Der streitbare Herr Schmidt (Corona-Chef)

(BA) Nr.151 1. 7. 1892  *Radsport: Die Strecke Magdeburg-Berlin, die 150 Kilometer beträgt, wurde in der Nacht vom Mittwoch auf  Donnerstag in 6 Std. und 25 Min. zurückgelegt. Verschiedene Mitglieder des „Brandenburger Radfahrer-Vereins „Vorwärts“  hatten gewettet, in 7 Std. von Magdeburg nach Berlin zu fahren. Ein Mitglied von „Vorwärts“ erklärte sich bereit, die Wettfahrt zu begleiten. Die Abfahrt war in Magdeburg Donnerstag früh um 1 Uhr. Infolge der Dunkelheit stürzte der begleitende Fahrer zweimal hinter einander ohne sich indes schwer zu beschädigen. In Burg wurden die beiden Fahrer vom Consulat der  „Allgemeinen Radfahrer-Union“ empfangen und durchgeführt. Hinter Burg brach dem einen Wettfahrer die Gabel der Maschine (Corona Fabri) zusammen, weshalb er die Fahrt aufgeben mußte, der andere  traf um 3 Uhr in Genthin und  um 4 Uhr in Brandenburg ein, setzte hier nach einer Pause von 25 Min. seine Fahrt fort, traf um 5 Uhr in Groß Kreutz und 6 Uhr in Potsdam ein. Durch den Grunewald ging es zur Rennbahn in Halensee, woselbst das Ziel war. Die Ankunft erfolgte 7 Uhr 25 Min. Der Fahrer hatte  also 150 km in 6 Stunden und 25 Min. zurückgelegt, dieses giebt eine Durchschnitt-Geschwindigkeit von 25 km in der Stunde. Der Fahrer benutze eine 17 kg schwere Maschine von Gebr. Reichstein.

 

Nr.153                                    BA Montag, den 4. Juli 1892

*Zu dem Artikel „Radsport“ in Nr. 151 erhielten wir folgende Erwiederung resp. Berichtigung.

Die Corona-Maschine, welche Herr G. auf der Wetttour Magdeburg-Berlin leihweise gefahren hat, steht zur Ansicht im Gasthaus „Zur Eisenbahn“. Es ist sehr wünschenswerth im Interesse des Sports, wenn sich einige unparteiische Herren die Maschine ansehen wollten, um darüber rechtlich urtheilen zu können.

Bis auf das Hinterrad ist die Maschine unbeschädigt und nicht zusammengebrochen. Vom rechten Nabenkranz sind sämmtlich 24 Tangentspeichen abgebrochen, ohne daß der Führer (wie er selbst behauptete), damit gestürzt oder gestrauchelt sei. Das Rad ist nicht verbogen und auch richtig justirt. Dagegen ist die Hälfte der Tangentspeichen eingedrückt, die andere Hälfte folgedessen ausge-sprungen.

Ist es möglich, daß 24 Tangentspeichen ohne Gewalt und jede Reibung auf einem Male und von einer Seite ausbrechen, welche in den  Kreuzungspunkten extra verbunden sind? Ein solcher Fall existirt noch nicht und läßt sich auch heute noch nicht glauben machen. Selbst der Unkundige wird diesen Fall anzweifeln, kann jedoch leicht herausfinden, daß hier Geschäftsschädigung gesucht wird.

Der Bericht ist überhaupt in vielen Theilen incorrect und nicht der Wahrheit entsprechend. Laut Bericht sind bis Burg mehrere Wettfahrer und ein Begleiter, während in Burg  nur zwei Fahrer eingeholt sind. Die anderen sind also spurlos verschwunden. In Wirklichkeit hat nur ein Wettender (Herr. G.) gefahren.

Der Begleiter (Herr J.) äußert in Brandenburg, von wo er 6 Min. nach 1/25 Uhr abfuhr, daß er Herrn G. von Magdeburg ab nicht wieder gesehen hätte. Mithin ist Herr G. ohne Begleitung gefahren und wesentlich zurückgeblieben.

Das Zusammenbrechen soll zwischen Burg und Genthin passirt sein. Der Fahrer jedoch behauptet, er sei bereits um 3 Uhr zwischen Dunkeln, Forth und Tanne gewesen und dort sei es passirt.  Auch ein Widerspruch-----

Wenn Herr G., wie behauptet wird, 60 km in 2 Std.  (riesige Leistung für einen Anfänger) will gefahren sein, also mehr wie Herr J. (?), so muß man sich wundern, daß er nicht seine Ehre zu retten sucht und noch einmal fährt. Es wäre doch geradezu für ihn eine Kleinigkeit (?), wo er sich so stark fühlen will. Er verzichtet aber. Geradezu lächerlich. Einem Fahrer kann man solchen Wind nicht vormachen.

Die ganze Darstellungsweise des Berichts zielt nur auf die Maschine und man erlaubt sich ohne Weiteres den Ausdruck „Maschine ist zusammengebrochen“, ohne sich vorher von dem wirklichen Sachverhalte richtig überzeugt zu haben. Ein altes Sprichwort sagt:“ Die schlechtesten Früchte sind es nicht, woran die Wespen nagen“.

Das Urtheil maßgebender Fabriken wird betreffs des defekten Rads eingeholt werden, und wird die stark herauszufühlende Parteilichkeit unparteiischer Herren nicht beeinflussen.

Jedenfalls wird dieses Manöver ein nicht gerade angenehmes Nachspiel finden.

                                                                                                          Ad. Schmidt

 

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