. Doch Carl Jurth, ein Brandenburg Architekt und Bauunternehmer, der auch aktiver Radsportler in seiner Jugend war, bereitete dieser Misere 1899 eine Ende. Er scharte ein Konsortium von solventen Geschäftsleuten der Stadt um sich und ließ im neu entstandenen Sportpark an der Plane in der Wilhelmsdorfer Landstraße eine 333m Zement-Radrennbahn einbauen. Das ergab einen starken Schub für den Radsport, insbesondere auf der Bahn in der Havelstadt. Der Jugendliche Gustav Schadebrodt gehörte zu den Stammgästen bei den regel-mäßig, oft international besetzten Radrennen im Sportpark, die von Frühling bis Herbst stattfanden. Da sah er nun seine Helden aus der Kindheit wie Gräben, Deickert oder neue Fahrer wie Franz Rulfs, Richard Kläre, Hans Köppen und  Julius Kaupert, wie sie als Lokalmatadore sich gegen starke Konkurrenz behaupteten und von bis zu 8000 Zuschauern frenetisch angefeuert und bei einem Sieg auf der obligatorischen Ehrenrunde begeistert lautstark gefeiert wurden. Sein Namensvetter, Gustav Gräben, der zweimaliger „Rund um Berlin“- Sieger und Vizeweltmeister von Wien 1898 im 100 Kilome-terfahren auf der Bahn in, war sein großes Vorbild. Er war Spitzenfahrer im Brandenburger–Tourenfahrer-Club 1896. Die Jugendlichen waren wissbegierig von den alten Hasen Tipps für das Training zu bekommen. G. Schadebrodt verbrachte jede freie Minute in der warmen Jahreszeit auf dem Rade. 1904 schloss er sich dem B.T.-V. von 1896 an und konnte sich mit den Könnern beim Training auf der Sportpark-Bahn messen. Die merkten bald, welches Talent da herangereift war und setzten ihn bald bei kleineren, größeren und großen Rennen ein. Einige dieser Ereignisse sind in Brandenburger Anzeiger (BA) doku- mentiert und sollen hier auszugsweise genannt werden.                                  (Original-Textpassagen kursiv)

Zunächst musste auch er das übliche „Lehrgeld zahlen“. Der (BA) Nr.119 am 22.5.1905 berichtete über ein…Berufsfahrer–Rennen im Sportpark. Gestern war das Wetter schlecht, aber bis heute gebessert, sodaß  4000 Zuschauer gekommen sind. Es regnet nicht,  jedoch der Wind ist heftig und kalt. Bei dem „Großen Preis“  im Dauerfahren hinter Motoren  über  2 Läufe (10 und 30 km) siegte der Afrikaneger  Bendredi vor  dem Deutschen Walter Ebert aus Leipzig und dem Franzosen Blau‘. Etwas eigenartig wirkten die Ledersturzhelme, welche die Dauerfahrer zu ihrem Schutze jetzt tragen müssen. Auch die Schrittmacher tragen diese Helme  und dazu gepolsterte Lederjacken. Das Hauptfahren über 2000m gewann A. Conrad-Hannover. Hier waren die Brandenburger R. Kläre im Vorlauf und G. Schadebrodt wegen Radschadens ausgeschieden. (BA) Nr.136 am 13.6.1905: Am Pfingstmontag wieder internationales Profi-Rennen im Sportpark vor 2500 Besuchern. Brandenburger Hauptfahren mit 2 Vorläufen. Geldpreise: 25, 15, 8 Mark für Platz 1-3. Über 5000 m der Endlauf: 1. Richard Kläre-Brandenburg in 10:53 Min., 2. Franz Rulfs-Brandenburg, 3. Albert Hitz, nicht platziert Schadebrodt. Dauerrennen 2 Läufe über 10 u. 30 km: 1. Rottnick-Berlin, 2. Rulfs-Brandenburg, 3. Müller-Magdeburg.

Im (BA) vom 16.9.1907  wurde über das gestrige Radrennen im Sportpark berichtet….Trotz des schon empfindlich kühlen Wetters war eine große Menschenmenge in den Sportpark geströmt. Es gab wieder schöne heiße Kämpfe, die nur durch drei leichte Stürze getrübt waren. Hauptattraktion war das Dauerrennen um den  „Brandenburger Gold-Pokal“. Zwei Läufe über je 30 Min. wurden absolviert. Der Lokalmatador, Gustav Schadebrodt, kam im zweiten Lauf durch Motorschaden leider ins Hinter-treffen. Dadurch war der Sieg für Hellmann aus Kopenhagen   frei, der den Goldpokal mit 367 Meter Vorsprung gewann. Ein Haufen junger Leute bedrängte nach Schluss des Rennens die Richter-tribüne und wollte, dass der Pokal Schadebrodt  zugesprochen werden sollte.

Bei den Einzelrennen lautete das                                                                          Ergebnis: 

Flieger(2000m): 1. Hellemann, 2. Kiehne/Magdeburg, 3. Dornburg/Brandenburg

„Roland-Preis", Dauerrennen hinter kleinen Motoren über 30 Min. 1. Rottnick/ Berlin mit 25 km, 2. Kiehne 24 km, 3. Kaupert /Brandenburg mit 23,8 km.

Der (BA) Nr.116, am 18.5.1908 schreibt über die ersten Radrennen im Sportpark in der neuen Saison…..Trotz des sehr regnerischen Wetters kamen viele Zuschauer auf die Radrennbahn im Sportpark. Der Magnet war natürlich das Aufeinandertreffen des Münchner Fritz Hitzler auf den Brandenburger Lokal-matadoren Gustav Schadebrodt im Dauerrennen hinter Motorschrittmacher.

Ergebnisse:

Eröffnungspreis 20 km Dauerfahren: 1. Schadebrodt in 14:40 Min. vor George’- Paris 250 m zurück

Frühjahrspreis von Brandenburg über 40 km = 120 Runden hinter großen Maschinen:

Schadebrodt und Hitzler stürzten, fuhren aber weiter. In der 88. Rd. fiel Schadebrodts Schrittmacher aus. Er fuhr dann ohne weiter. So siegte Hitzler in 58:20 Min. vor George‘ 1 Rd. zurück und Schadebrodt 13 Rd. zurück.

