Historisches über Straßenrennen in Magdeburg oder von Straßenfahrern aus Magdeburg bei  Rennen in anderen Regionen

Der BFA-Vorsitzende, Otto Nitze, in seinem Element, wenn er den Jugendlichen bei der Siegerehrung immer anspornte:"Gut so Jungs, weiter so!"

 

Otto Nitze, Georg Bauer, Gerhard Tittel

 

Jetzt sollen aber noch zwei weitere Fahrer hervorgehoben werden, die sich auch in die Siegerlisten von überregionalen Rennen, ja sogar von Klassikern des deutschen Radsports eintragen konnten. Zunächst nenne ich hier Otto Nitze(*1895-+1963, den Sieger von „Rund um die Hainleite“ von 1924, der 1910 mit dem Radsport in seiner Heimatstadt begann. Zunächst gewann er 1913 und 14 die heiß umkämpften  „Meisterschaften von Magdeburg“(2x) und (….Halle/Saale). Dann unterbrach der 1. Weltkrieg seine hoffnungsvoll begonnene Karriere. Gleich nach dem Kriege gewann er jedoch nochmals 1920 die (M.v.M). Dann folgten Schlag auf Schlag Siege bei klassischen Straßenrennen der damaligen Zeit: „Quer durch die Lüneburger Heide“ und „Magdeburg-Quedlinburg-Magdeburg“ bd. 1921, „Rund um die Altmark“ und den „Großen Handelspreis von Magdeburg“1923. Außer der „Hainleite“,  „Rund um Magdeburg“, gewann er nochmals „R. u. Altmark) und „Quer durch Anhalt“ 1924. Zwei hervorragende zweite Plätze errang er im gleichen Jahr bei „München–Berlin“ hinter Kohl, sowie in der der großen Fernfahrt Zürich-Berlin über 1010 km hinter Peter Rösen und noch einige Top 10-Plätze, z.B. Berlin-Cottbus-Berlin. Ab 1954 war er Bezirksfachausschuss-Vorsitzender(BFA) und leitete bis zu seinem Tode die radsportliche Arbeit im Bezirk Magdeburg. Ich durfte ihn bei vielen Radrennen 1961 bis 63 noch persönlich kennen lernen!

Auch sein Nachfolger als BFA-Vorsitzender, Gerhard Tittel(*1903-+19?) hatte es auf 80 Siegerschleifen bis zum  Ende seiner Sportlerlaufbahn gebracht, ohne dass ich da etwas über die Art der Rennen weis. Die Straßenergebnisse von Otto Schmidt, hatte ich schon im Abschnitt Bahnradsport genannt, wie auch die gelegentlichen erfolgreichen Ausflüge der Bahnfahrer Otto Michaelis und Gustav Brummert auf die Straße!

An dieser Stelle soll an einen „Allrounder“ erinnert werden, Georg Bauer(*1905 -+1990). Mit 14 Jahren begann der Lehrjunge mit dem Radsport und zeichnete sich Trainingsfleiß aus. Er war sowohl auf der Straße, als auch auf der Bahn erfolgreich. Bis zum Abriss der Radrennbahn war er ein erfolgreicher Amateur und gewann Gau- und Landesmeisterschaften. Bei den Rennen „Mitteldeutscher Straßenpreis“, „Rund um die Dresdener Heid“, „Rund um Leipzig“ und dem „Brennabor-Preis von Magdeburg“ triumphierte er. Mit der Brennabor-Mannschaft gewann er die Meisterschaft der Deutschen Rad-Union (DRU) 1932 gemeinsam mit den schon beschriebenen Spitzenfahrern G. Brummert, O. Michaelis und O. Weckerling. Nach einem schwerwiegenden Sturz 1933 zog er sich vom aktiven Radsport zurück. Danach brachte er sich aktiv und kreativ die Organisation des Radsportes ein und war nach dem 2. Weltkrieg in Magdeburg u.a. als Mitbegründer von KWU/ BSG Turbine Magdeburg aktiv. Im DDR-Radsport bekleidete als Vizepräsident des DRSV eine herausragende Position und war an vorderster Stelle bei der Organisation der Radsportweltmeisterschaft 1960. Sein Sohn versuchte später in seine Fußstapfen zu steigen.

