Der Sportpark in Brandenburg, erbaut 1899,  er- hielt eine 333,3 m lange Zement-Radrennebahn

Brandenburger Unternehmer  erobern die Freizeitindustrie

Mehr Freizeit will sinnvoll ausgestaltet werden. Mit der profes-sizionellen, attraktiven  Ausgestaltung der Freizeit anderer Leu- te lässt sich auch eine Menge Geld verdienen. Das erkannten auch Brandenburger Unternehmer schon früh!

Pfingsten war immer großes Radwettfahren im Sportpark

(Original-Schreibweise)

 (B.A.)31.5.1900 - Das am 2. Pfingstfeiertag  im „Sportpark“  stattfindende internationaler  Radwett-fahren bringt nach den heute eingelaufenen Nennungen eine Qualität von in- und ausländischen Fahrern an den Start, wie sie sonst nur  große Sportcentren, wie Berlin, Wien, Hannover, Köln etc., aufweisen können. Wir nennen u.a. Paul Mündner, der populärste Rennfahrer Deutschlands, der dem Weltmeister Willy Arend viele Male die Pedale gezeigt hat, Lourion und Heller-Wien, das be- rühmte Flieger- und Tandempaar aus Oesterreich, L. Bocquillon-Paris, der nur unter Klasse 1a startet, Alfred Schneider, Leipzig, bisher einer unserer besten Herrenfahrer, welcher als Berufsfahrer gleich- falls immer unter den ersten am Ziele zu finden ist. Von Dauerfahrern, welche am 4. Juni starten, möchten wir in erster Linie van Schonthoven, Meisterschaftsfahrer von Holland für 1899, nennen. Außer Winnemann, Hamburg, Nicodem, Prag, Sievers, Berlin welche sämtlich hinter Motorführung fahren, wird unser heimischer Fahrer Gustav Gräben, welcher sich in ausgezeichneter Form befinden soll, ebenfalls mit 2 Motorführungsmaschinen am Platze erscheinen, um als Berufsfahrer die Scharte vom vorigen Jahre auszuwetzen. (B.A.) 5.6.1900. Das gestrige internationale Rad-Wettfahren im Sport-Park war insofern von ganz besonderem Interesse, als außer einer Anzahl deutscher Fahrer von Ruf aus Berlin, Hannover und Leipzig auch solche aus Frankreich, Holland und Oesterreich sich am Start eingefunden hatten. Leider war es dem Bran- denburger Dauerfahrer Gustav Gräben in Folge eines Sturzes am 1. Feiertage in Weißenfels nicht vergönnt, an dem 30 Kilometer-Rennen theilzunehmen, hatten sich doch gerade hierzu viele Freunde und Bekannte des beliebten Fahrers eingefunden. Die verschiedenen Wettfahren boten eine Reihe aufregender Momente. Mündner, Kudela und Heering waren in ausgezeichneter Form; bedauerlich war es nur, daß der Letztere, Mündner, beim Entscheidungslauf im Sportfahren in der letzten Runde an der Kurve herauszudrängen suchte, hierbei fuhr Heering den Mündner an, und beide kamen zu Fall, wofür Mündner dem Heering einige wohlverdiente Ohrfeigen zum Gaudium des Publikums applicirte. Beide Fahrer trugen einige Verletzungen davon und mußten daher aus dem ferneren Rennen aus- scheiden, wodurch es allerdings Kudela leicht wurde, die Rennen zu gewinnen. Am 30 Kilometerfahren betheiligten sich 6 Mann, zum Theil mit oder ohne Motorführung. Das Knittern und Knattern der Motore brachte ein gewisses Leben auf die Rennbahn. Wie fast bei allen derartigen Rennen, sind Motordefekte keine Seltenheit, sodass einige Fahrer wie- derholt ohne Führung waren. Allgemeine Anerkennung fand Dickentmann/Holland durch seine Überlegenheit, mit welcher er bei ei- nem Vorsprung von 7 Runden das 30 Kilometer-Rennen gewann.                                       Ueber die einzelnen Rennen sei Folgendes noch angeführt: In Klammen stehen die Geldpreise in Mark.

  1. Sportfahren  2000 m (75, 40, 20):  1. Kudela - Prag, vor  Grandpierre - Berlin, 
  2.  Prämienfahren  3000 m (60, 30, 15):  1.Kudela, vor  R. Heller - Wien, 
  3. 30 Kilometerfahren (150, 75, 50): 1. A. Dickentmann - Amsterdam, vor  H. R. van Schoonthoven - Amsterdam,
  4. Motorradfahren 5000 m, (80, 40) 1. Motor C. A. Lauffer - Amsterdam, 2. Motor  van Schoonhoven - Amsterdam. Zeit:  6 Min. 61 Sec.