Fliegerrennen (1000 m, 4 Vorläufe, 1 Hoffnungslauf, 3 Preise von 80, 50, 30 Mark) 1. Nowack/Berlin in 1:35.3/5 Min.,

Vorgabefahren über 2000 m: Am Start 10 Fahrer: Sieger Rabe/Berlin in 3 Min. vor Rudel/Berlin)

(BA) Nr.139 bringt am 16.6.1908 eine Auswärtsmeldung:… Sport* Frankfurt a. Oder 14. Juni: Der „Große Preis von Frankfurt a. Oder“, welcher in Gestalt von Dauerrennen über 10, 15 und 25 km zum Austrag gelangte, sah den Brandenburger  G. Schadebrodt in allen drei Läufen als Sieger.                                      Am 3.8.1908 berichtet der (BA) unter Lokales über …die Radrennen im Sportpark, wo die Meisterschaft von Brandenburg, ein Straßen-Motor-Rennen, der Preis von Rathenow und ein internationales Stundenrennen - Dauerrennen zwischen Miller/Zürich – Schadebrodt und Steffen/Berlin ausgetragen werden sollten. Das letzte (Hauptrennen) musste zum Unmut der Zuschauer aber wegen des starken Regenwetters  nach 7 km, als Schadebrodt in Führung lag, ab- gebrochen werden. Es wurde aber vom Kampfgericht versprochen, dass Rennen am nächsten Tage, bei Gültigkeit der erworbenen Eintritts- karten, nachzuholen. Am 4.8.1908 wurde das Rennen tatsächlich wiederholt. Nach heftigem Kampfe gelang dem Berliner Steffen der Sieg vor Schadebrodt und Miller. Der Brandenburger hatte allerdings Kettenschaden und verlor beim Wechsel seiner Maschine viel Zeit. Seine zahlreichen Anhänger (Fans würde man heute sagen), riefen aber Schiebung, Schiebung und forderten den Sieg für Schadebrodt.                                                                                                             (BA) Nr.198 am 24.8.1908 vermeldete zu….Radrennen im „Sportpark“:  Das Hauptereignis der Radsaison, der „Große Preis von Brandenburg“, gelangte am gestrigen Sonntag zum Austrag. Der Wettergott war gnädig - alle Rennen konnten trocken unter Dach und Fach gebracht werden. Die Haupt-attraktion, das 50 km Dauerrennen, brachte viele Zuschauer auf die Rennbahn. Sieger wurde der Lokalmatador, Gustav Schadebrodt. Unter hellem Jubel der begeisterten Zuschauer fuhr er seine Ehrenrunde. Erlegte die 50 km lange Strecke in 53 Min. 2/5 Sek. zurück. Den bisherigen Rekord hielt der Neger Bendredi mit 55:58 Min.                                                                                      Im (BA) Nr.216 am 14.9.1908  beginnt der Bericht  über Radrennen im Sportpark etwas philosophisch  mit…..Jupiter Pluvius (Anm. Der Regnende) war gestern wieder ungezogen. Kurz vor dem Rennen ging ein Platzregen nieder. Der aus vollen Backen blasende Wind machte die nasse Bahn aber bald wieder trocken. Trotz kalter, unfreundlicher Witterung umsäumte eine große Menschen-masse das „Zement“. Zur Austragung kamen die Rennen um den „Großen Preis des Handels und der Industrie“. So gab es neben den Bar- Preisen gestiftete  wertvolle Ehrenpreise. In den Dauerrennen spielte G. Schadebrodt, Sieger des Großen Preises 1908,  die erste Rolle und gewann mit großer Bravour alle Preise. Adam Bäumler mußte sich nach starkem Kampf  geschlagen geben. Der Däne Hellmann, Sieger des Goldpokals im Vorjahr, hatte keine gute Form und fuhr eher spazieren.

Ergebnisse:

  1. Ausscheidungsfahren 2000 m „Brandenburgia-Preis“ (50 – 10 Mark) die letzten 3 einer jeder Rd. scheiden aus:  Vogt 3:03 Min., vor Fritz Hoffmann-Berlin, 14 Fahrer ausgeschieden)
  2. Vorgabefahren 2000 m (Preise 40 – 5 Mark) 2 Vorläufe, 1 Endlauf: 1. Hoffmann  2:45 Min
  3. Prämienfahren 2000 m (5 Mark pro Runde, letzte Runde 20, 10, 5 Mark) 24 Fahrer am Start: 1. Bruns 2:53 Min., 2. Vogt, 3. Rottnik
  4. Gustav-Gräben-Preis Dauerrennen über 10 km (Preise 150, 100, 50 Mark):1. G. Schadebrodt  11:55 Min., 2. A. Bäumler  2 7/4 Rd. zurück, 3.C. B. Hellmann 5    Rd. zurück  Schadebrodt ging mit der Spitze ab und gewann leicht.                                                        
  5.  Excelsior-Preis über 20 km (Preise 200, 150, 100 Mark): 1.Schadebrodt  in 21:47 Min.,  2. Hellmann 26 Rd. zurück, Bäumler aufgegeben

 VI.  Brandenburger Industrie-Preis über 30 km (Preise 350, 250, 150 Mark)

1. Schadebrodt  32:42.2 Min., 2. Bäumler 5 Rd. zurück, 3.Hellmann-Dänemark      22 Rd. zur.

 

(BA) Nr.228 am 28.9.1908 berichtet von einem großen …..Zweikampf  im Sportpark zwischen Schadebrodt – Dubaschny, zu dem der Letztere herausgefordert hatte, konnte gestern nicht zur Entscheidung gelangen, da der Deutsch-Russe einen großen Motorschaden hatte. Schadebrodt fuhr daher Rekord-zeiten und zwar über eine Stunde in zwei Läufen je ½ Std. Sein schnelles Tempo ließ eine Ver-besserung der besten Brandenburger Zeiten erwarten. Man hatte sich auch nicht getäuscht. Der Lokalmatador legte 57,400 km (28,400 und 29,000 km) zurück und schlug damit den alten Stundenrekord von 54,120 km.

Am Montag, 19.8.1908 berichtete der (BA) Nr.246 von einem Massensturz tags zuvor auf der Radrennbahn beim Sonntagsrennen: ….. Die Rennen war be- gleitet von schlechtem Wetter, weshalb nur 400 Besucher diesem Ereignis beiwohnen wollten.  Das geplante 100 km-Rennen  in 2 Läufe  zu je 50 km wurde auf 60 km verkürzt. Im zweiten Lauf kam es dann leider auch noch zu einem Massensturz, der jedoch zum Glück glimpflich ausging. Der Münchner  Hitzler gewann vor Schelling und Arndt. Dann wurde das Rennen abgeläutet.                   Wohl niemand  ahnte beim Lesen dieser Zeilen in der Mon- tagsausgabe, was dem eigentlichen Brandenburger Lokalmatador, Schadebrodt, der zur gleichen Zeit in Berlin auf der Treptower Bahn um den Sieg kämpfte, für ein Schicksal ereilt hatte. In Nr. 247 am Dienstag, dem 20.10.1908 erfuhren die Rad-sportanhänger aus Brandenburg die furchtbare Nachricht in Form einer Todesanzeige auf Seite 3, auf  S.5 folgte ein Nachruf auf  G. Schadebrodt. In Nr. 248 am Mittwoch, 21.1908 las man den Bericht über Beerdigung. In Nr. 250  stand die Danksagung der Familie.                          

