Sportliche Aktivitäten Brandenburger Vereine im Straßenradsport  von nach Gründung der ersten Vereine bis 1899

Trotz der Gründung des ersten Radfahrervereins in Brandenburg, B.-R.-V. von 1884,  sind zunächst für einige Jahre keinerlei Meldungen über wettkampf- mäßiges Straßenfahren im B.A. vermerkt. Im Resu- mé des Vereins, anlässlich seinens 25jährigen Stiftungsfestes 1909 werden allerdings  die regel-mäßigen Überlandfahrten beschrieben, bei denen sicherlich auch kleine, inoffizielle Wettfahrten statt- gefunden haben könten. Wie dem auch sei! Das Hauptaugenmerk dieses Vereins war sicher der Saalsport mit Kunst- und Reigenfahren. Das Kor- sofahren wurde dann bei sommerlichen Festen im Freien praktiziert.

Diese Einstellung gegenüber dem sich immer mehr verbreitenden Straßenradsport war vielleicht auch der Grund dafür, dass sich weitere Vereine mit anderer Zielstellung in Brandenburg grün- deten. Schon 1887 hatten sich andere Interessierte im  Brandenburger R.-V. „Vorwärts“ zusammen. Auch einen Radfahrer-Verein mit Namen „Brennabor“ gründete man  hier in dieser Stadt 1891. Dem folgte 1896 die Stiftung des "Brandenburger-Touren-Radfahrer-Vereins", eines „Rad-Club 1899“ und den Radfahrer-Verein „Corona“ von 1900. In den meistens dieser Vereine wurde mehr der Rennsport gepflegt.

 

 

Tretkurbelrad. Quelle: Wikipedia

Erste Berichte von Straßenradrennen in unserer Stadt fand ich bisher in der (BA) Nr. 213. Am 10. 9. 1888 wurde ge- schrieben: Unter lebhafter Betheiligung befreundeter Radfahrer, Brandenburger, Genthiner, sowie Freunden des Radfahrsports fand gestern Nachmittag das Chaussee-Wettfahren deshiesigen Radfahrer-Vereins „Vorwärts" auf der Strecke Plaue-Genthin statt. Es wurden 3 Fahrten veranstaltet:

Ein  Vorgabe-Zweiradfahren  mit  8 Startern  über 15 km (2 Meilen) mit Wendepunkt, welches  Willy Stern (4 min. Vg.) in 39 Min., 55 Sec. vor seinem Bruder  Oscar gewann, der vom Mal starte. (Ein) Herr Müller (2 Min. Vg.) stürzte leider kurz vor dem Ziel, derselbe hätte sonst voraussichtlich den 1. Preis erhalten. Danach folgte ein Sicherheitsmaschinen-Rennen  mit  über 15 km (2 Meilen) mit Wendepunkt, welches Herr Köhler (2 Min. Vg.) in 38 Min., 34 ec. Gewann. Letztlich kam beim Dreiradradfahren über 5 km mit Wendepunkt Herr Müller in 13 Min. doch noch zu seinem 1. Preis, wie der Sieg damals genannt wurde. Bei den letzten beiden Rennen waren jeweils 4 Teilnehmer gestartet.

Bei allen Rennen war vom Wendepunkt zurück mit sehr starkem Gegenwind zu kämpfen.

 

Die Zeit des Hochradfahrens war durch den technischen Fortschritt auch in Brandenburg abgelaufen. In Nr.161 meldete man am 14. Juli.1891

Das Gäste-Rennen des Radfahrer-Vereins „Vorwärts“ bei Plaue verlief trotz strömenden Regens programmmäßig.  Sie  gestalteten  sich interessant, denn die Niederräder mit Hohlgummi (*reifen) erwiesen sich als gefährliche Gegner, und es konnte sich der vorzügliche Hochradfahrer Fischer nur mit einer Radlänge an der Spitze behaupten. Fünf Rennen wurden ausgetragen mit jeweils 3 Startern:

 

Vorgaberennen für Hochrad, 5000 m mit Wendepunkt: 1. Fischer-Potsdam (vom Mal)  11:48 Min. Vorgaberennen für Niederrad:                     1. Prüfer (100m Vorgabe)          11:46 Min.