 

 

Im „Brandenburger Anzeiger“ vom 16.9.1907 wurde über ein Radrennen im Sportpark berichtet:

Trotz des schon empfindlich kühlen Wetters war eine große Menschenmenge in den Sportpark geströmt. Es gab wieder schöne heiße Kämpfe, die nur durch drei leichte Stürze getrübt waren. Hauptattraktion war das Dauer- rennen um den  „Brandenburger Gold-Pokal“.  Zwei Läufe über je 30 Min. wurden absolviert. Der Lokalmatador, Gustav Schadebrodt, kam im zweiten Lauf durch Motorschaden leider ins Hintertreffen. Dadurch war der Sieg für Hellmann aus Kopenhagen frei, der den Goldpokal mit 367 Meter Vor- sprung gewann. Ein Haufen junger Leute bedrängte nach Schluss des Ren- nens die Richtertribüne und wollte, dass der Pokal Schadebrodt zuge- sprochen werden sollte.

Bei den Einzelrennen lautete das Ergebnis: 

Flieger(2000m)- 1.Hellmann, 2.Kiehne(Magdeburg),3.Dornburg (Brandenburg)

„Roland-Preis“,Dauerrennen hinter kleinen Motoren über 30 Min. Ergebnis: 

1. Rottnick (Berlin) mit 25 km, 2. Kiehne 24 km, 3. Kaupert (Brandenburg) mit 23,8 km.

 

(B.A.) am Freitag, 7.9.1900: *Sportpark.  Das  Hauptinteresse des am Sonntag stattfindenden „großen internationalen Radwettfahrens“ dürfte unzweifelhaft das im Programm vorgesehene „Dauerfahren über eine Stunde für Berufsfahrer mit Motorschrittmachern“ in Anspruch nehmen, umso mehr, da her- vorragende Fahrer wie Eugen Dutrieu-Lille, Max Heiny-Berlin, L. Boquillon-Paris, Ernst Moritz-Friedenau und Gustav Gräben-Brandenburg am Start erscheinen werden. In neuerer Zeit werden enor- men Geschwindigkeiten erreicht und hinter gutem Schrittmachermaterial  50 Kilometer  in der Stunde zurückgelegt. Die großen Dauerrennen  besitzen eine enorme Anziehungskraft.  Der Franzose Eugen Dutrieu-Lille fuhr am vorletzten Sonntag auf der Friedenauer Bahn bei einem Match mit den besten deutschen Dauerfahrer  Alfred Köcher-Friedenau 30 km in 33 Min. 15 Sec. Gustav Gräben, welcher augenblicklich in vorzüglicher Form sich befindet und die feste Absicht hat, am nächsten Sonntag seine im Vorjahre erlittene Scharte auszuwetzen, wird dem Franzosen dicht auf den Fersen sein, ebenso Max Heiny-Berlin, welcher dem hiesigen Sportpublikum bereits als vorzüglicher Fahrer bekannt ist. Wenn wir noch L. Boquillon-Paris und Curt Moritz-Friedenau hinzurechnen, so wird sich am Sonntag ein Feld auserlesener Berufsfahrer hier am Start vereinigen, wie es sich dem Brandenburger Publikum bis- her noch nicht gezeigt hat.

(B.A.) Montag, 10.9.1900 *Das internationale Radwettfahren, welches am gestrigen Sonntag im „Sportpark“ veranstaltet wurde, hatte sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen. Im Amateur-Rennen war es  hauptsächlich wieder die Gebrüder Küpferling-Berlin, welche den Löwenantheil davontrugen. Aber auch das hier schon so oft genannte Tandempaar Jäger-Krüger bewies aufs Neue, dass es der schärfsten Concurrenz gewachsen ist. Das Hauptinteresse des Tages nahm natürlich das Dauerfahren über eine Stunde in Anspruch, wobei es auch an aufregenden Momenten nicht fehlte. Als Sieger ging der Franzose Dutrieux über das Band als der einzige vom Glück begünstigte, denn der Mo- tor mit seiner durchaus tüchtigen Besatzung funktionirte tadellos. Heiny hätte Dutrieux sicher den Sieg streitig gemacht, wenn der Motor nicht Kettendefect erlitten hätte. Auch unserem altbewährten Fahrer Gräben war es nicht vergönnt, dieses Rennen ohne Unfall zu fahren. Beim Vorüberfahren an einem seiner Concurrenten wurde er durch ungeschicktes Fahren in der Kurve derartig vorgetragen, daß er die Barriere anfuhr und in das Publikum flog, wobei er sich einige schmerzhafte Hautabschürfungen zuzog und so sehr die Hand verstauchte, daß er bei den letzten Kilometern kaum noch in der Lage war, die Lenkstange zu halten. Jedenfalls verdient die Energie, mit der er sein Rennen fortsetzte, volle Aner- kennung. Auch ein Sturz von Moritz verlief ohne ernste Folgen.                                                        