Im B.A. Nr.143, liest man am Mittwoch, 20. Juni 1928  über den „Großer Brennabor-Preis“ auf der Strecke Zerbst-Brandenburg-Zerbst über 150 km. Um 7 Uhr erschienen am Start in  Zerbst  70 Rennfahrer, darunter 11 Brandenburger. Das große Feld lichtete sich bald, wozu auch erste Radschäden beitrugen.  Bis zum Wendpunkt in Brandenburg hatten sich viele Gruppen gebildet. Mehrere Stürze führten leider auch zu Rennaufgaben. Eine Spitzengruppe mit 23 Fahrern traf an der Wende ein. Auf der Rückfahrt wurden viele Vorstöße gefahren, wobei der Magdeburger Jahns sich besonders auszeichnete. Das Rennen wurde nun auch noch durch scharfen Wind mit heftigen Regenschauern erschwert. In Wiesenburg    bildeten noch 6 Fahrer die Spitzengruppe. Dann setzten sich nach schnellem Antritt Jahns und Meyer (Berlin)  ab. Im Ziel lieferten  sich beide einen schönen Endkampf, den Jahns knapp für sich in 4:48.13 Std. entschied.

 

 

Bernhard Lipfert und Kurt Müller

Unter den vielen damaligen Magdeburger Talenten, wie Riemann, Henschel, Deutsch, Paul, Noethe und Zwingmann, möchte ich zwei weitere ausführlicher beschreiben. Erstens, Bernhard Lipfert (*1915-+19?), der ein Alleskönner war, 16jährig die DRU-Querfeldeinmeisterschaft  gewann  und erfolgreich 1932 auf dem „Biederitzer Tempel“  drei  Stadtmeistertitel im Sprint, Punktefahren und dem Verfolger jeweils gegen seinen stärksten Rivalen, Kurt Müller(*1915-+1976), gewann. Mit Müller bzw. Henschel feierte er Seriensiege auf dem Biederitzer Zement.  Von Herrn Ulrich Seelig aus Magdeburg  habe ich freundlicherweise vor kurzem aus einem Familiennachlaß eine Serie von Fotografien aus dieser Zeit erhalten, die leider nur spärlich beschriftet waren. Sicher sind neben Kurt Müller einige der genannten Radsportler aus den 30ern bis 40ern   darauf abgebildet, und jemand erkennt  Onkel, Vater oder Großvater darauf wieder.                      

Zunächst war B. Lipfert im Verein „Brennabor 28“ und holte im Einzel- und mit der Mannschaft auf der Straße die „Meisterschaft von Magdeburg“ und gewann den „Großen Preis“ seiner Heimatstadt. Später wechselte er zum RC „Endspurt“, war Zweiter bei „Rund um die Börde“ 1934 und siegt auch noch bei Magdeburg-Halle-Magdeburg 4 Min. Vorsprung vor Zwingmann, war 100-km-Meister des Bez. Magdeburg und wurde Kat. B. Zweiter bei einer Harz-Rundfahrt

Der 2. Weltkrieg verhinderte auch bei ihm eine noch möglich größere Radsportkarriere, doch gewann er nach dem Kriege noch „Magdeburg-Halberstadt-Magdeburg“  und nahm an dem ersten Etappenrennen nach dem 2. Wk., der Ostzonenrundfahrt 1949 teil, bei der er 18. wurde. Als studierte Diplomsportlehrer widmete er sich später als Verbandstrainer der Entwicklung des DDR-Radsportes.

 

Die folgenden Bilder zeigen vor allem Kurt Müller,  gemeinsam mit seinen Sportkameraden bei Sieger-ehrungen nach Straßenrennen und auf dem "Biederitzer Tempel". Beim Bild auf dem Tandem könnte es sich beim Hintermann um B. Lipfert handeln. Auf einem Bild, scheint es sich um ein Treffen mit Sportfreunden zu handeln, die schon zur Wehrmacht eingezogen waren. Einige Rennberichte mit Ergebnissen von K. Müller sind ebenfalls beigefügt.