Entwicklung Radsport in Deutschland

August Lehr, Thaddäus Robl, Water Rütt, Walter Sawall, Jophes Fischer

Thaddäus Robl (München), Steher-Weltmeister 1901 und 1902, hier hinter dem Zweisitzer-Schrittmacher Franz Brettschnieder und Fritz Steger.

 

In deutschen Landen war der  Erfinder des legen- dären Laufrades, Frei- herr Carl F. Drais 1817, zwar beheimatet, seine  geniale Idee wurde aber vor allem in Frankreich und England wesentlich weiterentwicklt und zur Vollkommenheit geführt. In der "Evolution" des Fahrrades gab es auch kurzzeitig einen techni- schen  "Neandertaler", nämlich das Hochrad. Doch es teilte sein  Schicksal mit dem biolo- gischen "Irrläufer" in der Entwicklung und ist nun nur noch im Museum zu bewundern. Auch der nächst Schritt des Radfahrens, nämlich der Radsport, wurde besonders in den beiden oben genannten Ländern vorangetrieben. Bekannt sind die ersten radsportlichen Wettbewerbe in Paris  am 31. Mai 1868, die als erster "Michaulinen-Wettstreit" im Park von St. Cloud durchgeführt  wurden. Ihn bezeichnet  man als die Geburtsstunde des Radsports. Sieger wurde der Engländer: James Moore.

Am 7. November 1869 starteten an einem kühlen Herbsttag 202 Radfahrer zum ersten Straßenrennen der Welt auf der 123 km langen Strecke von Paris nach Rouen. Der Sieger war erneut Moore.

Ab April 1869 werden in Deutschland sogenannte "Velocipeden - Reitclubs" gegründet: Zunächst in Altona/Elbe  am 17.4.1869 der Eimsbüttler Velocipeden-Club, der schon am 10.9.1869 sein erstes Radrennen mit Teilnehmern aus Frankreich, Dänemark und England veranstaltete.(Wikipedia).

Bald danach folgten solche Clubs in München, Magdeburg und Berlin. In München wurde die erste "Velocipeden - Rennbahn" in Deutschland gebaut.

Zunächst gab es auch in Deutschland die heroischen Fahrer die allein, in kleinen Grüpp- chen oder bei offiziellen Rennen enorme Strecken am Stück oder mit nur kurzen Unterbrechungen zurück legten: München Berlin, Mailand-München, Madrid-Paris-Berlin, Sankt Petersburg-Paris, Hannover-Berlin-Hannover usw. An die Namen von Joseph Fischer-München, August Lehr-Frankfurt am Main soll hier erinnert werden.

Mit der legendären  über hundertjährigen Tour de France wurde eine ganz neue Kate- gorie Radrennen eröffnet. Eine Landesrunfahrt, die über mehrere Tage ging und in- zwischen eine der drei großen dreiwöchigen Landesrundfahrten in Europa ist. Die damit befasste Geschäftswelt steigerte früher zunächst die Auflagen ihrer Zeitung, später nutzten Rundfunk und Fernsehen  die langanhaltende Spannung zur Generierung der Einnahmen über Werbung bei erhöhten Einschaltquoten. Inzwischen wurde en passant für den Tourismus geworben. Das gleiche gilt inzwischen natürlich auch für die bekannten Frühjahrsklassiker in Westeuropa, die sich auch schon über Jahrzehnte halten

Zunächst waren in den Gründerjahren häufig erfolgreiche junge Geschäftsleute die aktiven in den Vereinen. Die Fahrräder waren noch recht teuer, und es war etwas Exquisites ein solches zu fahren. In den ersten Vereinen wurde häufig Saalradsport betrieben mit Kunst- und Reigfahren, Radball und -polospiel, sowie dem beliebten schnei- diegen Corsofahren in einheiltlichen Kostümen, welches dann bepunktet wurde. Wichtig waren die Ehrenpreise, bei etwas Glück sogar vom Kaiser gestiften und dann das gesellschaftliche Leben vor Ort. Jährliche wurden rauschende Feste gefeiert, auch verbunden mit Wohltätigkeitsaktionen über die dann in der "Klatschpresse" en detail in blumiger Sprache berichtet wurde. Von Jar zu Jahr versuchte man Feste weiter zu steigern. Nach rund 25 Jahren hatten aber die Zweiräder  schon Motoren bekommen und auch waren Autos verschiedener Marken im Angebot. Das Bürgertum "sattelte" nun um. Zwar mussten die neuen "Pferde" wieder gefüttert werden, was man nun "Tanken" nannte, aber man hatte ja und Mist fiel im Stall nicht an.