Über die Resultate der einzelnen Rennen Folgendes: (Geldpreise in Mark in Klammern)

1. Sportpark-Eröffnungsfahren. 1000 m. für Herrenfahrer.(50, 25, 15):  Willi Küpferling 1., Zeit 2 Min. 262/5 Sec., Otto Küpferling  2., Robert Jäger 3.

2. Niederrad-Hauptfahren 2000 m. Für Herrenfahrer.(50, 25)   Franz Baeßler-Hannover 1., Zeit: 3 Min. 593/5 Sec., Otto Küpferling 2., Berh. Hofele-Hannover 3.

3. Dauerfahren über eine Stunde für Berufsfahrer. (200, 100, 50): 1. Eugeni Dutrieux-Frankreich,  48 km 343 m; 2. Gräben.; 3. Moritz-Berlin

4. Mehrsitzerfahren. 3000 m.  Für Herrenfahrer ( 60, 30,20): 1. Jäger/Krüger, Zeit 5 min. 14/5 Sec.,2. Gebr. Küpferling; 3. Baeßler/Richers-Hannover

5.Motorfahren 10000 m (60, 40) 1. Motor Dutrieux 2. Motor Gräben             

 

 

Schon vor dem 1. Weltkrieg wurde der attraktive Pavillon im Sportpark ein Raub der Flammen. Radrennen wurde bis Ende der 20er Jahre noch veranstaltet. Durch die nahen Flüsse Havel und Plane war  der Untergrund sehr feucht, sodass die Rennbahn nach und nach absackte. Rennen waren dann nicht mehr möglich. Hinter dem  Silokanal, nördlich von Brandenburg,  auf dem Gelände des Sportvereins Havel 08, dort wo sich heute der Lok-Sportplatz befindet, wurde inzwischen eine Schlackenpiste errichtet, auf welcher die Pedalritter der Stadt  Brandenburg ihre Kreise ziehen konnten. Vom einstigen Sportpark ist heute nichts mehr zu sehen. Auf ihm befinden sich zum größten Teil Kleingärten.

Die Schlacken- Bahn wurde bis 1951 befahren und dann vom Beton-Oval auf dem Werner - Seelenbinder-Sportplatz an der Brielower Straße abgelöst. Viele Jahre wurden auch dort ausgezeichnet besetzte und spannende Rennen ausgetragen bis Ende der 50er Jahre. Die letzten Lokalmatadore hießen Erwin Rüdiger  und Erich Peter.  Parallel zum danach einsetzenden spitzensportlichen Niedergang des Bahnradsports in Brandenburg setzte auch der Verfall dieser Bahn ein. Sie wurde zunächst teilweise und schließlich 1984 ganz abgetragen (nach Kurt Wilhelm).

In der DDR wurde der Leistungssport  seit Mitte der 50ger Jahre in Sportclubs konzen- triert, die sich für den Radsport der Region Brandenburg in Berlin und später Leipzig bzw. Frankfurt/Oder befanden!

Eine große Freifläche neben dem Fußballfeld vom BSC 05  lässt noch die Lage der Bahn erahnen.

Wenn man vom Stadtteil Nord kommend einen Blick auf das Gelände wirft, passiert man einen sonst schmucklosen Bau  einer Trafo-Station. Ein Graffitikünstler hat an allen vier Seiten wunderschöne Szenen gesprüht, die an die kurzen, goldenen Zeiten dieser Rad- rennbahn erinnern. Bei etwas Phantasie hört man noch das Knattern der Schrittmacher- maschinen und die Anfeuerungsrufe aus tausenden Kehlen des Publikums: E.......rwin,  E......rich“. (Quellen: Brandenburger Anzeiger ab 1880, Kreschel/Mertink, Brennabor-Werke, eine Bilddokumentation 1995,  Bauer, Grasow u. Kohnke, in „Die Reihe Archivbilder Brandenburg an der Havel 2000“).

Nächster Termine für Kloster Cup 2017: Sechste  Etappe am 24..Septem-ber  2017

"Rundstreckenrennen"

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Auf dieser  Internetseiten stelle ich  mein  sportliches Hobby vor und berichte über Radsportthemen im Jedermann-Bereich in und um Brandenburg a.d.Havel