Langsamfahren für Hochrad 100 m:                    1. L. Hintze                               2:25 Min.

Langsamfahren für Niederrad:                             1. Prüferi                                   3:40 Min.

Hauptfahren, 7500 m ohne Wendepunkt:            1. Fischer (Hochrad) in            16:35 Min.

Die Preisverleihung im Voigt`schen Lokale in Plaue und der anschließende Tanz hielt die Teilnehmer und Gäste noch lange zusammen.

Die einzelnen Disziplinen muten heutzutage natürlich etwas abenteuerlich an.

 

In Nr.177 am 1. August 1892 wird  berichtet über Staffeten-Fahrt von Berlin nach Köln. Organisiert vom Deutschen Radfahrerbund erfolgte der Start  um 12 Uhr am Brandenburger Thor. Für die Tour Berlin – Brandenburg starteten zehn der besten Radrennfahrer aus Berlin, darunter Johannes Pundt. Die Staffetten-Fahrer erhielten eine Binde mit der Aufschrift: Im Auftrage der Militärbehörde. Jeder Fahrer erhielt von einem Major Brix  der Militär-Turnanstalt eine Depesche. Die Losung wurde ausgegeben: “All Heil unserem Kaiser“.

Hier in Brandenburg vor dem „Hotel zum Adler“ hatten sich viele Mitglieder der Rad- fahrervereine eingefunden.

Als Preisrichter fungierten die Herren Gärtner und Ehler aus Berlin. Die Berliner trafen nach folgender Fahrzeit ein:

  1. Pundt in 2 Std. 48 Min. 45 Sec., vor Mündner 2:48.45 und Köcher 3:04.37 Std.
  2. In Brandenburg warteten  u.a. die Herren Grubert, Maaß und Voigt. E. Voigt war von ihnen um 6.48 Uhr der Erste in Magdeburg. Alle fuhren auf Brennabor-Rädern.

Johannes Pundt hat sich offenbar dabei in die Stadt Brandenburg „verliebt“, und so zog der junge Kaufmann danach bald in die Havelstadt und schloss sich dem Brandenburger Radfahrer-Verein an, der sich ab 1894 „von 1884“ nannte.

 

In Nr.142  am 20. 6. 1893 wird über die Distanz-Wettfahrt Magdeburg-Steglitz berichtet.

Schnellster Fahrer war Siebert-Berlin in 5 Std. 4 Min. ohne seine Maschine zu verlassen und ohne Ruhepause mit einem Tempo von 2 Min. 10 Sec. pro Kilometer. Lauenroth  aus Brandenburg/Havel fuhr die Strecke noch schneller, allerdings  außer Concurrenz,  in der besten Zeit von 5 Std. und 2 Min., also 2 Min. besser als Sieber.

Beste Mannschaft „Sport“ Berlin /Semmler, Fischer, Gebr. Mündner, Noack, Behrendt), ihre Durchschnittsgeschwindigkeit 5 Std. 33 Min., 2. „Argo“ Berlin 5:43 Std., 3. Magdeburger „Velociped-Club“ 1869 6:32 Std.

 

Nr.171 24.7.1893

Der Brandenburger Radfahrer-Verein von 1884 veranstaltete gestern eine Club-Dauerfahrt über 85 km von Brandenburg über Rathenow-Genthin-Plaue  bis zur Kürassier-Kaserne (heute Haupt- gebäude der THB) in Brandenburg. 10 Mitglieder des Vereins hatten gemeldet und starteten auch am altstädtischen  Schützenhaus um 6 Uhr. Trotz heftigen Gegenwindes wurden vorzügliche Zeiten gefahren.

Als Erster erreichte das Ziel

Joh. Pundt nach (3:04 Std.) vor  Max Grubert in (3:07 Std.) und Carl Voigt, der 25 Min. länger benötigt, dicht darauf Carl Jurth. Paul Tiede  und G. Hampe gebrauchten für die 85 km  (3:47.25 Std.). Den Schluss machten Paul Behrens und Hans Wegener.

