Eine alte Radsportfreundschaft rostet nicht!

Als Fahrer in der Jugenklasse 14 - 16 Jahre -  1963

Horst Wagner (re.) und Fritz Baars 1963 in Kalbe/Milde (Straßenbezirksmeisterschaft vom Bz. Magdeburg)

Ein Wiedersehen nach 50 Jahren -   am 13.8.2015

H. Wagner links, mein altes Fotoalbum hatte ich mitgenommen.

Vor etwa eineinhalb Jah- ren bekam ich einen An- ruf aus Torgau

Eine Stimme, die ich über 50 Jahre nicht mehr ge- hört hatte, fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, wer da an der "Strippe", besser am Smartphone, hängen würde?  Ich hat- te diesen Stimmklang nicht vergessen und er- kannte meinen alten Rad- sportfreund, Horst Wagner, ehemals aus Magdeburg stammend, auf Anhieb!

Das wurde nun ein sehr, sehr langes Gespräch, und wir kamen vom Hun- dertsten ins Tausendste, was ja dank "Flatrate"  heutzutage finanziell nicht mehr in den Ruin führt.

Von nun an telefonierten wir sehr häufig. Das ist für zwei Menschen im Ruhe- stand  auch ein schöner Zeitvertreib. Dabei denke ich schon mal an meine Stu- dienzeit in Halle/ Saale zurück. In sechs Jahren habe ich ganze 3 oder 4mal zu Hause angerufen und dafür mehrere Stunden auf dem Hauptpostamt gesessen, um auf eine freie Fernleitung zu warten.

Über einen Besuch wurde oft gesprochen, dieser jedoch bisher nicht realisiert. Nun wollte ich aber nichts mehr auf die lange Bank schieben, und kurzerhand wurde ein Termin festgelegt. Dass es ausgerechnet der 13. August war, merkte ich erst hinterher. Der Navi wurde also mit den entsprechenden Daten gefüttert, und dann ging es über  den Fläming, sowie entlang der Elbe ab Wittenberg in die geschichtsträchtige Stadt Torgau.

Nach einer freudigen Begrüßung und dem Austausch freundlicher Komplimente, dass der andere sich doch ganz gut gehalten habe,  nahmen wir in einer ruhi- gen Ecke der Wohnung Platz und blätterten in meinem alten Fotoalbum, das chronologisch viele unserer etwa vierzig bis fünfzig gemeinsamen Rennen im Jugendalter beinhaltet. Seine rücksichts- und verständnisvolle Ehefrau bemerk- te sofort, dass sie bei den in alten Erinneungen schwelgenden "Radrennern" nichts ausrichten konnte und zog sich diskret mit dem Enkelsohn zurück.

Später haben wir dann zu Mittag in einer schönen, elbnahen Gaststätte gespeist und setzten das "Graben in unserer radsportlichen Vergangenheit", in Familie Wagners schönem Garten, wie passend, auf einem schattigen Plätzchen fort.

Mich interessierte natürlich auch brennend, wie es ihm als Leistungssportler beim DDR-Eliteklub, SC Wissenschaft DHfK in Leipzig, in den vielen Jahren seiner Zugehörigkeit, ergangen war. Er berichtete mir über den Umfang und die ausgefeiltenTrainingsmethoden und erzählte von den wichtigsten Eintages- rennen und Rundfahrten im In- und Ausland, an denen er teilgenommen hatte, und bei denen er so manchen schönen Erfolg  einfahren konnte.

Gut gestärkt mit Kaffee und Kuchen kehrte ich am frühen Abend  nach Branden- burg zurück. Bei der gut zweistündigen Rückfahrt kam mir dann der Gedanke, diesen Mann aus den erfolgreichen Tagen des DDR-Radsportes auf dieser Website einmal vorzustellen. Wenn ihm auch die ganz großen Siege bei Friedensfahrten,  Weltmeisterschaften oder olympischen Spielen verwehrt blie- ben, so fuhr er doch auf einem Niveau, wo es mit etwas Glück dazu hätte kommen können. Er ist noch mit einigen großen der alten Garde, wie z.B. Berhard Eckstein, Klaus Ampler  und Lothar Höhne gefahren. Sein Palmare's, welches ich anhand der Ergebnisberichte in der Verband-szeitschrift,  "Der Radsportler",  versucht habe nachzuzeichnen, kann sich auf jeden Fall sehen lassen!