              Die große Radsportanhängerschaft in der Havelstadt war so froh, dass nach dem Abschied des großen Gustav Gräben wieder ein Dauerfahrer nachgewachsen war, welcher der nati-onalen und internationalen Konkurrenz die Stirn bieten konnte. Dabei war der 22jährige doch erst am Anfang seiner so hoffnungsvollen Laufbahn, die durchaus mit dem Weltmeister-Titel hätte enden kön-nen. Noch nach Jahrzehnten hatte man seinen Namen in den Brandenburger Radsportkreisen nicht vergessen, welche auch tätige Hilfe für die Hinter-bliebenen organisiert hatten. Über einen solchen Akt der Solidarität wird im (BA) Nr.54 am 5.3.1910 folgendes  berichtet…  Morgen findet die Fernfahrt Berlin-Brandenburg mit Ziel Radrennbahn im Sportpark statt, wo noch 50 Runden zu fahren sind. Der Einnahme-Überschuß soll der Witwe Schadebrodt in der Bäcker Str. 19, Mutter des 1908 in  Treptow tödlich verunglückten Fahrers,  G. Schadebrodt, ausgezahlt werden. Man hoffe wegen des wohltätigen Zweckes der Veranstaltung auf viele (zahlende)  Zuschauer. Es werden sich bis zu 30 bekannte Fahrer an diesem Rennen beteiligen,  u.a. der Weltrekordmann, Franz Hauptmann, einer der besten deutschen Radrennfahrer jener Jahre.

Noch 32 Jahre später ehrten Brandenburger Radsportler ihren unvergessenen Gustav. Im (BA) Nr.164 am 15.7.1940 stand die Ausschreibung, die nochmals in Nr.168 am 19.7. wiederholt wurde. -- Zur Erinnerung an den am 18. Okt. 1908 in Berlin Treptow tödlich gestürzten bekannten und besten Brandenburger Dauerfahrer, Gustav Schadebrodt,  führt SV Havel 08 am 21. Juli eine Rad-sportveranstaltung durch. Erstmals fahren Buck/Köpp als reine Brandenburger Mannschaft. Gustavs Bruder, Otto Schadebrodt, der selbst aktiv Radsport betrieben hatte und später als Schrittmacher fuhr, gibt den Startschuß. (BA) Nr.170 am 22.7.1940…… Im „Gustav Schadebrodt-Gedenkrennen“ gab es viele spannende Momente und sportliche Höhepunkte. E. Schulz/Kussel (Iduna Schöneberg Berlin) waren am Ende die Sieger. Das Rennen wurde flott und einwandfrei abgewickelt. Stärkster Fahrer war E. Schulz (Iduna Schöneberg) mit zwei ersten und einem zweiten Platz. Am Anfang jedoch fuhren alle Teilnehmer eine Ehrenrunde zum Gedanken an Gustav Schadebrodt, wozu sein Bruder Otto den Startschuß gab.

 

Mit dem Ende des Sportparks 1929 endet auch eine große internationale Radsport-Ära in Bran- enburg

Doch der Radsport kam nicht völlig zum Erliegen, weil eine Reihe von ehemals Aktiven sich weiter in der Vereinsarbeit engagierten.

Letzter Hinweis auf den Sportpark Brandenburg. Ein Eingangstor von der 1930 gegründeten Gartensparte trägt noch den geschichtsträchtigen Namen

Schon vor dem 1. Welt krieg wurde der attraktive Pavil- lon im Sportpark ein Raub der Flammen. Radrennen wurde noch in den 20er Jahre  veranstaltet. Durch die nahen Flüsse Havel und Plane war  der Untergrund sehr feucht, sodass die Rennbahn nach und nach ab- sackte. Rennen waren dann nicht mehr möglich.

Hinter dem Silokanal, nörd- lich von Brandenburg,  auf dem Gelände des Sport-vereins Havel 08, dort wo sich heute der Lok- Sportplatz befindet, wurde inzwischen eine Schlacken- piste errichtet, auf welcher die Pedalritter der Stadt Brandenburg ihre Kreise ziehen konnten. Vom ein- stigen Sportpark ist heute nicht mehr viel zu sehen. Auf ihm befinden sich zum größten Teil Kleingärten. Den kleinen Hafen nutzt ein Seglerverein für seine Boote.

 

 

Die Schlacken-Bahn wurde bis 1951 befahren und dann vom Beton-Oval auf dem Werner-Seelenbinder-Sportplatz an der Brielower Straße abgelöst. Viele Jahre wurden auch dort ausgezeichnet besetzte und spannende Rennen aus- getragen bis Ende der 50er Jahre. Die letzten Lokalmatadore hießen Erwin Rüdiger  und Erich Peter. Parallel zum danach einsetzenden spitzensportlichen Niedergang des Bahnradsports in Brandenburg setzte auch der Verfall dieser Bahn ein. Sie wurde zunächst teilweise und schließlich 1984 ganz abgetragen (nach Kurt Wilhelm).

In der DDR wurde der Leistungssport  seit Mitte der 50ger Jahre in Sportclubs konzentriert, die sich für den Radsport der Region Brandenburg in Berlin und später Leipzig bzw. Frankfurt/Oder befanden!

Eine große Freifläche neben dem Fußballfeld vom BSC 05  lässt noch die Lage der Bahn erahnen.

Wenn man vom Stadtteil Nord kommend einen Blick auf das Gelände wirft, passiert man einen sonst schmucklosen Bau  einer Trafo-Station. Ein Graf- fitikünstler hat an allen vier Seiten wunderschöne Szenen gesprüht, die an die kurzen, goldenen Zeiten dieser Radrennbahn erinnern. Bei etwas Phantasie hört man noch das Knattern der Schrittmachermaschinen und die Anfeuerungsrufe aus tausenden Kehlen des Publikums: E.......rwin,  E......rich“. (Quellen: Brandenburger Anzeiger ab 1880, Kreschel/Mertink, Brennabor-Werke, eine Bild- dokumentation 1995,  Bauer, Grasow u. Kohnke, in „Die Reihe Archivbilder Brandenburg an der Havel 2

Entwicklung des Straßenradsports in Branden- burg a. d. Havel

Beispiele für Radsportgeräte der damaligen Zeit. Zunächst kamen ab 1868 das Hochrad und Tretkurbelrad zum Einsatz. Später ab 1887 wurde zunehmend und bald ausschließlich das Niederrad gefahren.