Georg Schive  und Ugo Billa mussten das Rennen wegen Verletzung der Pneumatikreifen aufgeben. Der B. R.-V. hat bei diesem Rennen den Beweis geliefert, dass er nicht nur beim Saalfahren und Corso, sondern auch beim Dauerfahren Hervorragendes leisten kann.

Carl Jurth hat als Architekt und Bauunternehmer maßgeblich an der Errichtung des Sportparks mit moderner Zement-Radrennbahn in Brandenburg 1899 mitgewirkt.

 

In Nr.184 am 8.8.1893 wurde ein direkter Leistungsvergleich zwischen den beiden führenden Vereinen der Stadt gezogen, da die Rennen auf gleicher Strecke stattfanden.

Wie vor 14 Tagen der hiesige R.-V. von 1884, so hielt am letzten Sonntag der Brandenburger R.-V. „Vorwärts“ eine Club-Dauerfahrt über die gleiche Stre>:

Sieger Gustav Gräben 2:58.45 Std., 2. Oskar Stern  2:58.46 Std., 3.Ernst Scheller 3:06.13 Std. Es folgten  F. Lücke, Ernst Lobvogel, Felix Oppenheim, Ernst Grube im Abstand von mehreren Mi- nuten bis  schließlich O. Wipper nach 3:42.30 Std. eintraf. R. Conrad  hatte Maschinen-Defect.

Die Siegerzeit des Ersten vor 14 Tagen wurde um 5. Min 15 Sec. geschlagen. Bei den Folgenden werden die Differenzen bedeutend größer. Der B.R.V. „Vorwärts“ hat also gezeigt, dass auch er sich nicht nur beim Saalfahren und Corso, sondern auch beim Dauerfahren in der Reihe der hervorragen- den Vereine stellen darf.                                                                                                      Bei Johann „Hannes“ Pundt und Gustav Gräben handelt es sich ja um die beiden oben bereits vorge- stellten „Meisterfahrer“ dieser Jahre.

 

Nr.214 am 12.9.1893  liest man, dass am Sonntagnachmittag 3 Uhr  bei Bensdorf die internen Club-Rennen des „Brandenburger Radfahrer-Vereins von 1884 “ stattfanden.  Durch eine neue Bestimmung des „Deutschen Radfahrer-Bundes“, welchem obiger Verein angehört, war derselbe gezwungen, die Meisterschafts-Rennen fallen zu lassen. In den 5 Rennen  gab es jeweils 3 Ehrenpreise. Sie verliefen sehr interessant und ergaben folgende Resultate.

Niederrad-Fahren 1000 m:   1. Herr Max Grubert vor den Herren  C. Voigt und Joh. Wegener

Niederrad-Vorgabefahren:   1. Herr Max Grubert vor G. Hampe und  Joh. Wegener

Hochrad-Vorgabefahren:     1. Herr Paul Luger vor Carl Voigt

Junioren-Fahren   5000 m:  1.  Herr Ugo Luigi Billa vor  Herrn Paul Behrens

Hauptfahren um den Damenpreis 5000 m: 1. Herr Max Gruber vor den Herren C. Voigt und Joh. Wegener

Der Favorit, Herr Max Gruber, welcher schon bei der Club-Distanzfahrt als Zweiter hinter Joh. Pundt, dem langjährigen Meisterfahrer Deutsch-lands, einlief, übertraf alle Erwartungen. Er siegte in jedem Rennen, in dem er gestartet war, sicher und war seinen Concurrenten weitaus über- legen. Abends fand im „Stadtpark“ noch ein  Festessen mit Preisverthei- lung und  Ball statt, welcher die Theilnehmer nach lange beisammen hielt

In Nr.164 am 16.7. 1894 berichtete man von einer beinahe „Live-Über- tragung" des Rennens. Der Radfahrer-Verein „Vorwärts" veranstaltete gestern sein diesjähriges Rennen über große Entfernung. Gewählt war, wie im vorigen Jahre, die Strecke Brandenburg-Rathenow-Genthin-Branden- burg.