 

Also, falls ich etwas mehr Interesse geweckt haben sollte, bitte weiterlesen. Wer mehr Details wissen möchte, klickt sich auf die Unterseiten ein.

 

 

Curriculum vitae des Radsportlers Horst Wagner

Beginn als Tourenfahrer 1961

Radsportliche Grundausbildung bei BSG Turbine Magdeburg bis 1965

Horst Wagner geboren am 1. November ist, wie ich, Jahrgang 1947. Wir lern- ten uns im April 1963, beim  Frühjahrsrennen  "Magdeburg-Stendal-Magde- burg", der jährlichen  Saisoneröffnung unseres damaligen Bezirkes, kennen. In einer Viermannspitzengruppe waren wir beizeiten abgefahren, wurden dann jedoch jäh von der Bahnschranke in Barleben gestoppt. Viele Fahrer holten uns dadurch wieder ein. Doch den Endspurt machten wir dann wieder unter uns aus, wobei ich  glücklicherweise etwa um eine Vorderradlänge die Nase vorn hatte.

Seine Vater, Willi Wagner, der seinen Sohn manchmal zu Rennen begleitete,  ein  freundlicher, zurückhaltender Mann, war einst selbst Radsportler in Mag- deburg. In der vom Krieg schwer zerstörten Großstadt verloren auch Wagners im Bombenhagel ihr zu Hause. Vater Wagner zog dann mit Frau und Tochter in die Gartenkolonie in den Meerwellen und baute das Provisorium nach und nach aus, so dass für die größer werdende Familie der Platz einigermaßen ausreichte. Letztendlich gehörten zwei Mädchen und zwei Jungen dazu.

Horst fand nicht nur Freude am Radfahren, sondern er liebte es, besonders schnell zu fahren. Da kam ihm die Gelegenheit der Teilnahme an sogenannten "Tourenrennen" im Rahmenprogramm von Radsportveranstaltungen gerade recht. So gewann er 1961 beim Tribüne-Bergpreis ein kleines Rennen über 5 Runden im Stadion - der Anfang einer Karriere, die dann 14 Jahre dauern sollte.

Nach einigen weiteren Erfolgen bei solchen Veranstaltungen, zog es ihn dann doch zum "richtigen" Radsport. Er trat 1962 der BSG Turbine Magdeburg bei, einem kleinen Verein mit Tradition, der immer mal wieder einen erfolgreichen Fahrer hervorgebracht hatte. Nach der Schule begann er eine Lehre als Dre- her.

Da mein sportlicher Weg fast parallel verlief, trafen wir uns folgerichtig zur oben beschriebenen Saisoneröffnung im April 1963.

Von nun an sahen wir uns bei vielen Rennen und dominierten 1963  die soge- nannte "Kleine Jugend"  (14-16 Jahre) im Bez. Magdeburg für ein paar Monate bis zu einem verhängnisvollen Sturz bei einem DDR-offenen Rennen in Kalbe/Milde, wo wir vor dem Feld spurtend uns im Übereifer verhakten und beide in voller Fahrt auf das Straßenpflaster "knallten". Mich hatte es etwas mehr erwischt mit einer tiefen Schnittwunde am Gesäß.  Das brachte unsere Er- folgsserie doch etwas ins Straucheln, doch nach ein bis zwei Monaten waren wir wieder da und feierten erneut schöne Erfolge. (siehe auch unter Lokomotive Haldensleben)

                Gemeinsam fuhren wir mit Benno Rosenthal von Lok Magdeburg und Hans Preuß von Aufbau Güsen in der Bezirksauswahl das Vierermann- schaftsfahren um den FDJ-Pokal in Holzweißig, was der DDR-Jugend-meisterschaft entsprach.

1964 schafften wir beide schnell den Aufstieg in die Lkl. I der A-Jugend. Auch in diesem und dem folgenden Jahr wurden erfolgreich Rennen gefahren: Siege und vordere Platzierungen erreicht.