Das Bahnfahren  dominierte in Deutschland bald den Leistungs-Radsport. Das 1896 erst- mals ausgetragene "Rund um Berlin", welches, wie ich schon an anderen Stellen mit etwas Stolz erwähnt habe, 1896/97 vom Brandenburger Gustav Gräben gewonnen wurde, hatte bald jährlich mit den preußischen Behörden um die Genehmigung der Straßenbenutzung usw. zu kämpfen und musste auch manchmal abgesagt werden. Vielleicht war es anderen Orts ebenso? Deshalb ging man  in vielen wohlhabenden Städ- ten  Ende des 19. Jahrhunderts dazu über, Sport- und Unterhaltungsparks  zu errichten, in denen auch  auf Zementbahnen Radrennen veranstaltet werden konnten. Das hatte mehrere günstige Effekte: Gute Übersicht über das Geschehen, weniger Defekte und Ausfälle durch schlechte Straßen, und das allgemeine und Fachpublikum konnte die gesamte Rennsituation ständig beobachten. Das war attraktiv und förderte die Bereitschaft Eintritt zu zahlen.

Walter Rütt war Anfang des 20. Jahrhunderts ein sehr bekannter und erfolgreicher deut- scher  Bahnfahrer. Er wurde zunächst in den USA berühmt, wohin er vor der drohenden Einberufung zum Wehrdienst geflohen war. Dort waren Bahnradrennen schon sehr po- pulär. Es wurden z.B. zur Unterhaltung der Gäste in Baltimore auf einer Holzbahn in den Messehallen an sechs Tagen  ununterbrochen ein Dauerradrennen veranstaltet. Die- ses wurde zum Vorbild der späteren Sechstagerennen in Europa und speziell auch ab 1909  in Berlin, wo noch heute, die inzwischen wieder sehr beliebten "Sixdays",  als das älteste noch existierende "SR" der Welt jährlich im neuen Veledrom an der Landsberger Allee  vor zigtausenden Besuchern stattfindet.

Viele Firmen in Europa, so auch in Deutschland, begannen früh das neue, schnelle Fortbewegungsmittel "Fahrrad", in großen Stückzahlen zu produzieren. Für das damals weltbekannte  "Brennabor-Werk" der Gebrüder Reichstein, in Brandenburg/ Havel mit fast 4000 Beschäftigten, in welchem zunächst  Kinderwagen, später Motorräder und PKW aber vor allem auch Fahrräder in jeglicher Ausführung hergestellt wurden, fuhren viele berühmte Fahrer als "Profi" Reklame, wie z.B. Thaddäus Robel und Walter Sawall  erfolgreich Bahnrennen oder Franz Hauptmann Straßenrennnen. Auch außerhalb  Brandenburgs wurden Radsportclubs "gesponsert", z.B. der RC Brennabor Magdeburg, der im Amateurbereich 1932 deutscher Meister im Mannschaftsfahren wurde. Triebfeder für die Förderung des Amateur- und Berufssportes war damals, wie heute, natürlich die erfolgreiche, ansprechende Werbung für des eigene Produkt! Wöchentlich erschienen in der hiesigen Zeitung unter der Rubrik "Sport" Meldungen aus dem Inn- und Ausland von Siegen der bekannten Bahn- und Straßenberufsfahrer auf Brennabor-Maschinen, welche tadellos ohne jeglichen Defekt funktionierten.

Es wurden diverse Bahn-Disziplinen entwickelt, um das Publikum spannend zu unter-halten:

Flieger(Sprint)-rennen, Malfahren, Tandem-, Ausscheidungs-, Steherrennen, Zwei- er-/ Vierer-Mannschaftsrennen und eben auch das  Format "Sechstagerennen". Das ist inzwischen ja inzwischen ein Zweiermannschaftsrennen, welches an sechs langen Abenden unterbrochen durch viele spannende Wettbewerbe der Frau, Sprinter und des Fahrens hinter kleinen und großen Motoren. In der "Kürz liegt die Würze".