Ergebnisse der Herren:                     

1.Gräben 2:49.28 Std., 2. Kaußmann 3:15.42 Std., 3. Scheller 3:19.36 Std. Im Minutenabstand folgten Deickert, Kinast, Lobvogel. Herr Glieh hatte Maschinenschaden und kam mit 50 Min. Verspätung.

Auf Ahlerts Berg erfolgte darauf die Preisvertheilung zu welcher außer den vom Verein gegebenen Preisen  auch Herr Schmidt (Corona-Fahrrad-Fabrik) für die drei zuerst auf von ihm gelieferten Maschinen ankommenden Fahrern werth- volle Preise gewidmet hatte. Dieselben wurden von den Herren Gräben, Kaußmann und Deickert erworben. In froher Stimmung über die schönen sportlichen Leistungen blieb der Verein noch lange zusammen.

 

In Nr.188  am 13.8.1894 wird über die sportlichen Aktivitäten eines weiteren Vereins berichtet. Gestern  fand das diesjährige Rennen des Radfahrer-Vereins „Brennabor“:  Auf der Strecke Brandenburg-Rathenow-Genthin Brandenburg statt. Fünf Fahrer stellten sich trotz des schlechten Wetters dem Starter  punkt 5 Uhr am altstädtischen  Schützenhaus. Die gezeigten Leistungen sind hoch anzuerkennen bei dem starken Wind und den aufgeweichten Wegstrecken.

Ergebnisse:                                                     

Erster Herr  Elberling  2:58 Std., 2. Herr  Siebach 3:17 Std., 3. Herr Bärndt  3:25 Std. Die Herren Golsch, Kinast und Schneider kamen zwischen 10 und 40 Min.  danach ins Ziel.

           

In Nr.206 (BA) am 3.9.1894 erscheint ein Bericht über das 100 Kilometer-Wettfahren des „Brandenburger Radfahrer-Verein von 1884“, welches am Sonntag, dem 26.8., vom schönsten Wetter begünstigt stattfand, bringt die Zeitung  „Deutsche Radfahrsport“ folgenden Bericht:

Es starteten 5 Herren, die auch sämtlich das Rennen bis zum Schlusse ausfuhren. In Anbetracht des wochenlang andauernden Regenwetters, das den Fahrern nur wenig Gelegenheit zum Üben bot, sind die erzielten Ergebnisse wirklich großartig zu nennen. Am Wendepunkt kamen sämtliche Fahrer in kurzen Zwischenräumen an und wurden die 50 km nur wenig über den bestehenden Record gefahren, indem Herr Pundt diese Strecke in 1:35 Std., Herr Grubert in 1:40 ½, Herr Hampe in 1:40:40, Herr Gollert in 1:45 1/5, Herr Jurth in 1:48 4/5 durchfuhren. In derselben Reihenfolge gingen die Renner auch durchs Ziel und zwar wurden die 100 km gefahren von  den Herren:

Pundt  3:30.00 , Grubert  3:17.17 , Hampe 3:42.32 , Gollert 4:01.22, Jurth 4:09.50  Std.

Herr Pundt hatte unterwegs noch Unfall mit der Maschine, sonst hätte er  den 100 km- Record erreicht. Am Ziel wurden die Renner von den zahlreich erschienenen  Zuschauern stürmisch begrüßt. Am Abend fand in den Räumen des Stadtparks ein gemütliches Bei- sammensein zu Ehren der Renner statt, und es wurden hier nach gehaltenen Ansprachen die werthvollen Preise ausgehändigt.

 

Nr.218 (BA) am 17.9.1894

Am Sonntag hielt der Brandenburger Radfahrer-Verein von 1884  auf der Chaussee Bensdorf-Genthin sein diesjähriges Clubrennen über kurze Strecken ab, das bei präch- tigem Wetter und unter reger Beteiligung der Vereinsmitglieder  und anderer Sportsfreunde stattfand und ohne Unfall verlief. Hervorragendes leistete Herr Max Grubert, der in bei- den Hauptfahren spielend Sieger blieb und im Vorgabefahren die durchweg sehr hoch be- messenen Vorgaben bis auf einen  hatte.