Wegen gestiegener schulischer Anforderungen vor dem Abitur und meiner an- deren beruflichen Lebensplanung, konnte ich den nötigen Trainingsumfang für die Leistungsanforderung nicht mehr realisieren und beendete Mitte 1965 mei- nen aktiven Radsport und "mottete " meine Diamantmaschine ein.

          Ganz anders verlief es bei Horst Wagner. Er hatte den richtigen Trai- ningsrhythmus gefunden und wurde immer besser.

Als Jugendfahrer hat er bei der Teilnahme an etwa 80 bis 100 Rennen viele da- von gewonnen und vordere Platzierungen erreicht.

Schlüsselerlebnis war dann aber sein 4. Platz in der hochkarätig besetzten Ju- gendklasse A bei der Harzrundfahrt 1965 in Magdeburg. Gut 130 Fahrer hatten sich dem Starter gestellt. Horst war dann irgendwann entwischt und wurde erst kurz vor dem Ziel im Rothehorn-Park von drei Fahrern, darunter je ein Klubfahrer der DHfK Leipzig und von SC Dynamo Berlin gestellt und überspurtet. Das imponierte aber dem Nachwuchstrainer des Sportklubs DHfK, Otto Busse, so sehr, dass er seine Fühler nach ihm ausstreckte. Um es kurz zu machen. Er streckte nicht nur aus, er packte  auch zu. So kam es, dass ein 4. Platz seinem Leben eine neue Richtung gab.

 

Es folgen einige private Bilder

"Dienstantritt" beim SC Wissenschaft  DHfK Leipzig im Januar 1966

Nachdem H. Wagner von seiner Sektion bei Turbine Magdeburg gebührend verabschiedet worden war, reiste er in Leipzig  im Januar 1966 an.

Die  Deutsche Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK) war für die Lehre und Forschung im Bereich des Sports konzipiert worden. Es wurden Diplomsportlerlehrer, Übungsleiter und Trainer für den Spitzensport aus- ge- bildet. Die Studenten waren in der  HSG Wissenschaft DHfK organisiert, in der nicht primär Hochleistungssport betrieben wurde.

Für diese Zielstellung war der  angeschlossene SC Wissenschaft DHfK vorge- sehen. Der Sportklub hatte Sektionen für verschiedene Sportarten, wie z.B.: Leichtathletik, Schwimmen, Handball, Turnen usw. Darunter befand sich auch die sehr erfolgreiche Sektionen Radsport, die insbesondere durch den zwei- maligen, aus Heyrothsberge bei Magdeburg stammenden Gustav-Adolf, genannt "Täve" Schur, weltbekannt wurde. In dieser Sektion gab es auch eine große Kinder- und Jugendabteilung, die teilweise bis 80 Sportler umfasste, viele davon aus der Stadt und dem Raume Leipzig. Aber, man konnte  bei ent- sprechenden Leistungen in seiner Sportart in möglichst jungen Jahren aus entfernteren Orten dort hin delegiert werden, oder man machte bei z.B. DDR- offenen Rennen durch herausragenden Leistungen auf sich aufmerksam und wurde durch die Jugendtrainer des Klubs "entdeckt". Ein abgelegtes Abitur oder die Aufnahme eines Studiums war nicht zwingend erforderlich. Die Sport-ler(innen) in diesem Club sollten durch systematisches, wissenschaftlich fundiertes und gut  strukturiertes Training zu Höchstleistungen befähigt werden, die  sich in klingendes Edelmetall bei Europa- und Weltmeisterschaften, sowie bei olympischen Spielen für den Staat verwandeln sollten. Die interna-tionale staatliche Anerkennung der DDR über den  erfolgreichen, Schlagzeilen in allen Medien produzierenden  Spitzensport, war eine Haupttriebfeder in diesem System.