Von den Anfängen

Die Phase von 1883 bis 1899:  Zunächst ein kurze Vorbe- merkung zu den damaligen Regularien des Radsport- betriebs.

Der Brandenburger Stadt-anzeiger (BA)"  berichtete unter der Rubrik „Lokales" und gelegentlich unter „Aus unseren und den benach- barten Kreisen“ gewöhnlich  in der Montagsausgabe über die sportlichen Akti- vitäten der Region Branden- burg und Westhavelland. Später wird durch Moderni- sierung des Erscheinungs- bildes eine Seite mit „Tur- nen, Sport und Spiel“ mittwochs eingefügt. Die gestartete  Radsportler wurden in den Ergebnismeldungen alle sehr förmlich mit "Herr"  genannt.

Bei den Straßenrennen waren die „Startfelder"  zunächst meistens sehr klein mit 5-9, seltener 10 – 20 Fahrer. Man unterschied nach „Club-" und „Gästerennen". Wegen der geringen Zahl der Teilnehmer hatte ein Rennen nur ein Gesamtergebnis. Deshalb gab es häufig Wettbewerbe mit einem Vorgabemodus (Vg.): Ein oder mehre Fahrer starteten „vom Mal", das heißt als Letzte, andere bekamen einen zeitlichen Vorsprung von mehreren Sekunden oder Minuten, manchmal auch in Metern eingeräumt. Der Grund dafür waren die Altersunterschiede (Altersfahrer/ Jugendfahrer Af./Jf.), die bekannte Leistungs- stärke der Einzelnen (A-, B-, C-Fahrer) oder später auch das Material der Laufräder (Draht-, Wulst- oder Schlauchreifen, Df.,Wf.,Sf.). Bei einer Strecke von  z.B. 120 km konnte die Vorgabe  gestaffelt manchmal bis zu 16 Min. betragen. Das erhöhte den Ge- rechtigkeitssinn durch die angestrebte Chancengleichheit und den Anreiz für potentielle Teilnehmer, an solchen „Wettfahrten“ teilzunehmen. Prämiert wurden dann in der Reihenfolge des Einlaufs am Zielstrich und häufig der Fahrer mit der absolut besten Fahrzeit als "Zeitschnellster". Die "Preisvertheilung", so nannte man die Siegerehrung, wurde regelmäßig als kleines Fest in einem „guten Etablissement" mit gemeinsamen Essen und nicht selten mit anschließendem Tanz(kränzchen) veranstaltet. Auch der Ausdruck „Commers“ fiel gelegentlich. Die „Damen" der Fahrer wurden also von vorn herein in das Vereinsleben einbezogen, was natürlich die Toleranz diesem „neumo-dischen" Treiben gegenüber sehr förderlich war. Alsbald kam es dann bei den größeren gutbürgerlichen Vereinen zu opulenten Stiftungs-und/oder Winterfesten, bei denen man sich augenscheinlich gegenseitig übertreffen wollte. Diese  herausragenden „Events" fanden  weiter oben  schon  eine ausführliche Erwähnung. Der Brandenburger Anzeiger (BA) dient im gesamten nachfolgenden Text als Haupt-Quelle. Um die Originalzitate sichtbar zu machen wurde der Text kursiv geschrieben und die damalig Recht- schreibweise   belassen.

 

 

 

Die ersten straßenradsportlichen Wettkämpfe

Erste Berichte von Straßenradrennen in un- serer Stadt fand ich bis- her in der Nr. 213. Am 10. 9. 1888 wurde ge- schrieben: Unter lebhaf- ter Betheiligung befreun- deter Radfahrer, Bran- denburger, Genthiner, sowie Freunden des Radfahrsports fand ges- tern Nachmittag das Chaussee-Wettfahren deshiesigen Rad- fahrer-Vereins „Vorwärts" auf der Strecke Plaue-Genthin statt. Es wurden 3 Fahrten veranstaltet:

Ein  Zweiradfahren mit Vorgabe mit  8 Startern  über 15 km (2 Meilen) mit Wendepunkt, welches  Willy Stern (4 min. Vg.) in 39 Min., 55 Sec. vor seinem Bruder  Oscar gewann, der vom Mal starte. (Ein) Herr Müller (2 Min. Vg.) stürzte leider kurz vor dem Ziel, derselbe hätte sonst voraussichtlich den 1. Preis erhalten. Danach folgte ein Sicherheitsmaschinen-Rennen  mit  über 15 km (2 Meilen) mit Wendepunkt, welches Herr Köhler (2 Min. Vg.) in 38 Min., 34 ec. Gewann. Letztlich kam beim Dreiradradfahren über 5 km mit Wendepunkt Herr Müller in 13 Min. doch noch zu seinem 1. Preis, wie der Sieg damals genannt wurde. Bei den letzten beiden Rennen waren jeweils 4 Teilnehmer gestartet.

Bei allen Rennen war vom Wendepunkt zurück mit sehr starkem Gegenwind zu kämpfen.

 

Die Zeit des Hochradfahrens war durch den technischen Fortschritt auch in Brandenburg abgelaufen. In Nr.161 meldete man am 14. Juli.1891

Das Gäste-Rennen des Radfahrer-Vereins „Vorwärts“ bei Plaue verlief trotz strömenden Regens programmmäßig.  Sie  gestalteten  sich interessant, denn die Niederräder mit Hohlgummi (*reifen) erwiesen sich als gefährliche Gegner, und es konnte sich der vorzügliche Hochradfahrer Fischer nur mit einer Radlänge an der Spitze behaupten. Fünf Rennen wurden ausgetragen mit jeweils 3 Startern:

 

Vorgaberennen für Hochrad, 5000 m mit Wendepunkt: 1. Fischer-Potsdam (vom Mal)  11:48 Min. Vorgaberennen für Niederrad:                     1. Prüfer (100m Vorgabe)          11:46 Min.

Langsamfahren für Hochrad 100 m:                    1. L. Hintze                               2:25 Min.

Langsamfahren für Niederrad:                             1. Prüferi                                   3:40 Min.