Für das Erstfahren über 1000 m hatten die Damen des Vereins einen wertvollen 1. Preis gestiftet.

1. Herr Max Grubert 1:51 2/5,  2. Herr Hugo Villa 1:51 2/5,  3. Herr Hampe 1:53.00 Std.

 

Das Vorgabefahren über 5000 m mit Wendepunkt war sehr interessant, den schwächeren Fahrern wurden ganz bedeutende Vorgaben zuerkannt, sodass es fast unmöglich schien, dieselben einzuholen. Herr Zerning, der die höchstmögliche Vorgabe von 120 Sec. er- halten hatten, fuhr recht brav und erreichte als Erster das Ziel (10:30 Min.) nur 10 Sec. später folgte der „Malmann“, Herr Grubert, der die Strecke in nur 8:40 Min. durchfuhr, 3. wurde Herr Jurth mit einem Abstand von 15 Sec. (Vorgabe 70 Sec.) mit der Fahrzeit 10:05 Min.    

Beim Landsturmfahren für Fahrer über 35 Jahre hatte Herr Jänicke als Hochradfahrer 125 Sec. Vorgabe für die Strecke von 5000 m mit Wendepunkt erhalten. Von den beiden Malfahrern auf Niederrad hatte Herr Sander die Vorgabe noch kurz vor dem Ziel und ging als Erster in 10:39 Min. über das Band. 2. Wurde Herr Jänicke 13:03 Min.

Das Hauptfahren über 5000 m ohne Wendepunkt war das letzte Rennen. Herr Grubert als Sieger durchfuhr die Strecke in der hervorragenden Zeit von 8:25 Min. Zweiter wurde Hugo Villa 8:53 Min., vor Hampe 8:56 Min. und H. Gollert dicht auf.

Am Abend war die Preisvertheilung im Stadtpark, verbunden mit gemeinsamen Essen und Kränzchen, welches wohl an 100 Personen vereinigte. Allgemeine Anerkennung fanden die schönen Ehrenpreise, welche zum Theil vom Verein beschafft waren, zum Theil Stiftungen einzelner  Vereinsmitglieder waren. Außer den Rennpreisen kamen noch 6 Preise für die Betheiligung an den Clubfahrten im Sommer 1894 zur Vertheilung.

 

Nr.157 (BA) am 8.7.1895

Bei dem gestrigen 50 Kilometer- Chausseerennen des Brandenburger Radfahrer-Verein ging als Erster durch das Ziel Herr Bassow  nach 1:52.7 Std. Zweiter wurde Herr Grubert (vom Mal) in 1:48.50 an. Dritter wurde Herr Gollert (4 Min. Vg.) in 1:53.44 3/5, Vierter wurde Hampe (1 ½ Min. Vg.) in 1:59.5 2/5, Fünfter Wegener (5 ½ Min. Vg.) in 2:08.43 Std., Sechster Billa (3 Min. Vg.) in 2:14.50 Std.

Schrittmacher waren nicht gestattet, weshalb bei heftigem Wind die gefahrenen Zeiten gut waren. Abends war die Preisverleihung mit Tanz im Stadtpark.

 

Nr.176 (BA) am 30. 7.1895

Das 75-Kilometer-Rennen des Radfahrer-Vereins „Brennabor“ am Sonntag ergab fol- gende Resultate. Es starteten 6 Fahrer, davon durchfuhren 4 Herren das Ziel in folgenden Zeiten die Strecke Magdeburg nach Brandenburg:

Erster wurde Michalk (2:31.30), 2. Schade(2:36.56), 3. Schulz (2:38.00), 4. Behrendt (2:55.25 Std.)

 Zwei gaben in Folge eines Sturzes  das Rennen auf. Die Leistung von Herrn Michalk muß, da der Herr nicht gewerbsmäßiger Fahrer ist, als eine ganz bedeutende bezeichnet werden. Sämtliche Fahrer benutzten Brennabor-Räder.