Horst war von Beruf Dreher. Eine Studienaufnahme war damit nicht möglich. Der zweite Bildungsweg über die Arbeiter- und Bauern-Fakultät (ABF) war an der DHfK 1963 abgeschafft worden. Damals und bis zur Wende galt es  un- bedingt, den Amateurstatus irgendwie aufrecht zu erhalten, denn die wichtigsten internationalen Wettbewerbe  waren den Amateuren vorbehalten. In der west- lichen Welt entwickelte sich darum das Sponsoring, um den Spitzensport- lern(innen) überhaupt die Möglichkeit für den zeitlich oft riesigen Trainigsauf- wand zu geben, damit sie Höchstleistungen erzielen können.

Im Ostblock, so auch in der DDR, wurde auf den von den Schweden vor den Olympischen Spielen 1912 erfundenen "Staatsamateur"  in verschiedenen Spielarten zurückgegriffen: "Ewiger Student, Behördenangestellter, Polizei-dienst, Militärdienst oder auch Halbtagsarbeit in einem VEB (Volkseigener Betrieb) oder einfach nur auf der Gehaltsliste stehen".

So erging es also auch dem Horst. Man stellte ihn alsbald in einem Metall-betrieb in Leipzig  als neuen Halbtagsmitarbeiter vor, der in der zweiten Hälfte des Tages "Radsport  zu arbeiten" hatte. Dort wusste man Bescheid, dass ein Neuer auf die Lohnliste kam,  und eine nicht gerade üppige, aber auskömmliche finanzielle Grundversorgung war damit besiegelt.

 

Willkommen im Klub

 

Lebensumstände, Arbeit, Ausrüstung

 

Die Unterbringung war zunächst in einem Internat zu zweit auf einer Stube. Die räumliche Ausstattung war sehr spartanisch: Linoliumfußboden, Kleiderschrank/ Schreibtisch, Tisch/ Stühle, zwei Betten, Hocker. Das erinnerte eher an eine Stube in einer Kaserne beim Grundwehrdienst. Der Kaloriengehalt der Mahlzei- ten war auf die Sportarten abgestimmt und wurden zentral im Speiseraum eingenommen. Im Gelände der DHfK befand sich auch ein "KONSUM", wo es sog. "Südfrüchte" (Bananen, Apfelsinen etc.) gekaufen werden konnten, die für gewöhnlich Mangelware in der DDR waren!  Vor schweren Wettkämpfen gab es dafür zusätzlich kostenlos Extragutscheine.

In der Anfangszeit war einer halbtägigen beruflichen Beschäftigung nachzu- gehen, wie schon beschrieben. Bis zur ganztägigen Freizeit für das Training musste der Athlet erst Leistungen und Ergebnisse bei Meisterschaften  vorwei- sen. Ein Trainingsrennrad wurde aus dem Fundes des SC gestellt. In der Regel war es zunächst eine gebrauchte, passende Maschine, die von den oberen Lkl. "abgelegt" war. Es gab eine Werkstatt mit Mechanikern für speziellere Wartun- gen  oder Reparaturen der Räder im Keller des Internates, die von der "Friedensfahrtlegende", Erich Winkler, geleitet wurde.

Die einheitliche Rennbekleidung des Klubs war damals für die Radsportler in den Farben grün und weiß gehalten

Zur Bewusstseinsbildung erfolgten wöchentliche gesellschaftswissenschaftliche Schulungen, die im Volksmund auch "Rotlichtbestrahlung" genannt wurden, ins- besondere auch vor Starts im nichtsozialistischen Ausland.

 

Training

 

Der Nachwuchsbereich hatte eine eigene Trainingsgruppe mit hauptamtlichen Trainer, der einst selbst Spitzenradsportler war. Das Training wurde zunächst täglich in der zweiten Tageshäfte durchgeführt: Planmäßig und strukturiert mit Aufbauphase und zunehmender Belastung im Laufe der Saison. Der Trainer dokumentierte in bis zu 5 Listen, die teilweise EDV-mäßig erfasst wurden, das subjektive Befinden und die objektive  Entwicklung der Athleten. Es wurde auf genügend Regeneration geachtet (Massage,Sauna) in Kombination mit sport- lichen und medizinischen Leistungstests und Untersuchungen, auch gelegent- lich in dem sportmedizinisch hoch spezialisierten Zentrum in Kreischa.