Hauptfahren, 7500 m ohne Wendepunkt:            1. Fischer (Hochrad) in            16:35 Min.

Die Preisverleihung im Voigt`schen Lokale in Plaue und der anschließende Tanz hielt die Teilnehmer und Gäste noch lange zusammen.

Die einzelnen Disziplinen muten heutzutage natürlich etwas abenteuerlich an.

 

In Nr.177 am 1. August 1892 wird  berichtet über Stafetten-Fahrt von Berlin nach Köln. Organi-siert vom Deutschen Radfahrerbund erfolgte der Start  um 12 Uhr am Brandenburger Thor. Für die Tour Berlin – Brandenburg starteten zehn der besten Fahrer (2 Herren außer Concurrenz). Die Stafetten -Fahrer erhielten eine Binde mit der Aufschrift: Im Auftrage der Militärbehörde. Jeder Fahrer erhielt von einem Major Brix  der Militär-Turnanstalt eine Depesche. Die Losung wurde ausgegeben: “All Heil unserem Kaiser“.

Hier in Brandenburg vor dem „Hotel zum Adler“ hatten sich viele Mitglieder der Radfahrervereine eingefunden.

Als Preisrichter fungierten die Herren Gärtner und Ehler aus Berlin. Die Berliner trafen nach folgender Fahrzeit ein:

  1. Pundt in 2 Std. 48 Min. 45 Sec., vor Mündner 2:48.45 und Köcher 3:04.37 Std.
  2. In Brandenburg warteten  u.a. die Herren Grubert, Maaß und Voigt. E. Voigt war von ihnen um 6.48 Uhr der Erste in Magdeburg. Alle fuhren auf Brennabor-Rädern.

Johannes Pundt hat sich offenbar dabei in die Stadt Brandenburg „verliebt“, und so zog der junge Kaufmann danach bald in die Havelstadt und schloss sich dem Brandenburger Radfahrer-Verein an, der sich ab 1894 „von 1884“ nannte.

 

In Nr.142  am 20. 6. 1893 wird über die Distanz-Wettfahrt Magdeburg-Steglitz berichtet.

Schnellster Fahrer war Siebert-Berlin in 5 Std. 4 Min. ohne seine Maschine zu verlassen und ohne Ruhepause mit einem Tempo von 2 Min. 10 Sec. pro Kilometer. Lauenroth  aus Brandenburg/Havel fuhr die Strecke noch schneller, allerdings  außer Concurrenz,  in der besten Zeit von 5 Std. und 2 Min., also 2 Min. besser als Sieber.

Beste Mannschaft „Sport“ Berlin /Semmler, Fischer, Gebr. Mündner, Noack, Behrendt), ihre Durchschnittsgeschwindigkeit 5 Std. 33 Min., 2. „Argo“ Berlin 5:43 Std., 3. Magdeburger „Velociped-Club“ 1869 6:32 Std.

 

Nr.171 24.7.1893

Der Brandenburger Radfahrer-Verein von 1884 veranstaltete gestern eine Club-Dauerfahrt über 85 km von Brandenburg über Rathenow-Genthin-Plaue  bis zur Kürassier-Kaserne (heute Haupt- gebäude der THB) in Brandenburg. 10 Mitglieder des Vereins hatten gemeldet und starteten auch am altstädtischen  Schützenhaus um 6 Uhr. Trotz heftigen Gegenwindes wurden vorzügliche Zeiten gefahren.

Als Erster erreichte das Ziel

Joh. Pundt nach (3:04 Std.) vor  Max Grubert in (3:07 Std.) und Carl Voigt, der 25 Min. länger benötigt, dicht darauf Carl Jurth. Paul Tiede  und G. Hampe gebrauchten für die 85 km  (3:47.25 Std.). Den Schluss machten Paul Behrens und Hans Wegener.

Georg Schive  und Ugo Billa mussten das Rennen wegen Verletzung der Pneumatikreifen aufgeben. Der B. R.-V. hat bei diesem Rennen den Beweis geliefert, dass er nicht nur beim Saalfahren und Corso, sondern auch beim Dauerfahren Hervorragendes leisten kann.

Carl Jurth hat als Architekt und Bauunternehmer maßgeblich an der Errichtung des Sportparks mit moderner Zement-Radrennbahn in Brandenburg 1899 mitgewirkt.

 

In Nr.184 am 8.8.1893 wurde ein direkter Leistungsvergleich zwischen den beiden führenden Vereinen der Stadt gezogen, da die Rennen auf gleicher Strecke stattfanden.

Wie vor 14 Tagen der hiesige R.-V. von 1884, so hielt am letzten Sonntag der Brandenburger R.-V. „Vorwärts“ eine Club-Dauerfahrt über die gleiche Stre>:

Sieger Gustav Gräben 2:58.45 Std., 2. Oskar Stern  2:58.46 Std., 3.Ernst Scheller 3:06.13 Std. Es folgten  F. Lücke, Ernst Lobvogel, Felix Oppenheim, Ernst Grube im Abstand von mehreren Mi- nuten bis  schließlich O. Wipper nach 3:42.30 Std. eintraf. R. Conrad  hatte Maschinen-Defect.

Die Siegerzeit des Ersten vor 14 Tagen wurde um 5. Min 15 Sec. geschlagen. Bei den Folgenden werden die Differenzen bedeutend größer. Der B.R.V. „Vorwärts“ hat also gezeigt, dass auch er sich nicht nur beim Saalfahren und Corso, sondern auch beim Dauerfahren in der Reihe der hervorragen- den Vereine stellen darf.                                                                                                      Bei Johann „Hannes“ Pundt und Gustav Gräben handelt es sich ja um die beiden oben bereits vorge- stellten „Meisterfahrer“ dieser Jahre.

 

Nr.214 am 12.9.1893  liest man, dass am Sonntagnachmittag 3 Uhr  bei Bensdorf die internen Club-Rennen des „Brandenburger Radfahrer-Vereins von 1884 “ stattfanden.  Durch eine neue Bestimmung des „Deutschen Radfahrer-Bundes“, welchem obiger Verein angehört, war derselbe gezwungen, die Meisterschafts-Rennen fallen zu lassen. In den 5 Rennen  gab es jeweils 3 Ehrenpreise. Sie verliefen sehr interessant und ergaben folgende Resultate.