 

Der wahrscheinlich älteste Radfahrer-Zusammenschluss am Ort, der „Brandenburger-Radfahrer-Verein von 1884“, veranstaltete am 12. Juli 1896 ein Vorgabe-Rennen über 80 km auf der Strecke  Brandenburg-Ziesar-Genthin-Brandenburg.  Gestartet waren die Herren Joh. Pundt (vom Mal), E. Voigt (8 Min. Vorgabe), C. Bassow (11), G. Hampe (12) und  Hollerbaum (16) bei heftigem Gegenwind auf 2/3 der Strecke. Erster am Ziel  wurde  Hampe in 2:50 Std. vor  Pundt, Hollerbaum, C. Bassow und  C. Voigt. Die schnellste Zeit fuhr Joh. Pundt mit 2:39, 45 Std. und bekam den „Zeitpreis“. Der Grund für die Gewährung der Vorgaben wurde nicht mitgeteilt.

 

In den Nr.177(BA) am 30.7. u.187 am 11. 8. 1896 kündigt der Radfahrer-Verein „Brennabor“  ein Rennen für den Sonntag, 2. August über 150 km an. Die Streck führt von BRB-Barnewitz nach Kyritz-Rhinow-Rathenow  nach Brandenburg zurück. Doch  musste die Distanzfahrt  am geplanten Termin wegen des sehr schlechten Wetters ausfallen. Sie wurde aber zeitnah nachgeholt.             

  Ergebnisse:  

Erster wurde Herr Köhne (5:36 Std.) vor  H. Elberling (6:06), 3. H. Ziem (6:29), 4. H. Glander (6:29:30), 5. H. Schulz (6:33), 6. H. Bärndt (6.47), 7. H. Siebach (6:50),  8. H. Zeitz (7:39). Gestartet waren 9 Fahrer. Als Karenzzeit waren 8 Std. vorgegeben. Der 9. Fahrer hatte sich unterwegs verfahren und kam deshalb verspätet.  Die Preisverleihung soll abends im  „Wilhelms Garten“ stattfinden. Der Sieger fuhr ohne Streckenführung einen beachtlichen Schnitt von 27 km/h. Obige sportliche Leistung ist wohl bislang noch von keinem hiesige Verein erreicht worden.

 

In der gleichen Nr. 187 steht der Bericht über ein 50 km-Vorgabe-Rennen des  Brandenburger–Touren-Radfahrer- Vereins 1896  mit10 Startern:   Sieger wurde in 1:40 Std. (vom Mal) Herr  G. Gräben, 2. H Voß (1:42 ½), 3. H. Meßler (1:50 mit 3 Min. Vorgabe), 4. H. Müller, 5. Koppen, 6. Lorenz, 7. Richter, 8. Begel, 9. Weise. Den Trostpreis erhielt Wernitz. Abends war die Preisverleihung im Saale des Herrn Brecht im Kreise der Damen und Freunden des Vereins  mit Musik und Tanz bis nach Mitternacht.

In Nr.210 (BA)  am 7. 9. 1896 liest man den Bericht über die Distanzfahrt am Sonntag den 6.9.96  „Rund um Berlin“, die Herr G. Graeben von hier nach 14 Std. 19 Min. als erster Sieger beendete.

 

In Nr. 211 (BA) am 8.9.1896  wird berichtet, dass am vergangenen Sonntag  der Brandenburger -Radfahrer-Verein von 1884 seine  Clubrennen über kürzere Strecken abhielt.  Die Veranstaltung fand bei strömenden Regen statt und aufgeweichter Chaussee

Ergebnisse:

  1. Damenpreisfahren 1000 m:                 1. Bassow 1,58 Min., 2. Hampe, 3. Hollerbaum
  2. Erstfahren 2500 m:                              1. Seyfarth 5,53 Min., 2. Kindel, 3. Klewitz
  3. Hautfahren 5000m:                              1. Hampe 10,13 Min., 2. Bassow, 3. Seyfarth
  4. Landsturmfahren 5000m mit Wende:  1. Hollerbaum 11,29 Min., 2. Fischer, 3. Fricke
  5. Vorgabefahren 5000m mit Wendepunkt: 1. Seyfahrt 11:55,15  Min., 2. Bassow 11,50 vom Mal, 3. Kindel

Abends fand ein gemütliches Kränzchen im Stadtpark statt. Die Namen der einzelnen Wettbewerbe  lösen beim heutigen Leser sicher ein leichtes Schmunzeln aus!