Bei wichtigen sportlichen Höhepunkten (WM, Friedensfahrt, Olympische Spiele) wurde auch mal in der "Medaillienschmiede Kienbaum" trainiert.

Ergometer- Leistungstest

 

 

Überprüfung der Trainingserfolges durch eine ergo- metrische Leistungskontrolle 1970.

 

Von Zeit zu Zeit wurde der Trainingserfolg auf dem Ergo- metermeßplatz objektiviert. Bei der sportärztlichen Unter- suchung gehörte  eine EKG-Kontrolle obligatorisch dazu. Auch wurde bereits der Fettanteil des Körpers bestimmt. Einerseits ist das Körperfett neben den Kohlenhydraten ein wichtiger Energielieferant für die Kraftentwicklung in den Muskeln. Es ist aber bei den meisten Menschen und damit auch bei den Sportlern eher im Übermaß vorhan- den und wird damit andererseit zum Ballast, der gerade von den Radsportlern die Berge "hinaufgeschleppt" wer- den muss.

Bei einem Belastungs-Test in 4 Stufen wurde über einen definierten Zeitraum das Erreichnen der maximalen Herz- frequenz angestrebt. Nach einer festgelegten Ruhepause erfolgte die  Feststellung der Erholungsfrequenz. Aus der Differenz wurde dann die Sauerstoffaufnahme berechnet. Einige Laborwerte aus dem Blut, u.a. der Laktatwert und der Basenüberschuss, vervollständigten den Test.

Wettkämpfe im Inn- und Ausland

 

Zu den Wettkämpfen wurde mit den ausgewählten Fahrern gemeinsam im Kleinbus angereist. Bei Wettkämpfen im entfernteren  Ausland wurde geflogen. Die Sportler erhielten dann auch ein Taschengeld in der entsprechenden Wäh- rung.

 

 

Nun chronologisch zu den wichtigsten Rad- sporterfolgen in seiner Laufbahn von 1966      bis 1975

Im Jahre 1966 lief es in der Lkl. III (unterste Männerklasse) sehr gut an. Horst wurde Bezirksmeister vom Bz. Leipzig und gewann den "Azet Preis" einer Leipziger Lokalzeitung. Unter Leitung von "Täve" Schur, der inwischen als Nachwuchstrainer fungierte nahm er an einer Sternfahrt in Bukarest teil und be-legte nach 4 Etappen dieser U21 Prüfung den 2. Platz in der Gesamt- wertung. Mit der Mannschaft: Willgruber (ASK Leipzig), Altmann und Sommerlatte beide   (SC Dynamo Berlin), Kaempf (SC K.-M.-Stadt) wurde Platz 1 in dieser Wertung erzielt.

Durch die Ergebnisse des Jahres 66 gelang ihm 1967 der Aufstieg in die Leis- tungsklasse. Bei der DDR-Rundfahrt dieses Jahres belegte er hinter dem schon genannten Berliner Altmann den 2. Platz der Wertung des besten Nachwuchs- fahrers (Weißes Trikot). Nach 8 Etappen war er in der Einzelwertung 44. Bei einer Vieretappenfahrt in Trencin (CSSR)  gewann er eine Etappe. Auch hier wurde er von G.A. Schur als Trainer betreut.

Allerdings litt er in  dieser Saison unter einer Formschwäche, die er sich zu- nächst nicht recht erklären konnte. Vermutlich hat er im Übereifer zu viel und zu oft trainiert und die wichtige Regenerationsphasen vernachlässigt. Nach den Symptomen, an die er sich erinnern konnte, war wohl das sogenannte "Sym- pathische Übertrainingssyndrom" die Ursache. Nach einer längeren Trainings- pause, die ihm sein Trainer "verordnet" hatte, erzielte er dann auch wieder vor- dere Plätze.

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1968 wurde unter dem Trainer Bogeslaw Scheunemann mit der Nach- wuchsauswahlmannschaft(B. Höcke, Windisch,W. Wesemann) beim internati- onalen Olympia-Preis im Straßenvierer  der 3 Platz erkämpft. Bei der diesjäh- rigen DDR- Rundfahrt belegte er auf der 7. Etappe hinter Grabe (DHfK) und Steiner (SC K.-M.-St.) Platz 3 und wurde in der Gesamtwertung 15.