Niederrad-Fahren 1000 m:   1. Herr Max Grubert vor den Herren  C. Voigt und Joh. Wegener

Niederrad-Vorgabefahren:   1. Herr Max Grubert vor G. Hampe und  Joh. Wegener

Hochrad-Vorgabefahren:     1. Herr Paul Luger vor Carl Voigt

Junioren-Fahren   5000 m:  1.  Herr Ugo Luigi Billa vor  Herrn Paul Behrens

Hauptfahren um den Damenpreis 5000 m: 1. Herr Max Gruber vor den Herren C. Voigt und Joh. Wegener

Der Favorit, Herr Max Gruber, welcher schon bei der Club-Distanzfahrt als Zweiter hinter Joh. Pundt, dem langjährigen Meisterfahrer Deutschlands, einlief, übertraf alle Erwartungen. Er siegte in jedem Rennen, in dem er gestartet war, sicher und war seinen Concurrenten weitaus über- legen. Abends fand im „Stadtpark“ noch ein  Festessen mit Preisverthei- lung und  Ball statt, welcher die Theilnehmer nach lange beisammen hielt

In Nr.164 am 16.7. 1894 berichtete man von einer beinahe „Live-Über- tragung" des Rennens. Der Radfahrer-Verein „Vorwärts" veranstaltete gestern sein diesjähriges Rennen über große Entfernung. Gewählt war, wie im vorigen Jahre, die Strecke Brandenburg-Rathenow-Genthin-Branden- burg.

Ergebnisse der Herren:                     

1.Gräben 2:49.28 Std., 2. Kaußmann 3:15.42 Std., 3. Scheller 3:19.36 Std. Im Minutenabstand folgten Deickert, Kinast, Lobvogel. Herr Glieh hatte Maschinenschaden und kam mit 50 Min. Verspätung.

Auf Ahlerts Berg erfolgte darauf die Preisvertheilung zu welcher außer den vom Verein gegebenen Preisen  auch Herr Schmidt (Corona-Fahrrad-Fabrik) für die drei zuerst auf von ihm gelieferten Maschinen ankommenden Fahrern werth- volle Preise gewidmet hatte. Dieselben wurden von den Herren Gräben, Kaußmann und Deickert erworben. In froher Stimmung über die schönen sportlichen Leistungen blieb der Verein noch lange zusammen.

 

In Nr.188  am 13.8.1894 wird über die sportlichen Aktivitäten eines weiteren Vereins berichtet. Gestern  fand das diesjährige Rennen des Radfahrer-Vereins „Brennabor“:  Auf der Strecke Brandenburg-Rathenow-Genthin Brandenburg statt. Fünf Fahrer stellten sich trotz des schlechten Wetters dem Starter  punkt 5 Uhr am altstädtischen  Schützenhaus. Die gezeigten Leistungen sind hoch anzuerkennen bei dem starken Wind und den aufgeweichten Wegstrecken.

Ergebnisse:                                                     

Erster Herr  Elberling  2:58 Std., 2. Herr  Siebach 3:17 Std., 3. Herr Bärndt  3:25 Std. Die Herren Golsch, Kinast und Schneider kamen zwischen 10 und 40 Min.  danach ins Ziel.

           

In Nr.206 (BA) am 3.9.1894 erscheint ein Bericht über das 100 Kilometer-Wettfahren des „Brandenburger Radfahrer-Verein von 1884“, welches am Sonntag, dem 26.8., vom schönsten Wetter begünstigt stattfand, bringt die Zeitung  „Deutsche Radfahrsport“ folgenden Bericht:

Es starteten 5 Herren, die auch sämtlich das Rennen bis zum Schlusse ausfuhren. In Anbetracht des wochenlang andauernden Regenwetters, das den Fahrern nur wenig Gelegenheit zum Üben bot, sind die erzielten Ergebnisse wirklich großartig zu nennen. Am Wendepunkt kamen sämtliche Fahrer in kurzen Zwischenräumen an und wurden die 50 km nur wenig über den bestehenden Record gefahren, indem Herr Pundt diese Strecke in 1:35 Std., Herr Grubert in 1:40 ½, Herr Hampe in 1:40:40, Herr Gollert in 1:45 1/5, Herr Jurth in 1:48 4/5 durchfuhren. In derselben Reihenfolge gingen die Renner auch durchs Ziel und zwar wurden die 100 km gefahren von  den Herren:

Pundt  3:30.00 , Grubert  3:17.17 , Hampe 3:42.32 , Gollert 4:01.22, Jurth 4:09.50  Std.

Herr Pundt hatte unterwegs noch Unfall mit der Maschine, sonst hätte er  den 100 km- Record erreicht. Am Ziel wurden die Renner von den zahlreich erschienenen  Zuschauern stürmisch begrüßt. Am Abend fand in den Räumen des Stadtparks ein gemütliches Bei- sammensein zu Ehren der Renner statt, und es wurden hier nach gehaltenen Ansprachen die werthvollen Preise ausgehändigt.

 

Nr.218 (BA) am 17.9.1894

Am Sonntag hielt der Brandenburger Radfahrer-Verein von 1884  auf der Chaussee Bensdorf-Genthin sein diesjähriges Clubrennen über kurze Strecken ab, das bei präch- tigem Wetter und unter reger Beteiligung der Vereinsmitglieder  und anderer Sportsfreunde stattfand und ohne Unfall verlief. Hervorragendes leistete Herr Max Grubert, der in bei- den Hauptfahren spielend Sieger blieb und im Vorgabefahren die durchweg sehr hoch be- messenen Vorgaben bis auf einen  hatte.

Für das Erstfahren über 1000 m hatten die Damen des Vereins einen wertvollen 1. Preis gestiftet.

1. Herr Max Grubert 1:51 2/5,  2. Herr Hugo Villa 1:51 2/5,  3. Herr Hampe 1:53.00 Std.

 

Das Vorgabefahren über 5000 m mit Wendepunkt war sehr interessant, den schwächeren Fahrern wurden ganz bedeutende Vorgaben zuerkannt, sodass es fast unmöglich schien, dieselben einzuholen. Herr Zerning, der die höchstmögliche Vorgabe von 120 Sec. er- halten hatten, fuhr recht brav und erreichte als Erster das Ziel (10:30 Min.) nur 10 Sec. später folgte der „Malmann“, Herr Grubert, der die Strecke in nur 8:40 Min. durchfuhr, 3. wurde Herr Jurth mit einem Abstand von 15 Sec. (Vorgabe 70 Sec.) mit der Fahrzeit 10:05 Min.    