 

Nr. 223 (BA) am  22. 9.1896

Bezirksfahrt des Bez. II, Gau 20 am Sonntag dem 20 September aus Anlass des 3. Stiftungsfestes der Neu-Ruppiner Radfahrer-Vereinigung „Wanderer“: Das Rennen Neu-Ruppin–Waisenkrug– Katerbow und zurück für Bundes-Mitglieder mit 13 erstklassigen Fahrern gewann Herr Paul Kotsch von den „Kyritzer Radfahrer-Verein“. Zweiter wurde H. Fritz Schnelle vom Brandenburger Radfahrer Verein „Vorwärts“ von 1887. Dritter wurde H. Gustav Gräben vom „Brandenburger  Touren-Radfahrer-Verein 1896. Herr Weidner  vom „Spandauer Radfahrer Verein „Germania“ erhielt den 4. Preis. Alle fuhren auf Brennabor-Rädern.

Nr. 225  (BA) am 24.9.1896 Der Brandenburger Radfahrer-Verein  „All Heil“   veranstaltete am 20.9.1896 ein Rennen Brandenburg-Genthin-BRB als Vorgaberennen ohne Schrittmacher. Dazu hatten 8 Fahrer gemeldet: Sieger wurde H. Paul Kausmann (vom Mal) in 1:41 Std., 2. H. Fritz Lücke, 3. H. Max Fischer (5 Min. Vorgabe) in 1:46 Std., 4. Carl Ströhmann, 5. Hans Postmeyer, 6. Herr Zimmermann. Den Preis als erster an der Wende erhielt Carl Ströhmann. Im „Hotel zum schwarzen Bären“ wurde anschließend ein Frühschoppen abgehalten. Nachmittags gab es einen Ausflug mit den Damen nach dem „Neuen Kruge“. Abends fand dann noch ein Commers im „Haus zum schwarzen Bären“ statt mit Preisverleihung.  

 

Die Rennen ab 1896 mit Gustav Gräben sind weiter oben in einem gesonderten Abschnitt beschrieben.

 

Der Radfahrer-Verein. „Brennabor“ veranstaltete am Sonntag, 4. Jul. 1897 das Radrennen  BRB-Genthin-Görtzke-BRB über 120 km. Start war bereits um 5:00 Uhr mit 7 Fahrern. Es wurde ab Start ein scharfes Tempo gefahren. Die beiden ersten erreichten Genthin um 5:48 h. Sieger wurde Fritz Ruhle, der das Ziel in BRB um 9:20:26 h (nach 4:20:26 h) durchfuhr. 2. Köhne, 3. Elberling, 4. Gericke. Die restlichen 3 fuhren über 5 Std. Der Erste fuhr bei heftigem Wind ein Tempo von 27 km/h. Dem Sieger ein kräftiges „All Heil“.  Abends war im „Wilhelmsgarten“ mit vielen Gästen die Preisverleihung. Danach folg- te ein Tänzchen bis in die Nacht.

Vier Brandenburger-Radfahrer-Vereine: „All Heil“ von 1884, „Vorwärts“ von 1887,  „Brennabor“ von ? und der „Tourenfahrer-V. von 1896“ waren  in den Gründerjahren des Radsports  Ende des 19. Jh. in Brandenburg a. d. Havel die aktivsten Vereine, in denen sowohl Saalsport mit Einzel- und Mannschafts-Kunstfahren, als auch Straßen-radsport betrieben wurde. Der Arbeiter-Radfahrerbund „Solidarität "von 1896  gibt es ein gesondertes Kapitel weiter oben.

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