        1969 nahm an der Algerien-Rundfahrt von Oran über Algier nach Anaba über 10 Etappen teil. Auf der 1. Etappe in Oran erspurtete er einen 2. Platz, und auf der 4. Etappe wurde er 4. In der Gesamtwertung landete er auf Platz 12.

Bei der Ostseefernfahrt von Koszalin nach Klaipeda für Nachwuchsfahrer U21 erzielte er in der Endabrechnung Platz 2 hinter Neljupin (UdSSR).

Mit der ersten Mannschaft seines Klubs  gemeinsam mit Dieter Mickein, Klaus Ampler und Bern Knispel wurde er DDR-Meister im Vierermannschaftsfah- ren über 100 km in Lübben.

Für die Weltmeisterschaft  in Brno (CSSR) wurde er als Ersatzfahrer für den "Vierer" unter Trainer Roland Elste (Berlin) vorbereitet. Einen Tag vor den WM wurde er dann offiziell nominiert und konnte dort im Einzelrennen mannschafts- dienlich mitfahren, begleitet von Trainer Herbert Weißbrot (DHfK).

Schließlich nahm er auch noch an der Bulgarien-Rundfahrt teil und konnte auf einer Etappe hinter Kotev (Bul.) den 2. Platz belegen. (Insgesamt Platz 24).

Von 1968 und 1969 besitze ich nur wenige Exemplare des "Radsportlers", so dass  nur wenige Ergebnisse daraus dokumentiet werden konnten.

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folgende Fotos privat

Mit 1970 beginnt  neues Jahrzehnt. Horst Wagner  hatte sich in der Spitze der Elite des DDR-Radsportes fest etabliert. Der Straßenradsport zu dieser Zeit wird von Fahrern wie: Ampler, Peschel, Mickein, Knispel, Dähne, Borschel, Huster, Gonschorek, Patzig und Voigländer, Appler, Butzke, um nur einige zu nennen, dominiert. Der DHfK-Vierer mit Dähne, Grabe, Wagner und Schiffner errang erneut in Lübben den DDR-Meistertitel über 100 km. Bei der DDR-Kriteriumsmeisterschaft, die Axel Peschel (SC Dynamo Berlin) ge- wann, stand Wagner erneut auf dem Podium mit Platz 3. Bei einem Zwei- etappenrennen in Wien über 370 km wurde er Gesamtvierter mit Platz 6  auf dem ersten und 4 auf dem zweiten Teilabschnitt.

Auf der Bahn kam er gemeinsam im Vierer mit Gruner, Hoffmann und Rudolph auf dem undankbaren 4. Platz ein und schrammte knapp an einer Me- daille vorbei. Bei vielen weiteren Straßenrennen und Kriterien belegte er Platzierungen unter den ersten Zehn.

1971 sollte sein Traum, den  wohl die meisten Jungen, welche in der DDR mit dem Radsport begonnen hatten, einmal an der großen Friedensfahrt teilzu-nehmen, endlich in Erfüllung gehen. Er wurde für den Vorbereitungskader nominiert. Doch es wurde nichts daraus, denn wie auf einem Podium leider nur drei zur Ehrung stehen können, so haben auch nur 6  in einer Friedensfahrt- mannschaft Platz.

Mit dem DHfK-Vierer wurde er in diesem Jahr Vize-DDR-Meister und bei der Serie für den  Kriteriumsmeister der DDR sprang erneut der 3. Platz heraus. Aufgrund seiner über Jahre gezeigten sehr guten Leistungen im Mann- schaftsfahren, wurde als Ersatzmann für den "Straßenvierer" bei den Welt- meisterschaften in Mendrisio/Schweiz mitgenommen, kam aber nicht zum Einsatz.

Letztendlich schaffte er gemeinsam mit der Auswahl DDR 2 (Gonschorek, W. Wesemann, Oberfranz, Knispel, Schiffner) Platz 1. in der Mannschaftswer- tung bei der DDR-Rundfahrt.