Neben dem Berufsradsport  entwickelten sich vielerorts auch Radfahrervereine, die meistens von Angestellten und der Arbeiterschaft getragen wurden. Viele veranstalteten touristische Wanderfahrten. Aber es  wurden von diesen auch zunehmend Rennen für Amateure organisiert. Dabei ging es meistens um den kurzlebigen Tagesruhm, einen kleinen Ehrenpreis mit Blumenstrauß und Schleife  und manchmal gab es dazu einen "goldenen" Siegerkranz. Durch die Gründungen von nationalen und internationalen Verbänden wurden später  dann Meisterschaften auf allen Ebenen veranstaltet. Das war häufig das Sprungbrett für viele erfolgreiche Amateure, welche dann ihren Lebensun- terhalt als Berufsfahrer auskömmlich bestreiten konnten.

Dem europäischen Trend folgend entwickelte sich aber auch der Straßenrennsport in Deutschland. Es gab und gibt viele große Kassiker (Rund um Köln, Rund um den Henninger Turm, Harzrundfahrt, Hainleite-Rundfahrt, Rund um Berlin, Berlin-Cottbus-Berlin usw.,usw.) und sogar neben kleineren Bundes-Länderrundfahrten (Bayern, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz), eine Deutschlandrundfahrt und die DDR-Rundfahrt über meistens 8 Etappen. Aber der zunehmende Fahrzeugverkehr macht es heute fast unmögliche, so etwas noch zu veran- stalten und wenn, dann nur im Profibereich. Für den Amateursport und Kinder-und Jugendbereich finden sich bestfalls menschenleere Industriegebiete oder abgelegene Straßen, manchmal auf Truppenübungsplätzen etc.

            Anders als nach dem "Ersten" folgte dem 2. Weltkrieg eine tiefe politische Zäsur für Deutschland, Europa und für die ganze Welt mit tiefgreifenden Systemveränderungen im gesellschaftlichen Leben der Völker. Es kam zu einer idiologischen Zweiteilung der Welt. Nach der Gründung des sogenannten "Sozialistischen Lagers"  unter Führung der Sowjetunion sollte die Sporttradition der Arbeiterbewegung generell, so auch in der jungen DDR, zum generellen Standard werden. Zunächst wurden auf dem Boden der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) per Befehl der sowjetischen Militäradministration den Massenorganisationen, darunter fielen auch die Sportvereinen, die Betätigung verboten, als sichtbares Zeichen des Bru- ches mit dem alten politischen System.

Danach kam es in allen großen Betrieben zur Gründung von  Betriebssport-gemeinschaften (BSG) nach sowjetischem Vorbild mit der entsprechenden Namens- gebung: Traktor, Motor, Lokomotive usw. Die Bezeichnungen wiesen meistens auf die Produktionsart im Trägerbetriebes hin. Sportvereine der Behörden trugen häufig den Namen Dynamo. Traditionelle Vereinsnamen mit bürgerlich-nationalem "Anstrich"  waren den Sowjets suspekt  (Germania, Concordia, Borussia usw.) und verschwanden in der SBZ.

Da die sportlichen Leistungen von Freizeitsportlern im internationale Maßstab meistens nicht ausreichend waren, obwohl für die Besten auch Trainingslager zur Vorbereitung auf größere Wettkämpfe organisiert wur- den, änderte sich bald die Sportpolitik!  Sport war im begonnenen "Kalten Krieg" zur Waffe und der Gewinn einer Medaille zum Sieg über den Klassenfeind geworden. So wurden Anfang bis Mitte der 50ziger Jahre für alle olympischen Disziplinen Sportclubs gegründet, wodurch der reine Amateursport im "Sozialismus" beendet wurde. Nun entwickelte sich zunehmend der Breitensport als "Nachwuchszulieferer"  für den Spitzensport. In einige BSG'en wurden später gezielt "Leistungsstützpunkte" eingerichtet. Diese hatten dann im Kinder-und Jugendbereich Talente zu finden und zu fördern, bis diese per Delegierung in einen Klub zur Weltspitze geführt werden sollten, was in vielen Fällen immer wieder gelang, wie die Bilanz des DDR-Sports eindrucksvoll gezeigt hat. So bildeten für die kleineren Vereine die jährlichen Kinder- und Jugendspartakiaden, die über Kreise und Bezirke bis zur DDR-Spartakiade führten, die Höhepunkte des Sportjahres. Die klassischen Kreis- und Bezirksmeisterschaften traten dabei zunehmend in den Hintergrund.

 

Nächster Termine für Kloster Cup 2017:

18. Juni 2017

"Rund um den alten Weber"

 

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Auf dieser  Internetseiten stelle ich  mein  sportliches Hobby vor und berichte über Radsportthemen im Jedermann-Bereich in und um Brandenburg a.d.Havel