Die aktive Zeit von Otto Köpp

Im Brandenburger Anzeiger am 20. Juni 1910 wird im Bericht über die gestrigen Rennen  im Sportpark  das kühle und stür-mische Wetters erwähnt. 3000 Zuschauer waren gekommen. Die ehemalige Bahnfahrer Dornburg und Otto, der ältere Bruder, des 1908 tödlich verunglückten Gustav Schadebrodt aus Brandenburg, fuhren  inzwischen Schrittmachermaschinen. Beim kleinen Preis siegte der Amateur Adam aus Brandenburg, bei den Profis Paul Janke-Berlin hinter Schrittmacher Otto Schade-brodt.

Im Zweier-Mannschaftsverfolgungsrennen über 10 km, gewannen Gullmann u. Köpp aus Brandenburg vor Knape/Redemsky aus Berlin. Da die Vornamen nicht genannt wurden, kann man nur vermuten, dass es sich hier um den jungen Otto Köpp handelte. Er war zu dieser Zeit 17 Jahre alt.

Am 7.4.1912, dem 1. Ostertag, fanden die angekündigten Rennen im Sportpark, trotz des regendrohenden Wetters unter der Leitung des Direktors Willy Lücke statt. Sie wurden flott abgewickelt. Besonders interessant war das Rennen, „Der Erst Start“, wozu sich 40 Fahrer gemeldet hatten und einen Herrn Fischer über 2000m in 3:05 Min. als Sieger sah. Er war Mitglied des hiesigen Radfahrer-Vereins „Sturmvogel“ und nahm freudestrahlend den Preis in Form einer neuen Bahnrenn-maschine in Empfang. Nur um Reifenstärke hatte er den Endlauf vor Schulz-Rathenow gewonnen.

In den drei Dauerrennen über 10, 20 und 50 km siegte Steffen-Berlin. Jedoch fand er in dem außer Konkurrenz gestarteten Dauerfahrer Quadfasel-Rathenow einen beachtlichen Gegner, wogegen der Holländer van Lyck-Rotterdam die Erwartungen nicht erfüllte

Bei den weiteren Rennen, die offen nur für Brandenburger Rennfahrer waren, siegte in allen Wettbewerben: 1. Fliegerhaupt-fahren 1000 m, 2. Fliegerausscheidungsrennen, 3. Match zwischen Köpp und Fischer über 1000 m Vorgaberennen 4. über 2000 m Otto Köpp in jeweils 2:04 Min., 1:46 Min., 1:10 Min. und in 2:45 Min.

Die Vereinigung Brandenburger Rennfahrer 1910 hielt am gestrigen Sonntag, dem 18.8.1912 ihr 100 Kilometer-Straßenrennen auf der Strecke: Brandenburg-Ziesar-Belzig-Brandenburg ab. Sieger dieses Rennens wurde Otto Köpp mit 3 Std. und 2 Min. vor W. Tauchert in 3:15 Min. und als Dritter folgte Fr. Thiem in 3:15.1Std. Platz 4 bis 6 belegten Fr. Dornburg, H. Wilke und R. Stucki. Dann folgten in kurzen Abständen Gericke, Engel, Drange und Groth.                                    

Gestern, 22.9.1912 fanden die letzten Radrennen im Sportpark in dieser Saison statt zu denen  4000 Radsportfreunde als Zu-schauer kamen. Es gab wieder  ein abwechslungsreiches Pro-gramm, und bei günstigem Wetter konnten die Rennen trotz einiger leichter Stürze glatt erledigt werden.

Bei den Fliegerrennen dominierten die Berliner Fahrer, doch auch einige Brandenburger zeigten, dass sie bei fleißiger Übung später noch mehr leisten werden. In den Dauerrennen Klasse A standen sich mit Schulze und Rosenlöcher ebenbürtige Fahrer gegenüber. Die Klasse B der Dauerfahrer sah den Brandenburger Otto Köpp in Front. Wilke-Brandenburg bringt es bei fleißigem Training sicherlich noch zu etwas.

Die Resultate:  Der Berliner Willy Techmer gewann das Haupt-fahren über 1000 m in 2:01 Min, das Vorgaberennen 1333 1/3  (vom Mal) in 2:40 Min. und das Prämienfahren. Dabei errangen Drange,  Dorenburg  und  Matusch,  alle Brandenburg,  Platz 4 - 6

Die Dauerrennen  für Klasse A über 10 und 30 km gewann jeweils Schulze-Zehlendorf 11:46 Min. und 30:54² Min., über 20 km siegte Rosenlöcher-Berlin in 23:25 Min. Das Ausscheidungs-rennen sah Tadewald-Berlin  in 3:25 Min. vorn, und beim Meilenfahren über 2000 m gewann er in 2:32 Min.,

Die Dauerrennen Klasse B 10 und 20 km  gewann jeweils  Otto Köpp 11:43² Min. bzw. in 23:56 Min. jeweils vor  Pietsch-Berlin 330 m zurück, 3. Wilke-Brandenburg 1000 m zur.