 

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private Fotos von H. Wagner

 

1972 war das Jahr der Olympischen Spiele in München. Horst wurde in den Olym- pia-Kader berufen. Doch in die letzte Aus- wahl schaffte er es leider nicht.

Mit dem DHfK-Vierer fuhr er erneut über 100 km auf Platz 2 ein bei den DDR-Ti- telkämpfen.

Er nahm erfolgreich an der Polenrundfahrt teil. In der Gesamtwertung belegte er Platz 5 mit nur 36 Sekunden Rückstand auf den Sieger. Bei der DDR-Rundfahrt war er bei der Endabrechnung 49.

1973 erhielt er nochmals die Chance für die Erfüllung seines Traumes aus Jugendtagen. Er wurde erneut in den Friedensfahrtkader berufen. Auch im zweiten Anlauf gelang es ihm nicht, in das Sextett eingegliedert zu werden. Nun keimte noch einmal Hoffnung bei ihm auf, denn er wurde in den WM-Kader für den "Straßenvierer" über 100 km berufen. Leider, leider zerplatzte auch dieser Traum bei dem inzwischen 26jährigen. Allerdings durfte er bei zwei Rennen in Italien starten: "Rund um Rom" und bei einem Kriterium in Parma.  Ein Defekt in Rom 30 km vor dem Ziel, machte alle Hoffnungen zu nichte. Ein Italiener nahm ihn im PKW mit zurück in die "Ewige Stadt".  In Parma lief es besser! Ein 2. Platz brachte ihm einen großen Parma-Käse von 60 cm Dm. und 25 cm Höhe ein, viele Kilo schwer!! Der Veranstalter tauschte den Preis dann gegen 75000 LIRE um, die er sich dann mit seinen Sportkollegen aufteilte. 

Aber von "unten" kam der Nachwuchs. Nun drängten viele junge Radsportler auf Straße und Bahn nach vorn. Die Generation der Hartnicks, Drogans und Diers war dem Jugendalter entwachsen!

                   1974 wurde mit dem Trainerrat des SC DHfK letztendlich über eine neue sportliche Perspektive für Horst Wagner beraten. Weil auch schon einige beachtenswerte Erfolge auf der Bahn zu Buche standen, wurde entschieden, dass hier der neue Schwerpunkt liegen sollte: Zweiermannschaftfahren oder 4000 m Verfolgung waren eine Optionen. Das 4000 m Mannschaftsfahren wurde schließlich favorisiert, da in der DDR in der Regel nur olympische Dis- ziplinen gefördert wurden. Er hat dann gemeinsam mit Klaus-Dieter Greil die DDR-Meisterschaft im Zweiermannschaftsfahren auf der Bahn gewonnen. Auch im Vierermannschaftsfahren ließ es sich dann gut an, so dass er als Ersatzmann  für die Radsportweltmeisterschaften  1974 in Montreal  in dieser Disziplin nominiert wurde. Aber auch da gab es wieder eine ent- täuschende Absage, die sich für ihn  nicht allein mit sportlichen Aspekten er- klären ließen.

Seine eigentliche sportliche Liebe galt sicher dem Straßenradsport. Einige seiner langjährigen Sportkameraden, wie Grabe und Höcke,  hatten inzwischen auch den Klub verlassen und fuhren als Amateure bei BSG Lok Ost Leipzig. So reifte in Horst Wagner, der inzwischen längst eine Familie gegründet hatte und in Torgau lebte, etwas frustriert der Entschluss, dem Hochleistungssport  auch ade zu sagen.

                       Das tat er dann alsbald und ging in seinen erlernten Beruf zurück.

 

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Fotos privat

Wenn ich manchmal seine Erfolge im Gespräch bestaunte und bewunderte,  sagte er mir immer wieder:"Fritz, du hast es  "richtig"er   gemacht"!

Nächster Termine für Kloster Cup 2017: Sechste  Etappe am 24..Septem-ber  2017

"Rundstreckenrennen"

 in Ziesar

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Auf dieser  Internetseiten stelle ich  mein  sportliches Hobby vor und berichte über Radsportthemen im Jedermann-Bereich in und um Brandenburg a.d.Havel