Beim Landsturmfahren für Fahrer über 35 Jahre hatte Herr Jänicke als Hochradfahrer 125 Sec. Vorgabe für die Strecke von 5000 m mit Wendepunkt erhalten. Von den beiden Malfahrern auf Niederrad hatte Herr Sander die Vorgabe noch kurz vor dem Ziel und ging als Erster in 10:39 Min. über das Band. 2. Wurde Herr Jänicke 13:03 Min.

Das Hauptfahren über 5000 m ohne Wendepunkt war das letzte Rennen. Herr Grubert als Sieger durchfuhr die Strecke in der hervorragenden Zeit von 8:25 Min. Zweiter wurde Hugo Billa 8:53 Min., vor Hampe 8:56 Min. und H. Gollert dicht auf.

Am Abend war die Preisvertheilung im Stadtpark, verbunden mit gemeinsamen Essen und Kränzchen, welches wohl an 100 Personen vereinigte. Allgemeine Anerkennung fanden die schönen Ehrenpreise, welche zum Theil vom Verein beschafft waren, zum Theil Stiftungen einzelner  Vereinsmitglieder waren. Außer den Rennpreisen kamen noch 6 Preise für die Betheiligung an den Clubfahrten im Sommer 1894 zur Vertheilung.

 

Nr.157 (BA) am 8.7.1895

Bei dem gestrigen 50 Kilometer- Chausseerennen des Brandenburger Radfahrer-Verein ging als Erster durch das Ziel Herr Bassow  nach 1:52.7 Std. Zweiter wurde Herr Grubert (vom Mal) in 1:48.50 an. Dritter wurde Herr Gollert (4 Min. Vg.) in 1:53.44 3/5, Vierter wurde Hampe (1 ½ Min. Vg.) in 1:59.5 2/5, Fünfter Wegener (5 ½ Min. Vg.) in 2:08.43 Std., Sechster Billa (3 Min. Vg.) in 2:14.50 Std.

Schrittmacher waren nicht gestattet, weshalb bei heftigem Wind die gefahrenen Zeiten gut waren. Abends war die Preisverleihung mit Tanz im Stadtpark.

 

Nr.176 (BA) am 30. 7.1895

Das 75-Kilometer-Rennen des Radfahrer-Vereins „Brennabor“ am Sonntag ergab fol- gende Resultate. Es starteten 6 Fahrer, davon durchfuhren 4 Herren das Ziel in folgenden Zeiten die Strecke Magdeburg nach Brandenburg:

Erster wurde Michalk (2:31.30), 2. Schade(2:36.56), 3. Schulz (2:38.00), 4. Behrendt (2:55.25 Std.)

 Zwei gaben in Folge eines Sturzes  das Rennen auf. Die Leistung von Herrn Michalk muß, da der Herr nicht gewerbsmäßiger Fahrer ist, als eine ganz bedeutende bezeichnet werden. Sämtliche Fahrer benutzten Brennabor-Räder.

 

Der wahrscheinlich älteste Radfahrer-Zusammenschluss am Ort, der „Brandenburger-Radfahrer-Verein von 1884“, veranstaltete am 12. Juli 1896 ein Vorgabe-Rennen über 80 km auf der Strecke  Brandenburg-Ziesar-Genthin-Brandenburg.  Gestartet waren die Herren Joh. Pundt (vom Mal), E. Voigt (8 Min. Vorgabe), C. Bassow (11), G. Hampe (12) und  Hollerbaum (16) bei heftigem Gegenwind auf 2/3 der Strecke. Erster am Ziel  wurde  Hampe in 2:50 Std. vor  Pundt, Hollerbaum, C. Bassow und  C. Voigt. Die schnellste Zeit fuhr Joh. Pundt mit 2:39, 45 Std. und bekam den „Zeitpreis“. Der Grund für die Gewährung der Vorgaben wurde nicht mitgeteilt.

 

In den Nr.177(BA) am 30.7. u.187 am 11. 8. 1896 kündigt der Radfahrer-Verein „Brennabor“  ein Rennen für den Sonntag, 2. August über 150 km an. Die Streck führt von BRB-Barnewitz nach Kyritz-Rhinow-Rathenow  nach Brandenburg zurück. Doch  musste die Distanzfahrt  am geplanten Termin wegen des sehr schlechten Wetters ausfallen. Sie wurde aber zeitnah nachgeholt.             

  Ergebnisse:  

Erster wurde Herr Köhne (5:36 Std.) vor  H. Elberling (6:06), 3. H. Ziem (6:29), 4. H. Glander (6:29:30), 5. H. Schulz (6:33), 6. H. Bärndt (6.47), 7. H. Siebach (6:50),  8. H. Zeitz (7:39). Gestartet waren 9 Fahrer. Als Karenzzeit waren 8 Std. vorgegeben. Der 9. Fahrer hatte sich unterwegs verfahren und kam deshalb verspätet.  Die Preisverleihung soll abends im  „Wilhelms Garten“ stattfinden. Der Sieger fuhr ohne Streckenführung einen beachtlichen Schnitt von 27 km/h. Obige sportliche Leistung ist wohl bislang noch von keinem hiesige Verein erreicht worden.

 

In der gleichen Nr. 187 steht der Bericht über ein 50 km-Vorgabe-Rennen des  Brandenburger–Touren-Radfahrer- Vereins 1896  mit10 Startern:   Sieger wurde in 1:40 Std. (vom Mal) Herr  G. Gräben, 2. H Voß (1:42 ½), 3. H. Meßler (1:50 mit 3 Min. Vorgabe), 4. H. Müller, 5. Koppen, 6. Lorenz, 7. Richter, 8. Begel, 9. Weise. Den Trostpreis erhielt Wernitz. Abends war die Preisverleihung im Saale des Herrn Brecht im Kreise der Damen und Freunden des Vereins  mit Musik und Tanz bis nach Mitternacht.

In Nr.210 (BA)  am 7. 9. 1896 liest man den Bericht über die Distanzfahrt am Sonntag den 6.9.96  „Rund um Berlin“, die Herr G. Graeben von hier nach 14 Std. 19 Min. als erster Sieger beendete.

 

In Nr. 211 (BA) am 8.9.1896  wird berichtet, dass am vergangenen Sonntag  der Brandenburger -Radfahrer-Verein von 1884 seine  Clubrennen über kürzere Strecken abhielt.  Die Veranstaltung fand bei strömenden Regen statt und aufgeweichter Chaussee

Ergebnisse:

  1. Damenpreisfahren 1000 m:                 1. Bassow 1,58 Min., 2. Hampe, 3. Hollerbaum
  2. Erstfahren 2500 m:                              1. Seyfarth 5,53 Min., 2. Kindel, 3. Klewitz
  3. Hautfahren 5000m:                              1. Hampe 10,13 Min., 2. Bassow, 3. Seyfarth
  4. Landsturmfahren 5000m mit Wende:  1. Hollerbaum 11,29 Min., 2. Fischer, 3. Fricke
  5. Vorgabefahren 5000m mit Wendepunkt: 1. Seyfahrt 11:55,15  Min., 2. Bassow 11,50 vom Mal, 3. Kindel

Abends fand ein gemütliches Kränzchen im Stadtpark statt. Die Namen der einzelnen Wettbewerbe  lösen beim heutigen Leser sicher ein leichtes Schmunzeln aus!

