"Der Bahnfahrer"   Zeichnung  von  Willi   Beyer  und Impressionen von der ehemaligen Radrennbahn in Brandenburg a.d.Havel an der Brielower Straße in den frühen fünfziger Jahren aus der Sammlung von Rainer Gent aus Klein Kreutz.

Der Bahnradsport hatte in Brandenburg a.d.Havel eine lange Tradition  -   sie   begann   mit   der  Einweihung  der Zement-Rennbahn im Sportpark am 14. August 1899

Bildbericht der BRAWO unter der Rubrik "Historisches" von Thomas Messerschmidt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Glanz des Sport-parks Brandenburg mit der Zementradrenn- bahn ist heute nichts mehr erhalten. Es gibt nur noch wenige Über-reste als Hinweis auf ihn. Das Gelände wur-de in Kleingartenpar-zellen aufgeteilt. Der kleine Hafen beher-bergt die Sportboote eines Freizeitvereins.

 

Schon vor dem 1. Weltkrieg wurde der attraktive Pavillon im Sportpark ein Raub der Flammen. Radrennen wurden bis Ende der 20er Jahre noch veranstaltet. Durch die nahen Flüsse Havel und Plane war der Untergrund sehr feucht, sodass die Renn- bahn nach und nach absack- te. Rennen waren dann nicht mehr möglich. Hinter dem  Silokanal, nördlich von Brandenburg, auf dem Gelände des Sportvereins Havel 08, dort wo sich heute der Lok-Sportplatz befindet, wurde inzwischen eine Schlackenpiste errichtet, auf welcher die Pedalritter der Stadt Bran-denburg ihre Kreise ziehen und sich mit Fahrern aus Berlin und Magdeburg messen konnten. Vom einstigen Sportpark ist heute nur noch wenig zu sehen. Auf ihm befinden sich zum größten Teil Kleingärten. Die Schlacken-Bahn vom aufgelösten SV Havel 08  wurde bis 1951 befahren.

 

Den sportlichen Schwerpunkt legte die Sektion Radsport der BSG Traktorenwerk, ab 1951 BSG Motor Süd Brandenburg,  auf das Bahnfahren. Diese Disziplin hatte in Brandenburg a.d.Havel durch die Zement-Radrennbahn im Sportpark an der Plane schon eine lange Tradition, wie im historischen Teil detaillierter beschrieben wird. Zwischen 1900 und 1929 wurden dort viele große Rennen von nationalen und inter-nationalen Spitzen- Berufsfahrern und Amateuren bestritten. Einige davon waren in Brandenburg beheimatet und zogen tausende Zuschauern zu den Großveranstaltungen an.

 

Das Erfolgsteam der ersten Nachkriegsjahre

 

 

 

Erwin Rüdiger, ein junger Schlosser im Traktorenwerk, welches nach dem 2. Welt-krieg in den ehemaligen Brennabor-Werken etabliert worde war, hatte nach Kriegsende und der Rückkehr aus der Gefangenschaft 1946 bald  auf der Aschenbahn hinter dem Silokanal (heute Lok-Sportplatz) an Rennen teilgenommen. Vor allem Fahrer aus Magdeburg und Berlin fanden sich dort ein, zunächst vor allem Berufsfahrer, denen wegen des "Broterwerbs" das Fahren von der sowjetischen Militäradministration alsbald erlaubt worden war. Mit Rudi Kirchhoff und Schwandt war er auch Zweier-Mannschaftsrennen gefahren. 1948 kehrte endlich sein Vetter, Erich Peter, aus englischer Kriegsgefangenschaft zurück. Diesen, der eigentlich Fußballer war, hat er 1950 dazu motiviert, auch Radrennfahrer zu wer- den. Durch die Cousins, die beide einen Vornamen als Nachnamen trugen, Rü- diger und Peter, nahm der Bahnradsport in Brandenburg  nach dem 2. Weltkrieg einen gewaltigen Aufschwung. Zunächst wurde nur auf Aschenbahn, doch bald ab 1951  auf  der aus Kriegstrümmern der Innenstadt neu erbauten Zementbahn an der Brielower Straße gefahren. Die beiden Lokalmatadore waren aber nicht nur auf der "Hausbahn" sehr erfolgreich, sondern triumphierten auch auswärts bei vielen Rennen. Beide trugen das Auswahltrikot des DDR-Radsportes und waren mehr- fache Meister des Landes Brandenburg, welches ja zu Beginn der DDR schon einmal existiert hatte.

 

Kurt Wilhelm schrieb einmal, dass die Aschenbahn hinter dem Silokanal  dann vom Beton-Oval auf dem Werner-Seelenbinder-Sportplatz an der Brielower Straße  1951 abgelöst wurde. Viele Jahre wurden auch dort ausgezeichnet besetz- te und spannende Rennen ausgetragen bis Ende der 50er Jahre. Die letzten Lokalmatadore hießen Erwin Rüdiger  und Erich Peter. Parallel zum danach einsetzenden spitzensportlichen Niedergang des Bahnradsports in Brandenburg setzte auch der Verfall dieser Bahn ein. Sie wurde zunächst teilweise und schließlich 1984 ganz abgetragen.

In der DDR wurde der Leistungssport seit Mitte der 50ger Jahre in Sportclubs konzentriert, die sich für den Radsport der Region Brandenburg in Berlin und später Leipzig bzw. Frankfurt/Oder befanden!

Eine große Freifläche neben dem Fußballfeld vom BSC 05  lässt noch die Lage der Bahn erahnen.

Wenn man vom Stadtteil Nord kommend einen Blick auf das Gelände wirft, passiert man einen sonst schmucklosen Bau  einer Trafo-Station. Ein Graffitikünstler hat an allen vier Seiten wunderschöne Szenen gesprüht, die an die kurzen, goldenen Zeiten dieser Radrennbahn erinnern. Bei etwas Phantasie hört man noch das Knattern der Schrittmachermaschinen und die Anfeuerungsrufe aus tausenden Kehlen des Publikums: "E.......rwin,  E......rich". (Quellen: Zeitungsartikel von Kurt Wilhelm)

 

Über den Beginn und die Aktivitäten des Radsportes vor dem 1. und 2. Weltkrieg  habe ich 2017 emsig recherchiert. Immerhin feierte der BSC Süd 05    im Jahr 2015  seinen 110. Geburtstag.

Der Radsportverein als Teil des BSC Süd 05 glaubt nun auch, eine solch lange Tradition zu haben. Das ist nach den Fakten jedoch nicht richtig, aber auch nicht ganz falsch. Dazu mehr auf den nächsten Seiten.

 

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