Die Radrennen im Sportpark am 24.8.1913 hatten trotz der Volksfestveranstaltung auf dem Görden noch eine große Zahl Sportsfreunde angelockt. Die Rennen boten interessante Kämpfe. Der Brandenburger Köpp ging bei sämtlichen Dauerrennen stets mit der Spitze ab, konnte aber seine Position späterhin nicht behaupten. Brummert-Magdeburg und Bardoni-Italien kämpften hart um den Sieg, der schließlich nach zwei Dauer-rennen an Brummert fiel, da  Bardoni nach jedem Angriff auf Brummert Kettenschaden erlitt. Im „Goldenen Rad“ fuhr Bardoni auf einer geliehenen Rennmaschine. Bei dem heißen Kampf erlitt Brummert einen Schwächeanfall, und unter dem Beifall der Zuschauer setzte sich Bardoni an die Spitze und gewann das „Goldenen Rad“. Die Resultate sind kurz folgende:

Havelpreis (20 km): 1. Brummert in 23:22 Min., 2. Bardoni 50 m zurück, 3. Köpp 1 Rd. zur.

Goldenen Rad (50 km): 1. Bardoni in 55:45 Min., 2. Brummert (3/4 Rg. zur.), 3. Köpp 3 Rd. zur.

Beim Fliegerrennen war Stucki-Mötzow Sieger. Am Schluß fand die mit Spannung erwartete Radverlosung statt. Es wurde von dem Italiener Bardoni zuerst die Nr. 731 gezogen. Dabei stellte sich heraus, daß diese Nummer gar nicht verkauft war. Darauf zog der Italiener nochmals, und zwar die umgedrehte Nr. 137, jedenfalls ein interessanter Zufall. Glücklicher Gewinner war Herr Lehrer Lehmann

Im Einwohnerverzeichnis von Brandenburg finden sich 1923 zwei Personen mit dem Namen Otto Köpp: Ein Oberpostsekretär aus der Wollweberstraße und ein Arbeiter in der Blumenstraße. Der Letztgenannte zieht dann nochmals in die Werderstraße und Große Gartenstraße um. Bei ihm handelt es sich um den Radsportler Otto Köpp, das Mitglied und der spätere Vereinsvorsitzenden nachweislich spätestens ab 1927 der Vereinigung Brandenburger Rennfahrer von 1910.

Im BA am 5.8.1926 wird berichtet, dass die V.B.R. v. 1910 (D.R.U.) am vergangenen Sonntag die 1- km-Meisterschaft in Klein Kreutz  im Modus: Vorläufe, Zwischenläufe und 1 Endlauf durchgeführt habe. Jeweils die beiden ersten Fahrer kamen weiter. Viele Zuschauer hatten sich eingefunden. Bei den Aktiven  siegte Otto Gierth und bei den Tourenfahrern Otto Köpp. Er war da 33 Jahre alt, und damit ist belegt, dass er auch später  selbst radsportlich noch aktiv war.

Er besaß offensichtlich ein großes Organisationstalent. Mit dem Fortschreiten der Umgestaltung des Sportbetriebes im Deutschen Reiche nach 1933 wurde durch die zunehmende Zentralisierung die Vereinsvielfalt stark reduzierte. Ab 1936/37 existierten nur noch zwei Radsportvereine: Radfahrer-Verein „Brennabor von 1891“  und die  Vereinigung Brandenburger Renn-fahrer von 1910, den Otto Köpp dann als „Vereinsführer“ leitet. Ab 1938 besteht im Sport Verein Havel 08 e.V. eine Radsportabteilung, als deren Fachwart ebenfalls Otto Köpp fungierte. Während im anderen, noch existierenden Verein „Brennabor 1891“, unter dem „Vereinsführer“, Franz Rulfs, der Saalsport mit Reigenfahren und Radballspiel, sowie das  Wanderfahren betrieben wurden, setzte man bei SV Havel 08 vor allem auf den Radrennsport, der auf der vereinseigenen Havelaschenbahn (heute Victoria--Sportplatz)  ausgeführt wurde. Dabei gelingt es Otto Köpp hervorragende eigene Fahrer heranzubilden, die der starken Konkurrenz aus Berlin und Mag-deburg bis Ende 1944 sehr häufig die Stirn bieten konnten, wie: Heinz Betge, Erwin Buck, Heinz Lotsch und auch sein eigener Sohn, Günter Köpp, die alle im 2. Weltkrieg gefallen sind. Dazu kamen auch noch einige andere Fahrer, wie z.B. Richard Drange.

Nach dem Kriege wurden die bestehenden Vereinsstrukturen in Deutschland, aus den bereits oben beschrieben Gründen, von den Alliierten zerschlagen, so auch in Brandenburg. Als dieser Befehl in der SBZ durch die SMAD 1946 aufgehoben wurde, war Otto Köpp, der inzwischen in der Churstraße 71 wohnte, einer der Ersten,  die den Radsport in seiner Heimatstadt wieder organi-siert in Gang brachten. Er wurde der erste Vereinsvorsitzende der BSG Traktorenwerk/ Motor Süd Brandenburg und veranstaltete wieder gut besuchte Bahnrennen für Berufsfahrer und Amateure auf der Havelbahn, die dank seiner hervorragenden Kontakte zahlreich und gern hier  herkamen.           

Fahrer aus Berlin, Magdeburg und dem Land Brandenburg, die den Krieg heil überstanden hatten, waren oft zu Gast. Doch zunehmend war er von seiner Krankheit gezeichnet. Am 17. Februar 1952 um 9:15 Uhr verstarb er an einem Tumorleiden im Städtischen Krankenhaus Brandenburg

 

Der Radsport in Brandenburg hat diesem Manne viel zu verdanken. Chapeau, Otto Köpp!!