 

Nr. 223 (BA) am  22. 9.1896

Bezirksfahrt des Bez. II, Gau 20 am Sonntag dem 20 September aus Anlass des 3. Stiftungsfestes der Neu-Ruppiner Radfahrer-Vereinigung „Wanderer“: Das Rennen Neu-Ruppin–Waisenkrug– Katerbow und zurück für Bundes-Mitglieder mit 13 erstklassigen Fahrern gewann Herr Paul Kotsch von den „Kyritzer Radfahrer-Verein“. Zweiter wurde H. Fritz Schnelle vom Brandenburger Radfahrer Verein „Vorwärts“ von 1887. Dritter wurde H. Gustav Gräben vom „Brandenburger  Touren-Radfahrer-Verein 1896. Herr Weidner  vom „Spandauer Radfahrer Verein „Germania“ erhielt den 4. Preis. Alle fuhren auf Brennabor-Rädern.

Nr. 225  (BA) am 24.9.1896 Der Brandenburger Radfahrer-Verein  „All Heil“   veranstaltete am 20.9.1896 ein Rennen Brandenburg-Genthin-BRB als Vorgaberennen ohne Schrittmacher. Dazu hatten 8 Fahrer gemeldet: Sieger wurde H. Paul Kausmann (vom Mal) in 1:41 Std., 2. H. Fritz Lücke, 3. H. Max Fischer (5 Min. Vorgabe) in 1:46 Std., 4. Carl Ströhmann, 5. Hans Postmeyer, 6. Herr Zimmermann. Den Preis als erster an der Wende erhielt Carl Ströhmann. Im „Hotel zum schwarzen Bären“ wurde anschließend ein Frühschoppen abgehalten. Nachmittags gab es einen Ausflug mit den Damen nach dem „Neuen Kruge“. Abends fand dann noch ein Commers im „Haus zum schwarzen Bären“ statt mit Preisverleihung.  

 

Die Rennen ab 1896 mit Gustav Gräben sind weiter oben in einem gesonderten Abschnitt beschrieben.

 

Der Radfahrer-Verein. „Brennabor“ veranstaltete am Sonntag, 4. Jul. 1897 das Radrennen  BRB-Genthin-Görtzke-BRB über 120 km. Start war bereits um 5:00 Uhr mit 7 Fahrern. Es wurde ab Start ein scharfes Tempo gefahren. Die beiden ersten erreichten Genthin um 5:48 h. Sieger wurde Fritz Ruhle, der das Ziel in BRB um 9:20:26 h (nach 4:20:26 h) durchfuhr. 2. Köhne, 3. Elberling, 4. Gericke. Die restlichen 3 fuhren über 5 Std. Der Erste fuhr bei heftigem Wind ein Tempo von 27 km/h. Dem Sieger ein kräftiges „All Heil“.  Abends war im „Wilhelmsgarten“ mit vielen Gästen die Preisverleihung. Danach folgte ein Tänzchen bis in die Nacht.

Vier Brandenburger-Radfahrer-Vereine: „All Heil“ von 1884, „Vorwärts“ von 1887,  „Brennabor“ von ? und der „Tourenfahrer-V. von 1896“ waren  in den Gründerjahren des Radsports  Ende des 19. Jh. in Brandenburg a. d. Havel die aktivsten Vereine, in denen sowohl Saalsport mit Einzel- und Mannschafts-Kunstfahren, als auch Straßenradsport betrieben wurde. Der Arbeiter-Radfahrerbund „Solidarität "von 1896  gibt es ein geson-dertes Kapitel weiter oben.

 

 

Carl Jurth und Friederich Hollerbaum haben sich um den Sportpark Brandenburg sehr verdient gemacht.                       

Die Radrennbahn wurde sicher auf ihre Initiative eingebaut, da sie selbst Rad- sportler waren. Bei den meisten aktiven Radsportlern handelte es sich um junge Geschäftsleute, die oft mit den neuen Produkten um das Radfahren und den Radsport Handel trieben und Reparaturleistungen anboten. Auch Radfahrunter- richt wurde auf entsprechenden Lehrbahnen angeboten.

Z.Zt. in Neubearbeitung wegen vieler neuer Quellen

Die Periode nach dem ersten Weltkrieg und der Nachkriegszeit bis zum Ende der Weimarer Re- publik (1922 bis 1933)

Otto Marschall von der "Rennfahrervereinigung Bran- denburg von 1910" nach seinem Sieg bei dem Rennen über 60 km: Brandenburg - Rathenow-Brandenburg 1927

Der erste Weltkrieg hat infolge seiner Stellungskriege in Frank- reich  Millionen von Toten und Verwundeten unter den jungen Männern in Europa und natürlich auch in Deutschland gefordert.

In der Zeit von 1914 von 1918 kam der Amateursportbetrieb praktisch zum Erliegen.

im Brandenburger Anzeiger wird in dieser Zeit kaum etwas über Radsport in der Stadt be- richtet. Man liest im Verlaufe der Jahre von einigen Straßenklas- sikern, wie z.B. Berlin-Cottbus-Berlin (1915) oder Magdeburg-Berlin-Magdeburg über 275 km (1920), der auch Brandenburg zweimal berührte. In der Stadt war eine Kontrollstelle für die Fahrer im Lokal "Parole", Magdeburger Straße eingerich- tet. Erst so nach und nach finden auch die Amateure zu ihrem Sport zurück. Dabei tritt auch ein neues Phänomen auf. Viele der verwundet heimgekehrten Solda- ten behalten bleibende Schäden mit Behinderungen zurück, wollen aber trotzdem wiederihren Sport betreiben.

Termine für Kloster Cup 2017 stehen bereits fest. (siehe Aktuelles)

Anmeldung für das Rietzer EZF 2017.

 

Homepage online

Auf dieser  Internetseiten stelle ich  mein  sportliches Hobby vor und berichte über Radsportthemen im Jedermann-Bereich in und um Brandenburg a.d.Havel